In Luxemburg – Überschuldung soll keine Schande mehr sein

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In LuxemburgÜberschuldung soll keine Schande mehr sein

LUXEMBURG – In diesem Jahr haben Privatleute im Großherzogtum schon 600 Überschuldungs-Erklärungen gestellt.

Von Überschuldung sind auch Rentner betroffen, aber auch Jugendliche und Menschen aus dem Mittelstand.

Von Überschuldung sind auch Rentner betroffen, aber auch Jugendliche und Menschen aus dem Mittelstand.

DPA/Karl-Josef Hildenbrand

«15,9 Prozent der Bevölkerung sind vom Armutsrisiko betroffen», stellt der jüngste Bericht der Statec fest. Luxemburg ist nicht immun gegen das soziale Problem der Überschuldung, welches oft mit Schande assoziiert wird. Um dieses Tabu zu brechen ist für diesen Mittwoch eine Konferenz geplant.
 
Das Phänomen nimmt zu. «Ein Mangel in der Jugendbildung, Budgets zu verwalten, in Verbindung mit der Verbreitung von Kreditkarten und permanenten Kaufanreizen sind Faktoren, welche die Menschen in diese Schulden-Spirale treiben», sagt Nico Hoffmann, Präsident der Luxemburger Verbraucherschutzzentrale (ULC).

Viele soziale Gruppen betroffen
 
Im vergangenen Jahr wurden bei der Sozialmedizinischen Liga und bei Inter-Actions, beide staatlich zugelassen, 650 Überschuldungs-Erklärungen gestellt. 100 Fälle wurden angenommen. In diesem Jahr gab es bereits fast 600 Fälle, angenommen wurden 70.
 
«Es ist ein schwieriges Verfahren, das im Durchschnitt acht bis neun Monate dauert. Es kann durch eine Meinungsverschiedenheit zwischen Gläubiger und Schuldner behindert werden, sodass das Verfahren ungültig wird. Das Gesetz vom 1. Februar 2014 hat die Situation durch die Einführung der Privatinsolvenz geändert», heißt es von der Sozialmedizinischen Liga. Die betroffenen Gruppen sind ein «Querschnitt der Gesellschaft»: Jugendliche, Rentner und vor allem der Mittelstand.

(Gaël Padiou/L'essentiel)

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