Erdbeben in Taiwan – Überlebende lag unter ihrem toten Ehemann

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Erdbeben in TaiwanÜberlebende lag unter ihrem toten Ehemann

Drei Dutzend Menschen kostete das Erdbeben in Taiwan bisher das Leben. Doch auch 48 Stunden nach dem Unglück können Helfer noch Personen retten.

Geschützt unter dem Körper ihres toten Ehemannes ist eine Frau nach dem Erdbeben in Taiwan am Montag lebend aus den Trümmern eines kollabierten Hochhauses gezogen worden. «Hier bin ich», rief Tsao Wei-ling laut Angaben der Eastern Broadcasting Corp., als Retter in der Stadt Tainan durch den Schutt gruben, um sie zu finden. Auch ein 42-jähriger Mann, Lee Tsung-tien, wurde aus dem sechsten Stock des Gebäudes gerettet. Die Zahl der Todesopfer stieg zwei Tage nach der Katastrophe auf mindestens 36.

Einsatzkräfte berichteten laut der staatlichen Nachrichtenagentur CNA, dass der Körper ihres Ehemanns Tsao vor einem eingestürzten Balken gerettet habe. Der Mann und ihr zweijähriger Sohn starben. Fünf weitere Familienmitglieder werden demnach weiter vermisst.

Noch über 100 Vermisste

Die Suchteams bemerkten auch Lebenszeichen von einer 28-Jährigen und einem achtjährigen Mädchen. Beide befinden sich den Behörden zufolge im fünften Stockwerk des wie eine Ziehharmonika zusammengefallenen Gebäudes. Mehr als 100 weitere Menschen werden weiterhin in den Trümmern vermutet. 34 der 36 Opfer des Bebens der Stärke 6,4 waren bei dem Einsturz des Hochhauses ums Leben gekommen. Zwei weitere Menschen starben anderswo in Tainan.

Die Menschen waren am frühen Samstagmorgen (Ortszeit)im Schlaf von dem Beben überrascht worden, das nach Angaben der US-Erdbebenwarte mit einer Stärke von 6,4 gemessen wurde. Das 1989 errichtete Hochhaus stürzte wie ein Kartenhaus zusammen. Der spektakuläre Einsturz veranlasste die Behörden, Ermittlungen gegen die Firma einzuleiten, die das Hochaus errichtet hatte. Innenminister Chen Wei-zen sagte, es solle geklärt werden, ob der Bauherr Sicherheitsvorschriften umgangen hat. Die städtische Regierung erklärte aber, dass das Haus nicht als gefährliches Gebäude gelistet gewesen sei.

170 Personen aus 17-stöckigen Haus gerettet

Taiwan wird oft von Erdbeben mittlerer Stärke erschüttert und hat entsprechende Bauvorschriften. Die meisten Beben verlaufen relativ glimpflich, ein wesentlich stärkeres als das vom Samstag riss 1999 allerdings mehr als 2300 Menschen in den Tod. Es hatte eine Stärke von 7,6.

Unter den zuvor geretteten Hochhausbewohnern waren auch eine Frau und ein sechs Monate altes Baby. Zudem kam ein 32-Jähriger lebend zum Vorschein. Ein älterer Mann suchte nach seinen Enkeln im Alter von elf und zwölf Jahren, die er in dem Gebäude vermutete. Er habe seinen Sohn gewarnt, in dem Haus eine Wohnung zu kaufen, weil sie so verdächtig billig gewesen sei, sagte er.

Mehr als 170 Personen konnten bislang aus dem 17-stöckigen Wohnkomplex in Sicherheit gebracht werden, wie die städtische Regierung von Tainan berichtete. In anderen Teilen Tainans stürzten weitere neun Häuser zusammen. Mehr als 100 Überlebende wurden dort gerettet.

(L'essentiel/afo/sda)

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