Frankreich – TV-Moderatorin löst Islamismus-Debatte aus
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FrankreichTV-Moderatorin löst Islamismus-Debatte aus

Im Jahr des Präsidentschaftswahlkampfes rückt das heikle Thema wieder in den Fokus der nationalen Politik. Ausgelöst hatte dies eine Fernsehmoderatorin.

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Ophélie Meunier ist Moderatorin des TV-Senders M6.

Ophélie Meunier ist Moderatorin des TV-Senders M6.

Screenshot/Instagram
In der neuesten Folge der Investigativsendung «Zone Inderdite» portraitierte sie zusammen mit einem örtlichen Anwalt die Ausbreitung radikalislamischer Praktiken in der Stadt Roubaix.

In der neuesten Folge der Investigativsendung «Zone Inderdite» portraitierte sie zusammen mit einem örtlichen Anwalt die Ausbreitung radikalislamischer Praktiken in der Stadt Roubaix.

AFP
Roubaix liegt im äußersten Norden Frankreichs und hat knapp 100.000 Einwohner. 

Roubaix liegt im äußersten Norden Frankreichs und hat knapp 100.000 Einwohner. 

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Ende Januar strahlte der französische TV-Sender M6 eine Doku aus, in der die Journalistin Ophélie Meunier aus dem Leben der Einwohnerinnen und Einwohner einer Stadt im Norden des Landes berichtete. Im Film war zu sehen, wie in Roubaix muslimische Praktiken dominieren – zum Teil gar extreme Formen wie etwa eine Trennung von männlichen und weiblichen Gästen.

Anschließend erhielten die TV-Frau und ihr Mitstreiter, ein örtlicher Jurist, Morddrohungen. Der Fall wirft hohe Wellen in Frankreich. Intellektuelle solidarisierten sich mit den beiden und sogen sich lautstark um die Meinungsfreiheit im Land. Ein prominenter Anwärter auf das Präsidentenamt hat sich dem Thema wenige Monate vor der Wahl ebenfalls angenommen. 

Intellektuelle wollen Medien «wachrütteln»

Entfacht wurde der Fall mit der Ausstrahlung der neuesten Folge des Investigativformats «Zone Interdite» am 23. Januar auf dem Privatsender M6. Darin war zu sehen, wie in der Stadt Roubaix, im Norden Frankreichs, zum Teil radikalislamistische Praktiken das Stadtbild prägen.

Meunier und ihr Mitstreiter, der örtliche Jurist Amine Elbahi, zeigten im Film Geschäfte, die wohl aus Pietätsgründen geschlechterlose Mannequins ausstellten; in vielen Straßen würden zudem Halal-Metzgereien dominieren. In Buchhandlungen fanden Meunier und Elbahi besonders viele extremistische Literatur.

In einer Szene im Film war gar ein Restaurant zu sehen, in dem es Boxen für vollverschleierte Frauen gibt. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet, wurden Meunier und Elbahi seit der Ausstrahlung der Doku von radikalen Islamisten mit Morddrohungen eingedeckt und müssen seither unter Polizeischutz leben. 

Es dauerte einige Tage, aber spätestens mit einem Artikel in der Tageszeitung «Le Figaro» in dem mehrere prominente Intellektuelle kritisierten, dass die Medien sich dem Medien nicht angenommen hätten und dies ein Indiz für die gefährdete Meinungsfreiheit im Land sei, entbrannte im Land die Diskussion rund um den Fall Roubaix. Man könne sich nicht mehr kritisch über den Islamismus äußern, ohne an Leib und Leben gefährdet zu werden, schrieben die Verfasser.

Präsidentschaftsanwärter Zemmour bringt sich in Stellung

Am 7. Januar 2015 töteten zwei Islamisten zwölf Redakteuren der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Anschließend kam es zu großen Solidaritätsbekundungen unter dem Hashtag #jesuischarlie. Die Diskussion darüber, wie frei Presse und Kulturschaffende in Frankreich wirklich sind, ist seither nie abgerissen. Die Unterzeichner des Artikels in «Le Figaro» sehen in der fehlenden Berichterstattung zum Fall Meunier auch ein Indiz für die wenig ausgeprägte Pressefreiheit im Land.

Erst als sich Politiker der Sache angenommen hätten, seien auch die Medien der Angelegenheit nachgegangen. Andere Medien berichten darüber, dass zurzeit rund 30 Intellektuelle und Journalisten in Frankreich unter Polizeischutz stehen, weil sie sich kritisch über den Islam geäußert hatten. In internationalen Rankings zur Pressefreiheit würde Frankreich ohnehin nur den 34. Platz belegen, monieren die Kritiker.

Die Kontroverse rund um die Doku kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Frankreich wählt im April einen oder eine neue Präsidentin. Amtsinhaber Emmanuel Macron möchte im Amt bleiben. Der Mitte-Kandidat dürfte von rechts jedoch gleich doppelt herausgefordert werden. Neben der langjährigen politischen Gegnerin, Marine Le Pen, sorgte seit Monaten Eric Zemmour mit provokativen Aussagen über Einwanderung und den Islam für Furore.

An einer Wahlkampfveranstaltung reihte er sich jüngst in die Reihe derjenigen ein, die den Fall Roubaix als emblematisch sehen: «Wenn Journalisten über diese Realität nicht mehr berichten, sondern von Politikern dazu aufgefordert werden müssen, haben sie die Prüfung nicht bestanden.» 

(L'essentiel/Patrick McEvily)

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