Streit um Festnahme – Türkei fordert von USA Ende des Visa-Banns

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Streit um FestnahmeTürkei fordert von USA Ende des Visa-Banns

Im Streit um gegenseitige Suspendierung der Visumvergabe hat Ankara den US-Botschafter einbestellt. Türkische Aktien und die Landeswährung geraten unter Druck.

Das Tor zu den USA ist für Touristen und Geschäftsleute aus der Türkei zu: Ein Sicherheitsmann vor der US-Botschaft in Ankara. (Archivbild)

Das Tor zu den USA ist für Touristen und Geschäftsleute aus der Türkei zu: Ein Sicherheitsmann vor der US-Botschaft in Ankara. (Archivbild)

AP Photo/Burhan Ozbilici

Die Türkei hat die USA heute aufgefordert, die Einschränkungen für die Visavergabe an den Konsulaten in der Türkei zurückzunehmen. Der US-Geschäftsträger in Ankara, Philip Kosnett, sei ins Außenministerium einbestellt worden, um ihm diese Forderung zu übermitteln, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Vereinigten Staaten und die Türkei haben die gegenseitige Visavergabe stark eingeschränkt. Betroffen sind jeweils Nicht-Einwanderungsvisa, die zum Beispiel an Geschäftsleute, Touristen und Studenten ausgegeben werden. Hintergrund der diplomatischen Krise ist ein Streit um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen.

Auslöser des Visastreits war die Festnahme eines amerikanischen Konsulatsmitarbeiters in der Türkei. Die US-Botschaft in Ankara teilte am Sonntag mit, die jüngsten Entwicklungen hätten sie dazu gezwungen, das Bekenntnis der türkischen Regierung zur Sicherheit der amerikanischen Einrichtungen und Angestellten im Land zu überdenken. Nicht-Einwanderungsvisa würden ab sofort nicht mehr erteilt.

Retourkutsche aus Ankara

Die türkische Botschaft in Washington reagierte am späten Sonntagabend (Ortszeit) mit einer ähnlichen Bekanntmachung: Das Bekenntnis der US-Regierung zur Sicherheit der türkischen Einrichtungen werde überprüft, schrieb die Botschaft auf Twitter. Die Maßnahmen könnten elektronische Visa, Einreisegenehmigungen, die an der Grenze ausgestellt werden, und bereits erteilte Visa betreffen, hieß es von der Botschaft.

Die türkischen Behörden hatten den Beschäftigten des US-Konsulats in Istanbul am Mittwoch wegen angeblicher Verbindungen zum Netzwerk des Predigers Gülen festgenommen. Die türkische Regierung hält Gülen für den Drahtzieher des gescheiterten Putschs vom vergangenen Sommer, was der Geistliche bestreitet.

Lira und Börse unter Druck

Der jüngste politische Streit hat die türkische Börse und die Währung der Türkei am Montag erheblich belastet. Die Börse in Istanbul gab am Vormittag zeitweise mehr als vier Prozent nach, die türkische Lira geriet zu vielen wichtigen Währungen unter Druck.

Gegenüber Euro und Dollar verlor die Lira bis kurz vor dem Mittag jeweils rund zwei Prozent an Wert. Im asiatischen Handel waren die Verluste wesentlich höher gewesen. Die Renditen und Risikoaufschläge für türkische Staatsanleihen, die in der Landeswährung gehandelt werden, stiegen deutlich an.

Die scharfe Reaktion der Finanzmärkte begründeten Analysten auch damit, dass die Märkte von der politischen Eskalation überrascht worden seien.

Übersetzer und US-Pastor in Haft

Zuvor wurde bereits im März ein Übersetzer des US-Konsulats in der Provinz Adana festgenommen. Er soll Verbindungen zu kurdischen Extremisten unterhalten haben. Außerdem sitzt ein amerikanischer Pastor, der seit mehr als 20 Jahren in der Türkei lebt, seit einem Jahr im Gefängnis. Auch ihm werden Kontakte zu Gülen vorgeworfen.

Die USA und die Türkei streiten auch über kurdische Kämpfer in Syrien, die von den USA im Krieg gegen die Terrormiliz IS unterstützt werden. Die Türkei betrachtet sie als Terrorgruppe und verlängerten Arm der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK.

(L'essentiel/rub/afp)

Türkische Operation in SyrienDie türkische Armee hat den Beginn eines neuen Militäreinsatzes in der nordsyrischen Provinz Idlib verkündet. Wie die Armee mitteilte, diene der «Aufklärungseinsatz» jenseits der Grenze der Einrichtung von Beobachtungsposten in Idlib. Die Armee hatte am Wochenende in Vorbereitung des neuen Vorstoßes auf Idlib Truppen an der Grenze zusammengezogen.Nach Angaben der Regierung dient der Einsatz der Durchsetzung einer geplanten «Deeskalationszone» in Idlib. In dieser von der Türkei, Russland und dem Iran vereinbarten Zone soll eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gelten. Davon ausgenommen ist aber das Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham, das große Teile von Idlib kontrolliert.Um die Waffenruhe in der Deeskalationszone durchzusetzen, wird die Türkei daher zunächst Hajat Tahrir al-Scham aus Idlib vertreiben müssen. Es wird mit heftigen Kämpfen gerechnet. (sda)

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