Deutsche Pendler – Übernimmt der Chef die Steuerschuld?

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Deutsche PendlerÜbernimmt der Chef die Steuerschuld?

LUXEMBURG – Hunderte Pendler müssen dem deutschen Fiskus Steuern nachzahlen. Nun wollen Luxemburger Firmen einspringen, um sie von ihrer Steuerschuld freizukaufen.

Seit ein Manager dem deutschen Fiskus eine Milionen Euro an Steuern nachzahlen musste, rückten auch die Tätigkeiten anderer deutscher Arbeitnehmer von Luxemburger Firmen ins Visier der Steuerbehörden.

Seit ein Manager dem deutschen Fiskus eine Milionen Euro an Steuern nachzahlen musste, rückten auch die Tätigkeiten anderer deutscher Arbeitnehmer von Luxemburger Firmen ins Visier der Steuerbehörden.

Luxemburger Firmen wollen ihren deutschen Arbeitnehmern aus der Bredouille helfen. Immer mehr bieten an, die Steuernachzahlungen zu übernehmen, die hunderten Grenzgänger aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland drohen. Zehn Unternehmen des Finanzplatzes haben bereits mit dem Finanzamt in Trier die Rückerstattung der Steuern ihrer Mitarbeiter verhandelt. Es geht um fünf- bis sechsstellige Beträge, eine Firma zahlt mehr als 500 000 Euro für mehrere Mitarbeiter an das Finanzamt in Trier.

Hintergrund sind die Millionennachzahlungen, die deutschen Pendlern drohen. Jedes Seminar eines in Luxemburg angestellten Deutschen in Deutschland, jeder Beratungstermin, jede Reparatur und jede Stunde am Steuer eines Lasters auf der deutschen Autobahn müssen einzeln mit dem Finanzamt abgerechnet und in der Steuererklärung aufgelistet sein. Ist das nicht der Fall, drohen Nachzahlungen für die vergangenen vier Jahre. Ein lukratives Geschäft für den deutsches Fiskus und jede Menge Papierkram für die Grenzgänger.

Mehr als drei Millionen eingetrieben

Waren zunächst nur Handwerker und LKW-Fahrer betroffen, rückten seit dem vergangenen Jahr auch Angestellte des Finanzplatzes ins Visier der Steuerbehörde. Ein Manager wurde damals vor Gericht zu Nachzahlungen in Höhe von einer Million Euro verurteilt. 3 700 der 26 500 Bankangestellten in Luxemburg wohnen in Deutschland, so Jean-Jacques Rommes, Direktor der Bankervereinigung ABBL gegenüber tageblatt.lu.

Insgesamt untersucht das Finanzamt in Trier hunderte Fälle. Mehr als drei Millionen Euro sind schon in die öffentlichen Kassen geflossen. Auch im Saarland gibt es bereits 26 abgeschlossene Fälle, in 27 weiteren wird ermittelt.

«Nicht alle Betriebe können sich Großzügigkeit leisten»

Doch nicht alle Unternehmen ziehen in Erwägung, die Steuerschuld ihrer Mitarbeiter zu begleichen. Die Pauschalbeträge, die ein Unternehmen mit dem Finanzamt nach einer komplizierten Staffelung errechnet, sind eine teure Alternative. Bisher sind vor allem Firmen des Finanzplatzes interessiert. «Weniger finanzstarke Betriebe können sich diese Großzügigkeit gegenüber ihren Mitarbeitern nicht leisten», weiß Klaus-Robert Braus, Sachgebietsleiter beim Finanzamt in Trier, gegenüber L'essentiel Online.

Am Mittwoch verhandelten der Unternehmerverband UEL, die Bankenvereinigung ABBL sowie Vertreter der Handwerkskammer mit dem Finanzamt, um die Modalitäten des «Mitarbeiter-Freikaufs» zu verhandeln. Doch der UEL-Präsident Piere Bley meint auf Anfrage von L’essentiel Online, dass Pauschalzahlungen nicht die Lösung des Problems sein können: «Der Pauschalbetrag ist trügerisch.» Bis zu einer neuen Verhandlung Ende März untersuchen die Unternehmen andere Möglichkeiten (siehe Box).

sb/L'essentiel Online

«Waffenstillstand» bis Ende März

Darf der deutsche Fiskus das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen beiden Ländern in diesem Sinne anwenden? In Luxemburg sind sich Unternehmervertreter und Steuerbehörde einig, dass die deutsche Interpretation – allen voran die des Amtes in Trier – einer Untersuchung bedarf. Das luxemburgische Steueramt verhandelt mit den deutschen Kollegen, der Unternehmerverband UEL prüft das Vorgehen juristisch.

Auf Grund der Unklarheiten haben Unternehmervertreter und Trierer Finanzamt beim Treffen am Mittwoch eine Art «Waffenstillstand» vereinbart, so Piere Bley. Bis Mitte März können die deutschen Behörden zwar weiter untersuchen, jedoch keine Nachzahlungen erzwingen. Dann stellt sich auch heraus, ob das Luxemburger Steueramt die Zahlungen für doppelt besteuerte Tätigkeiten zurückerstattet.

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