Unglück am Monte Mottarone – Überwachungsvideo zeigt den Absturz der Gondel
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Unglück am Monte MottaroneÜberwachungsvideo zeigt den Absturz der Gondel

Zwei Überwachungsvideos des Unfalls am Monte Mottarone sind Gegenstand der Ermittlungen. Sie zeigen den Moment, in dem die Gondel im italienischen Stresa in ein Waldstück abstürzt.

Am Mittwoch veröffentlichte der italienische Sender TG3 Aufnahmen des Seilbahnunglücks von Stresa. Das Video zeigt den Augenblick des Absturzes, bei dem vor rund drei Wochen 14 Menschen ums Leben kamen. Der fünfjährige Eitan Biran hatte als Einziger das Unglück überlebt.

Auf den Aufnahmen zweier Überwachungskameras am Monte Mottarone ist zu sehen, wie sich die Gondel mit den 15 Passagieren der Bergstation nähert. Doch nur wenige Zentimeter vor der Ankunft reißt das Kabel, die Kabine pendelt ein wenig und fällt mit großer Geschwindigkeit zurück. Auf halbem Weg stürzt sie plötzlich über einem Waldgebiet ab.

Bemerkte der Angestellte der Bergstation, dass etwas nicht stimmte?

Eine der Aufnahmen im Inneren der Bergstation zeigt einen Angestellten, der auf die Ankunft der Kabine wartet. Noch bevor die Gondel die Station erreicht, sieht man den Mann nach oben schauen, als habe er bereits bemerkt, dass mit dem Seil etwas nicht in Ordnung ist. Als er wieder seinen Blick nach vorne richtet und sieht, wie die Kabine zurückfällt, ist er zunächst paralysiert. Dann rennt er los, um Hilfe zu rufen.

Laut dem Portal Libero Quotidiano haben Carabinieri die Aufnahmen von einem Monitor abgefilmt. Die Bilder sind Teil des Beweismaterials im Ermittlungsverfahren. Dass die Kabine mit voller Geschwindigkeit nach hinten fällt, sei ein Beweis dafür, dass es zum Einsatz der sogenannten Gabeln kam, die zur Deaktivierung der Notbremsen dienen. Dadurch sei eine übermäßige Spannung auf das Zugseil entstanden, was zum Riss des Seils geführt haben könnte.

Gabeln waren auch schon früher eingesetzt worden

Den bisherigen Ermittlungen zufolge war das Sicherheitsbremssystem der Seilbahn offenbar absichtlich abgeschaltet worden, um einen Betriebsausfall wegen technischer Probleme zu vermeiden. Nach monatelanger Corona-bedingter Pause war die Seilbahn erst Ende April wieder in Betrieb gegangen.

Auf Bildern, die die italienische Zeitung La Stampa veröffentlicht hatte, ist die Gabel zu sehen, die nicht da sein sollte. Auch das Video eines Schweizer Hobbyfilmers (siehe unten) deutet daraufhin, dass die «Gabeln» in der Vergangenheit mehrmals eingesetzt wurden.

Die Seilbahn verbindet das Dorf Stresa mit dem Mottarone, von dem aus sich ein spektakulärer Blick auf den Lago Maggiore bietet. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Agi war die Bahn 2014 für Umbauarbeiten geschlossen worden, die bis August 2016 dauerten.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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