Elfenbeiküste – UNO-Ermittler finden hunderte Leichen

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ElfenbeiküsteUNO-Ermittler finden hunderte Leichen

UNO-Ermittler haben die Leichen von mehr als hundert Opfern von ethnisch motivierter Gewalt gefunden. Ouattara erklärte das Gebiet um Gbagbos Residenz zum Sperrgebiet.

In den vergangenen 24 Stunden hätten die UNO-Teams, die im Westen des westafrikanischen Landes zu Menschenrechtsverstössen ermittelten, an drei Orten insgesamt hundert Leichen gefunden, sagte der Sprecher des UNO-Menschenrechtskommissariats, Rupert Colville, am Freitag in Genf. Alle Vorfälle schienen ethnisch motiviert.

Rund um die westlich gelegene Stadt Duékoué hat es Berichten der UNO-Mission und internationaler Hilfsorganisationen zufolge in der vergangenen Woche mehrere Massaker gegeben. Beim Einmarsch der Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara hätten sich seine Anhänger an den Unterstützern des langjährigen Staatschefs Laurent Gbagbo gerächt. Diese sollen zuvor ihrerseits zahlreiche Menschen ermordet haben.

Lage für Opfer spitzt sich zu

In der Elfenbeinküste herrscht seit Monaten ein erbittert geführter Machtkampf zwischen den beiden rivalisierenden Politikern. Die Lage für die Opfer dieses Bürgerkrieges spitzt sich nach Einschätzung von Hilfsorganisationen zu.

Humanitäre Hilfe für Menschen im wirtschaftlichen und politischen Zentrum Abidjan sei wegen der anhaltenden Kämpfe derzeit noch nicht möglich, teilte Caritas International in Freiburg D mit. Die Organisation konzentriere sich deshalb im Moment auf die Unterstützung von Flüchtlingen im Nachbarland Liberia, wo bislang rund 130 000 Menschen gestrandet seien.

Zu wenig Medikamente und Lebensmittel

Engpässe gebe es bei der Versorgung mit Medikamenten, Lebensmitteln, Wasser, Kleidung und Notunterkünften. «Die Lage ist sehr schwierig, denn Liberia ist nicht einmal in der Lage, seine eigenen Bürger zu ernähren», erklärte der örtliche Caritas-Direktor Mike Jurry.

«Die Bewohner der Grenzstädte zeigen grosse Solidarität und teilen das wenige, was sie haben. Aber die Zustände werden von Tag zu Tag unerträglicher.» Die Caritas organisiert in Absprache mit dem Flüchtlingshilfswerk der UNO ein Flüchtlingslager.

Sperrgebiet ausgerufen

Der international anerkannte Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, hat derweil das Gebiet rund um die Residenz seines Rivalen Laurent Gbagbo zum Sperrgebiet erklärt. Mit der Blockade sollten die Anwohner vor den Kämpfen mit Gbagbo und seinen letzten Getreuen geschützt werden, sagte Ouattara am Donnerstag in seiner ersten Fernsehansprache seit der blutigen Eskalation seines Machtkampfs mit Gbagbo.

Der langjährige Staatschef weigert sich weiter, sein Amt abzugeben und hält sich seit Tagen in einem Bunker seiner Residenz in Abidjan verschanzt. Alle Versuche Ouattaras und seiner Truppen, ihn mit Gewalt aus der Residenz zu holen, sind bisher gescheitert.

Während sich die Situation in Abidjan von Tag zu Tag zuspitzt, versprach Ouattara, für Ruhe, Ordnung und Sicherheit in der Millionenmetropole und im ganzen Land zu sorgen. Ab Freitag werde die nächtliche Ausgangssperre gemildert mit dem Ziel, die Lage wieder zu normalisieren.

Elfenbeinküste «unteilbar»

Ouattara rief alle Landsleute zur Versöhnung auf: Niemand dürfe Rache nehmen, forderte der Staatschef, dessen Truppen inzwischen das Land kontrollieren. Gleichzeitig versicherte er, die Elfenbeinküste sei «unteilbar». Mit seinem Aufruf zur Einheit und Versöhnung kam er einer Forderung Frankreichs nach.

Auch seine eigenen Truppen forderte Ouattara zu «vorbildlichem Verhalten» auf. Er kündigte an, Berichten über von seinen eigenen Leuten verübte Massaker im Westen des Landes nachzugehen. Alle Verbrechen würden aufgeklärt, die Täter zur Verantwortung gezogen.

Gleichzeitig teilte er mit, er habe Massnahmen eingeleitet, damit sich Wirtschaft und Finanzen möglichst rasch wieder erholen könnten. Unter anderem habe er die EU um Aufhebung ihrer Sanktionen gegen die Häfen des Landes gebeten.

L'essentiel Online /

(sda)

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