Vor Wisconsin – Trump frisst Kreide und schickt seine Melania vor

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Vor WisconsinTrump frisst Kreide und schickt seine Melania vor

Von allen Seiten bedrängt, hat US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump öffentlich Patzer bedauert. In Wisconsin soll Gattin Melania bei Frauen für ihn punkten.

Nie, wirklich nie hat sich Donald Trump in all den vergangenen Monaten für etwas entschuldigt. So war es höchst erstaunlich, dass der kontroverse Spitzenreiter im Rennen um die republikanische US-Präsidentschaftskandidatur über das Wochenende eigene Fehlleistungen eingestanden hat.

Der New Yorker Milliardär schien in mehreren Interviews Kreide gefressen zu haben. «War es meine beste Woche bisher?», fragte er in der Sendung «Fox News Sunday» mit Bezug auf die vergangenen sieben Tage, «ich glaube nicht.» Trump erwähnte speziell einen von ihm weiterverbreiteten Tweet mit einem äußerst unschmeichelhaften Bild von Heid Cruz, der Frau seines Rivalen Ted Cruz aus Texas: «Wenn ich es noch einmal tun müsste, hätte ich es wahrscheinlich nicht versandt.»

Wisconsin gefährlich für Trump

Die überraschend introspektive Bemerkung erklärt sich aus der Lage des Rennens vor dem wichtigen Primärwahlgang in Wisconsin. Trump hat zwar in bisher zwanzig Gliedstaaten gewonnen und dabei 736 Delegierte gesammelt, deutlich mehr als Cruz. Doch er braucht noch 501 Delegierte, um das für die Nomination erforderliche absolute Mehr von 1237 Parteivertretern zu erreichen.

Wisconsin könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Der mittelwestliche Gliedstaat ist nicht nur der historische Geburtsort der republikanischen Partei und Heimat von Parteipräsident Reince Priebus und von Paul Ryan, dem «Speaker» des Repräsentantenhauses. Wisconsin ist mit seinem großen Anteil an Industriearbeitern auch für einen Sieg Trumps prädestiniert. Trotzdem liegt nach den letzten Umfragen der strikt konservative Cruz vor dem ideologisch wankelmütigen Populisten Trump. Gegen den Spitzenreiter wirken nämlich drei starke Kräfte:

1. Die Frauen: Nach einer Umfrage der «Washington Post» wird Trump von 70 Prozent der Frauen abgelehnt. Er verscherzte sich ihre Gunst mit dem erwähnten Tweet, aber auch mit wilden Aussagen zum heiklen Abtreibungsthema. Um hier Gegensteuer zu geben, ließ Trump seine Frau Melania an drei Anlässen in Wisconsin auftreten.

2. Die Medien: Zeitungskommentare sind fast durchwegs negativ übertitelt. Beispiele aus der «Washington Post» vom Montag: «Das ist das Ende von Trump, wirklich», «Trumps Tricks zum Verschleiern von Unwissenheit», «Trumps Inkohärenz schlingert in die Gefahrenzone». Auch Konservative Kommentatoren geben Tipps «How to Dump Trump» (Wie Trump zu entsorgen ist). Dessen Gegenstrategie: Er gibt noch mehr Interviews – nach dem Grundsatz, dass ihm die Presseauftritte am Ende mehr helfen als schaden.

3. Die Partei: Die Führung der Republikaner sucht krampfhaft nach Wegen, um an einem «offenen» Parteikongress im Juli die Nomination von Trump zu verhindern. Manche sehen die Alternative in Cruz, manche in John Kasich, dem Gouverneur von Ohio. Und George W. Bushs Wahlguru Karl Rove spielte sogar auf die Möglichkeit an, in Cleveland ein «frisches Gesicht» aufzubieten, etwa Kongressführer Ryan. Trumps Abwehrmaßnahmen: Er macht auf loyal, droht aber gleichzeitig, im Bedarfsfall als unabhängiger Kandidat gegen die Republikaner anzutreten.

Eine Niederlage in Wisconsin würde Trumps Weg zur Nomination nicht versperren, aber drastisch erschweren. Auf jeden Fall würde sie die Turbulenzen um seine Kandidatur verstärken.

(L'essentiel)

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