Mutanten beim AKW: Tschernobyl-Frösche ändern Farbe gegen die Strahlung

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Mutanten beim AKWTschernobyl-Frösche ändern Farbe gegen die Strahlung

36 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben Forscher in der Nähe der AKW-Ruine Frösche entdeckt, die statt grün nun schwarz sind. Das Melanin beschützt die Tiere wohl vor schweren Strahlenschäden. 

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Mutiert vs. «normal»: Der linke Frosch stammt aus einer Linie, die sich an die Strahlung angepasst hat.

Mutiert vs. «normal»: Der linke Frosch stammt aus einer Linie, die sich an die Strahlung angepasst hat.

IFLScience/ Germán Orizaola und Pablo Burraco
Die Forscher fanden auch Abstufungen zwischen Hellgrün und Schwarz.

Die Forscher fanden auch Abstufungen zwischen Hellgrün und Schwarz.

IFLScience/ Germán Orizaola und Pablo Burraco
Burraco und Orizaola vor dem Sarkophag mit dem Unglücksreaktor in Tschernobyl.

Burraco und Orizaola vor dem Sarkophag mit dem Unglücksreaktor in Tschernobyl.

IFLScience/ Germán Orizaola und Pablo Burraco

Am 26. April 1986 passierte im Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine ein katastrophaler Unfall: Als Folge einer Simulation eines Stromausfalls kam es zur Explosion des Reaktors und einem nachfolgenden Brand des darin enthaltenen Graphits. Dabei wurden mehrere Trillionen Becquerel Radioaktivität in die Atmosphäre freigesetzt. Die Folgen sind bis heute präsent. Um den Reaktorblock – der mit einem riesenhaften Sarkophag isoliert wurde – wurde eine 30 Kilometer messende Sperrzone eingerichtet.

Mittlerweile hat sich in der Sperrzone wieder tierisches Leben ausgebreitet. So beleben etwa wieder Elche, Hirsche, Rehe, Wildschweine und Wölfe das Gebiet, aber auch etliche andere Tierarten haben das Gebiet für sich zurückerobert. Einzelne Spezies mussten sich allerdings genetisch anpassen, um die teils massive Strahlenbelastung überleben zu können. Nun berichten die beiden Forscher Germán Orizaola und Pablo Burraco von der Universität im spanischen Oviedo von eigenartigen Mutationen bei den Östlichen Laubfröschen, die sie in den Sümpfen nahe des Unglücksreaktors angetroffen haben: Statt in sattem Grün kamen etliche Exemplare in einer dunklen Färbung daher, manche sind sogar tiefschwarz pigmentiert.

«Wir haben diese Frösche am ersten Tag gesehen, als wir in Tschernobyl arbeiteten», so Orizaola. «Wir suchten in der Nähe des AKW nach ihnen und stellten fest, dass viele Exemplare einfach schwarz waren.» Als Biologen wussten die beiden, dass das Pigment Melanin für die dunkle Färbung in vielen Tieren verantwortlich ist – und dass der Stoff vor den Folgen diverser Belastungen von UV bis ionisierter Strahlung schützt. Melanin kann ionisierte Moleküle, die ins Zellinnere gelangt sind, neutralisieren und so Schäden verhindern.

Je mehr Strahlung, desto dunkler der Frosch

Für ihre Studie sammelten die Wissenschaftler über 200 männliche Laubfrösche von zwölf verschiedenen Brutplätzen mit unterschiedlich hoher Strahlungsbelastung. Dabei fanden sie heraus, dass die Frösche in der Sperrzone deutlich dunkler waren als die außerhalb. Und obwohl heute keine Korrelation zwischen den dunkelsten Tieren und den meistverstrahlten Gebieten mehr bestehe, gebe es durchaus einen Zusammenhang für die Zeit kurz nach dem Unfall.

Da bei dieser Gattung auch unter normalen Umständen dunklere Färbungen vorkommen, nehmen die Forscher an, dass diese die besseren Überlebenschancen hatten und sich deshalb gegen ihre grünen Artgenossen durchsetzten. Heute, zehn bis zwölf Generationen nach dem Unfall, sind die schwarzen Frösche in der Mehrheit.

(trx)

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