Mittelmeer – Über 100 Tote vor libyscher Küste geborgen

Publiziert

MittelmeerÜber 100 Tote vor libyscher Küste geborgen

Die griechische Küstenwache gut hunderte Menschen von einem gesunkenen Flüchtlingsboot gerettet. Mehrere Leichen wurden schon geborgen.

Zwei Flüchtlingsdramen im Mittelmeer: Ein Leichensack an der libyschen Küste. (2. Juni 2016)

Zwei Flüchtlingsdramen im Mittelmeer: Ein Leichensack an der libyschen Küste. (2. Juni 2016)

Mohame ben Khalifa

Laut eines Sprechers der libyschen Marine sind vor der libyschen Küste mehr als 100 Leichen geborgen worden. Das leere Schiff sei am Donnerstag gefunden worden und könnte möglicherweise bereits am Mittwoch gesunken sein. Bereits am Donnerstag waren nach Angaben des Roten Halbmonds 85 Leichen von 85 Flüchtlingen an der Westküste Libyens angespült worden.

Viele weitere Tote wurden nach einem zweiten Schiffsunglück südlich von Kreta vermutet. Die griechische Küstenwache konnte dort heute 340 Menschen retten und barg bisher vier Leichen. Doch viele weitere galten zunächst noch als vermisst.

Vor der griechischen Küste ist ein überfülltes Flüchtlingsboot mit möglicherweise über 700 Passagieren gekentert. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit.

Das Unglück ereignete sich 75 Seemeilen südlich von Kreta. Das 25 Meter lange Boot sei gekentert und zur Hälfte untergegangen, sagte eine Sprecherin der griechischen Küstenwache der Nachrichtenagentur AFP. Eine Fähre alarmierte die Küstenwache.

Die griechischen Behörden starteten einen großen Rettungseinsatz. Die Küstenwache schickte den Angaben zufolge zwei Patrouillenboote, ein Flugzeug und einen Hubschrauber los. Mindestens vier Schiffe, die in der Region unterwegs waren, beteiligten sich ebenfalls an dem Einsatz. Sie warfen Rettungsbojen aus, an denen sich die Flüchtlinge festhalten konnten.

Herkunft der Flüchtlinge noch unklar

Zur Nationalität der Flüchtlinge konnte die Küstenwache zunächst keine Angaben machen. Sie äußerte sich auch nicht dazu, ob das Boot in der Türkei, in Libyen oder Ägypten in See gestochen war. Nach Angaben der IOM kam das Boot vermutlich aus Afrika.

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa. Bei der gefährlichen Überfahrt zu den griechischen Inseln in der Ägäis kamen im vergangenen Jahr hunderte Menschen ums Leben. Seit der Schließung der sogenannten Balkanroute versuchten zuletzt aber weniger Flüchtlinge, über die Türkei und Griechenland in die EU zu gelangen. Stattdessen waren wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Italien gekommen.

Ende Mai hatte die griechische Küstenwache vor der Küste Kretas ein Flüchtlingsboot abgefangen, auf dem zwei mutmaßliche Schlepper 65 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan transportierten. Nach Angaben der Passagiere war das Boot in der Türkei losgefahren. Die Küstenwache äußerte sich nicht dazu, ob es auf dem Weg nach Italien oder Griechenland war. Möglicherweise hatte es die Route über Kreta gewählt, um den Nato-Patrouillen in der Nord-Ägäis auszuweichen.

(L'essentiel/nag/afp)

Deine Meinung