Guatemala – Über 130 Leichen aus Schlamm geborgen

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GuatemalaÜber 130 Leichen aus Schlamm geborgen

Drei Tage nach dem verheerenden Erdrutsch wird der Verwesungsgeruch im Unglücksgebiet in Guatemala immer stärker – und die Zahl der Opfer steigt.

Nach dem schweren Erdrutsch in Guatemala schwindet die Hoffnung der Einsatzkräfte, noch Überlebende zu finden. Am Sonntag zogen sie stattdessen weitere Leichen aus dem Schlamm, die Zahl der Toten lag damit bisher bei mindestens 131, wie Julio Sanchez von der freiwilligen Feuerwehr mitteilte. 69 Tote seien bereits identifiziert worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Darunter sind mindestens 26 Kinder und Jugendliche. Noch immer wurden in dem Vorort von Guatemala-Stadt mindestens 300 Menschen vermisst.

Im Unglücksgebiet breitete sich am Wochenende Verwesungsgeruch aus, weswegen die Einsatzteams beschlossen, einzelne Helfer, Verwandte der Opfer und Reporter von dort fernzuhalten. Wegen erneuter Regenfälle stellten die Rettungsmannschaften ihre Suche am Sonntag vorübergehend ein. Das Risiko eines erneuten Abgangs sei zu groß, sagte Einsatzleiter Sergio Cabañas.

Erste Opfer bestattet

Statt mit der Hand im Schlamm zu wühlen und auf mögliche Hilferufe von Überlebenden zu achten, sollen nun überwiegend Grabenbagger und Bulldozer zur Bergung von Leichen zum Einsatz kommen. Rettungskräfte würden nun nur noch zu Fuß losgeschickt, wenn ein Bagger auf eine Leiche stoße, sagte Einsatzleiter Cabanas. Zuvor hatten Helfer berichtet, dass die unter dem Schutt eingeschlossenen Häuser voller Wasser gewesen seien. «Die Menschen, die noch leben könnten, sind ertrunken», sagte Cabanas.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung richteten Grüfte in einer großen Wand ein, in denen die Leichen bestattet werden sollten. Bis Sonntag wurden mindestens 16 Särge dort beigesetzt. Die Namen der Toten wurden in frisches Zement gestanzt, mit denen die Grüfte dann verschlossen wurden. Auf den engen Zufahrtswegen bildeten sich jedoch Schlangen wartender Familien mit Särgen. Einige sangen und beteten, viele weinten.

Am Sonntag trugen Klassenkameraden ein zehnjähriges Mädchen zu Grabe, das gemeinsam mit 13 weiteren Kindern verschüttet worden war. Sie hatten gerade den Tag des Kindes gefeiert, als die Erdmassen über die Siedlung hereinbrachen, wie die Zeitung Prensa Libre berichtete. «Wir vermissen dich, María José», stand auf dem Sarg.

Papst betet für Opfer

Papst Franziskus gedachte beim Angelus-Gebet in Rom der Opfer des Unglücks. «Ich möchte ein Gebet für die Opfer des Erdrutsches, der in Guatemala ein ganzes Dorf mitgerissen hat, (...) sprechen. Wir sind der besonders schlimm betroffenen Bevölkerung nahe, auch mit konkreter Solidarität», sagte der Pontifex vor Zehntausenden auf dem Petersplatz.

Der Erdrutsch hatte sich in der Nacht zum Freitag ereignet. Nach 72 Stunden gilt es allgemein als unwahrscheinlich, weitere Überlebende zu finden. Präsident Alejandro Maldonado ordnete allerdings an, die Bergungsarbeiten auch am Montag fortzusetzen.

20 Meter unter Erdoberfläche

Bei dem Unglück wurden 125 Häuser verschüttet. In dem Vorort von Guatemala-Stadt leben vor allem arme Familien. Einige Häuser lagen nach dem Erdrutsch bis zu 20 Meter unter der Erdoberfläche, wie der Feuerwehrchef Fritz García-Gallont der Zeitung Prensa Libre sagte.

Der Erdrutsch war von starken Regenfällen in den vergangenen Tagen ausgelöst worden. Der Hügel über dem Viertel brach in zwei Teile. Medienberichten zufolge hatte der Katastrophenschutz den Bezirk schon vor Jahren als Risikozone deklariert und die Gemeindeverwaltung darüber informiert.

Rund um Guatemala-Stadt leben nach Angaben des Katastrophenschutzes rund 300.000 Menschen in von Erdrutschen gefährdeten Bezirken. «Es ist unmöglich, alle umzusiedeln», sagte der Behördenchef und Präsidentensohn Alejandro Maldonado.

(L'essentiel/chk/dapd)

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