Abhörskandal – Toter Journalist bringt Murdoch Probleme

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AbhörskandalToter Journalist bringt Murdoch Probleme

Der Tod des ehemaligen «News of the World»-Journalisten Sean Hoare ist weiterhin unaufgeklärt. Derweil grassieren weiter Gerüchte über die Zukunft von Rupert Murdoch an der Spitze der News Corp.

Der britische Journalist Sean Hoare, der als erster zum Abhörskandal um das britische Boulevardblatt «News of the World» ausgepackt hat, ist laut Polizei tot aufgefunden worden, berichtet die britische Zeitung «Guardian». Hoare arbeitete für die «Sun» und für «News of the World», bevor er wegen Drogenproblemen gefeuert wurde.

Der Tod von Sean Hoare in dessen Haus werde nicht als verdächtig eingestuft, erklärte die Polizei laut der britischen Inlandsnachrichtenagentur PA am Montag. Der Reporter war von der «New York Times» mit den Worten zitiert worden, das Abhören von Telefonen sei bei der «News of the World» zu Zeiten des damaligen Chefredakteurs Andy Coulson eine weitverbreitete Methode gewesen und die Journalisten seien dazu sogar ermutigt worden. Coulson wurde im Zusammenhang mit dem Skandal inzwischen festgenommen.

Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben zwei ehemalige Journalisten der in einen Abhörskandal verwickelten Zeitung «News of the World» beschäftigt. Der Reporter Alex Marunchak sei zwischen 1980 und 2000 als Dolmetscher für Ukrainisch tätig gewesen, teilte Scotland Yard am Montag mit. Er habe dabei auch Zugang zu höchst heiklen Informationen gehabt.

Murdoch-Internetseite geknackt

Die Hackergruppe Lulz Security hat am Montag die Internetseite der britischen Boulevardzeitung «The Sun» geknackt und in einer Falschmeldung den angeblichen Tod von Medienmogul Rupert Murdoch vermeldet. Die Zeitung löschte den Eintrag, wonach der 80-Jährige tot in seinem Garten aufgefunden wurde, kurz nach der Veröffentlichung am Montagabend. Die «Sun» gehört wie das inzwischen eingestellte Skandalblatt «News of the World» zum britischen Murdoch-Ableger News International.

Besucher der Internetseite wurden auf die Seite von Lulz Security beim Kurznachrichtendienst Twitter weitergeleitet, wo sich die Hacker zu der Attacke bekannten und weitere Aktionen ankündigten. «Diese Geschichte ist nur die Phase Eins», hieß es in einer Nachricht. Eine Sprecherin von News International sagte, die britische Zeitungsgruppe habe Kenntnis von dem Onlineangriff.

Lulz Security hatte in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben die Internetseiten von Unternehmen wie Sony und Nintendo, aber auch den US-Senat und den US-Geheimdienst CIA angegriffen. Ende Juni gab die Gruppe ursprünglich das Ende ihrer Aktionen bekannt.

Murdoch bleibt an der Macht

News Corp.-Aufsichtsratsmitglied Thomas Perkins hat Berichte über eine Nachfolgeregelung für den unter Druck geratenen Medienunternehmer Rupert Murdoch zurückgewiesen. Murdoch habe die volle Unterstützung des Aufsichtsrats und es gebe keine Pläne, ihn wegen des Abhörskandals in Großbritannien zu ersetzen, sagte Perkins am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, der Aufsichtsrat habe einen Plan für die Nachfolge Murdochs erarbeitet, nach dem der Vorstand für das operative Geschäft, Chase Carey, neuer Vorstandsvorsitzender werden solle.

Eine grundsätzliche Nachfolgeregelung für die Konzernspitze von News Corp. gebe es zwar bereits seit längerem, der Abhörskandal um die mittlerweile eingestellte Boulevardzeitung «News of the World» hätte an den Plänen jedoch nichts geändert.

Murdoch, sein Sohn James und die ehemalige Chefin der britischen Zeitungssparte von News Corp., Rebekah Brooks, werden zu einer Anhörung im britischen Parlament erwartet.

Scotland Yard unter Druck

Im Zuge des Abhörskandals um «News of the World» gerät die Londoner Polizeibehörde Scotland Yard immer mehr unter Beschuss. Nachdem Polizeichef Paul Stephenson wegen der Vorwürfe der Verstrickung seiner Behörde zurückgetreten war, folgte am Montag sein Stellvertreter John Yates.

Yates hatte 2009 entschieden, dass trotz neuer Vorwürfe keine neuen Ermittlungen im Abhörskandal aufgenommen werden und erklärt, seit dem Abschluss eines ersten Verfahrens 2007 lägen keine neuen Beweise vor. Vergangene Woche hatte sich Yates zwar entschuldigt, am Montag waren jedoch Forderungen nach seinem Rücktritt laut geworden.

Stephenson, Chef der Metropolitan Police, wie Scotland Yard offiziell heißt, hatte seinen Rücktritt mit den «Spekulationen und Anschuldigungen» über Verbindungen seiner Behörde zur Zeitungsgruppe News International von Rupert Murdoch begründet.

Luxusferien des Polizeichefs

Er habe sich aber nichts vorzuwerfen, betonte Stephenson, der mit dem vor wenigen Tagen festgenommenen ehemaligen «News of the World»-Vizechefredakteur Neil Wallis in Verbindung gebracht wird.

Der Polizeichef soll Anfang des Jahres fünf Wochen in einem Luxus-Wellness-Hotel verbracht haben, wo Wallis als PR-Berater arbeitete. Daneben arbeitete Wallis nach seinem Wechsel in die PR-Branche als Berater für die Polizei.

Nach Angaben von Innenministerin Theresa May wird die britische Polizei-Aufsichtsbehörde zu möglicher Korruption bei der Polizei ermitteln. Laut dem Inspectorate of Constabulary wurden bereits Vorwürfe gegen vier ehemalige ranghohe Londoner Beamte erhoben.

Stellungnahme Camerons im Parlament

Am Mittwoch will Premierminister Cameron vor dem Unterhaus Stellung zum Abhörskandal nehmen. Er habe das Unterhaus gebeten, seine Sitzungsperiode um einen Tag zu verlängern, damit er die Abgeordneten über die neuen Ermittlungsergebnisse informieren und zu den jüngsten Ereignissen Stellung nehmen könne, sagte Cameron.

An diesem Dienstag sollen zudem News-Corp-Chef Rupert Murdoch, dessen Sohn James und die Ex-Chefredaktorin von «News of the World», Rebekah Brooks, vor dem Medienausschuss des Unterhauses zum Abhörskandal Rede und Antwort stehen.

Brooks war am Sonntag nach einer Vorladung bei der Polizei festgenommen und nach zwölfstündiger Befragung auf Kaution freigelassen worden. Bis zu ihrem Rücktritt am Freitag war sie Chefin von News International. Laut Polizei steht Brooks unter Verdacht, für die Bestechung von Polizisten und das Abhören von Mailboxen mitverantwortlich zu sein.

Opposition fordert Transparenz

Die britische Opposition forderte Cameron unterdessen auf, sein Verhältnis zu Medienmogul Murdoch und anderen Akteuren im Abhörskandal offen zu legen.

Cameron müsse zum Beispiel erklären, ob er mit Murdoch oder dessen Top-Managerin Brooks bei gesellschaftlichen Ereignissen über eine Übernahme des Senders BSkyB gesprochen habe, forderte der Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei, Ed Miliband, am Montag.

Die Opposition wirft Cameron vor, ein zu enges Verhältnis zu Murdoch gepflegt zu haben. Der Medienmogul wollte BSkyB übernehmen, gab dieses Vorhaben im Zuge der Affäre um unerlaubte Recherchemethoden aber auf. Miliband warf Cameron vor, durch frühere Entscheidungen im Hinblick auf Murdochs britischen Unternehmensarm News International heute «gelähmt» zu sein.

L'essentiel Online/kub/sda/dapd/feb

Standard & Poor's droht Murdoch mit Herabstufung

Der Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung «News of the World» hat für Medienmogul Rupert Murdoch zunehmend auch wirtschaftliche Folgen: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte am Montag den Ausblick für die Kreditwürdigkeit seines Konzerns News Corp auf «negativ» herab. Seit einer Prüfung in der vergangenen Woche seien die Ermittlungen in Großbritannien ausgeweitet worden, hieß es zur Begründung. Zudem verwies die Ratingagentur auf den «Verlust des guten Rufs» des Konzerns, eine «Schwächung» der Führungsebene nach mehreren Rücktritten und den Verzicht auf die geplante Übernahme des britischen Bezahlsenders BSkyB.

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