Kursierende Videos: Ukraine ermittelt zu möglicher Gefangenenerschießung

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Kursierende VideosUkraine ermittelt zu möglicher Gefangenenerschießung

Videofragmente belegen aus Sicht Moskaus die Erschießung russischer Soldaten, die versuchen, sich ukrainischen Truppen zu ergeben. Kiew sagt, eine vollständige Version der Aufnahmen liefere ein anderes, mindestens aber differenzierteres Bild.

Seit Mitte November 2022 werden auf Social Media Videos einer angeblichen Hinrichtung russischer Soldaten geteilt.

Seit Mitte November 2022 werden auf Social Media Videos einer angeblichen Hinrichtung russischer Soldaten geteilt.

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Die ukrainischen Behörden ermitteln nach eigenen Angaben zum Verhalten russischer Soldaten, die in einem Video zu sehen sind, das sie nach Angaben aus Moskau bei dem Versuch zeigt, sich zu ergeben – bevor sie erschossen werden. Teile der Aufnahmen waren in der vergangenen Woche in sozialen Netzwerken in Russland aufgetaucht. Den in Russland kursierenden Aufnahmen zufolge schien sich einer der Männer zu weigern, seine Waffe niederzulegen, und eröffnete das Feuer.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, sie habe Untersuchungen wegen des Vorwurfs eingeleitet, dass die russischen Soldaten gegen die Gesetze oder Bräuche des Krieges verstoßen hätten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft täuschten die Soldaten ihre Kapitulation mutmaßlich vor und eröffneten das Feuer auf die ukrainischen Streitkräfte.

Exekution oder Verteidigung?

Dem Schritt vorausgegangen war die Ankündigung eigener strafrechtlicher Ermittlungen in dem Fall durch russische Behörden – basierend auf den Aufnahmefragmenten, die in russischen Telegram-Kanälen veröffentlicht und in weiteren Netzwerken verbreitet wurden und nach ukrainischen Angaben ein unvollständiges Bild liefern.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hatte erklärt, die Aufnahmen zeigten eine «Exekution». Russland verlange eine internationale Untersuchung. Von ukrainischer Seite hieß es, es sei «sehr unwahrscheinlich», dass die kurzen, bearbeiteten Videoschnipsel zeigten, was Moskau behaupte. Die ukrainischen Streitkräfte seien angewiesen, so viele Gefangene wie möglich zu nehmen, um diese gegen ukrainische Kriegsgefangene in russischer Gewalt auszutauschen.

Mychajlo Podoljak, ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sagte am Dienstag, Kiew sei im Besitz einer vollständigen Version des Videos, die zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden solle. Podoljak argumentierte, es sei tatsächlich zu sehen, dass russische Soldaten versuchten, zu kapitulieren – aber auch, dass einige Soldaten das Feuer auf Ukrainer eröffnet hätten, die versucht hätten, die Prozedur zu vollziehen. Zwei russische Militärangehörige «kommen heraus und beginnen, auf Menschen zu schießen, auf ukrainische Militärangehörige», sagte er. Einer der beiden Schützen sei deutlich zu erkennen.

(DPA)

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