Der Tag danach – Tour geht weiter - Fränk Schleck abgereist

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Der Tag danachTour geht weiter - Fränk Schleck abgereist

Die 16. Etappe der Tour de France ist am Mittag gestartet. Das Team RadioShack betonte zuvor, es vertraue dem unter Doping-Verdacht stehenden Fränk Schleck.

Die Tour de France 2012 hat sich am Mittwoch mit reichlich Doping-Ballast auf die erste von zwei superschweren Pyrenäen-Etappen gemacht. Der positive Befund auf ein zur möglichen Verschleierung von Doping-Substanzen dienendes Diuretikum bei RadioShack-Profi Fränk Schleck überschattete bei tropischen Temperaturen den Start am schicken Palais Beaumont von Pau. Zu diesem Zeitpunkt hatte der prominente Fahrer mit seiner Frau die Tour im Auto Richtung Luxemburg bereits verlassen.

««Ich bestreite, irgendeine verbotene Substanz eingenommen zu haben. Ich kann mir das Kontrollergebnis nicht erklären und bestehe daher auf die Untersuchung der B-Probe», erklärte Schleck in einer Stellungnahme. «Sollte die B-Probe das erste Analyse-Ergebnis bestätigen, werde ich eine Klage gegen Unbekannt einreichen wegen Vergiftung», sagte Schleck weiter.

Zu sechst nach Paris

Schlecks Teamkollege Jens Voigt hatte sich am frühen Mittag als erster RadioShack-Fahrer aus dem dicht belagerten Mannschaftsbus getraut und stand in drei Sprachen Rede und Antwort. «Man kann jetzt nicht so tun, als sei nichts passiert. Das ist kein leichter Moment für mich, aber Fränk ist mein Freund und bleibt mein Freund», sagte der 40-jährige Routinier und älteste Tour-Teilnehmer. «Wir müssen jetzt versuchen, mit sechs Fahrern noch bis Paris zu kommen», meinte der sechsfache Familienvater.

Team: «Wir vertrauen ihm und müssen ihn auch schützen»

Für den Luxemburger ist dies nicht der erste Dopingverdacht: 2008 musste er nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zugeben, dem spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes Geld überwiesen zu haben. «Der damalige Fall und der jetzige haben nichts miteinander zu tun. Für seine Kontakte zu Fuentes wurde er nicht bestraft», erklärte sein Ex-Teamchef Bjarne Riis, der 2007 selbst Doping gestanden hatte.

Schlecks positiven Befund lieferte das bei Dopern berüchtigte Labor Chatenay-Malabry am Stadtrand von Paris. Dort wurden 1999 auch die positiven und erst sechs Jahre später analysierten Epo-Proben von Tour-Rekordsieger Armstrong untersucht.

Der deutsche Doping-Experte Fritz Sörgel sprach gegenüber «L'essentiel Online» von einem möglichen «Blackout» bei Fränk Schleck: «Ein Profi weiß, dass die Labore auf Verschleierungsmittel hin testen. Außerdem ist das Labor in Paris erste Klasse und das ist in Sportkreisen bekannt. Das hätte ich in der Spitzengruppe der Tour-de-France-Fahrer nicht erwartet. Ich wurde eines Besseren belehrt.» Es werde für ihn schwierig, die Vergiftungstheorie nachzuweisen.

(L'essentiel Online/dpa)

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