Sansibar – Trauminsel mit dunkler Vergangenheit

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SansibarTrauminsel mit dunkler Vergangenheit

Sansibar steht für Romantik und schneeweiße Strände. Doch die afrikanische Insel hat auch eine bewegte Geschichte.

Mit einer sanften Böe gleiten die letzten Daus, traditionelle Segelboote, zurück in den Hafen. Am Strand schlagen Halbstarke Salti, während Touristen die Szenerie von der Terrasse der Livingstone-Bar aus beobachten und an ihrem Sundowner nippen. Umgeben von einem tiefroten Lichtkranz taucht die Sonne ins Meer. Postkartenidylle. Sansibar ist ein Sehnsuchtsziel. Der Name allein erzeugt Fernweh und ist Synonym für Inselzauber und Exotik. Besonders nach einer Safari ist der Archipel vor der Küste Tansanias beliebt. Hier wäscht man sich den Staub der Serengeti aus den Haaren und lässt den puderleichten Sand durch die Zehen rieseln.

Blühender Sklavenhandel

Tickt die Zeit in den Beach-Hotels «pole pole» - «langsam, langsam», wuselt es in der labyrinthartigen Altstadt Stone Town umso mehr. Frauen huschen in ihren Buibuis - ein schwarzer Ganzkörperumhang - durch die Gassen. Auf dem Markt werden frische Früchte, Fisch und Gewürze feilgeboten. Der Export von Nelken, Vanille und Muskatnuss ist neben dem Tourismus die Haupteinnahmequelle. Gewürze waren auch der Auslöser für das dunkelste Kapitel in Sansibars Geschichte: Die einstigen Kolonialherren aus Oman benötigten Arbeitskräfte für die Plantagen. Daraus entstand Mitte des 19. Jahrhunderts ein blühendes Geschäft und die Insel wurde zum Hauptumschlagplatz für den Sklavenhandel an der Ostküste Afrikas. Marode Paläste zeugen vom einstigen Reichtum.

Geheime Höhle

Selbst nachdem die Briten die Sklaverei offiziell abgeschafft hatten, operierte der gefürchtete Händler Tippu Tip im Geheimen weiter. In einer Höhle in Mangapwani - Suaheli für «Strand der Araber» - wurden die verkauften Seelen versteckt. «Der Ort ist verwunschen», sagt Guide Abduly. Obwohl die Einheimischen Muslime seien, werde hier schwarze Magie praktiziert. Passt so gar nicht ins Bild der Trauminsel. «Es kommen nicht viele Touristen hierher», sagt Abduly denn auch enttäuscht. «Sie liegen lieber an der Sonne.»

(L'essentiel/Marlies Seifert)

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