CEC Luxembourg: Unser Urlaubsflug wurde gestrichen – welche Rechte habe ich?
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CEC LuxembourgUnser Urlaubsflug wurde gestrichen – welche Rechte habe ich?

LUXEMBURG – Nach der Corona-Krise ereilt eine Personalkrise Teile der Flug-Branche. Mit negativen Auswirkungen für Urlauberinnen und Urlauber. Welche Rechte diese haben, erklärt das in Luxemburg ansässige europäische Verbraucherzentrum.

von
Thomas Holzer
Fluggäste müssen in den kommenden Urlaubsmonaten mit gestrichenen Flügen rechnen.

Fluggäste müssen in den kommenden Urlaubsmonaten mit gestrichenen Flügen rechnen.

Die Lufthansa hat für den Monat Juli bereits 900 Flüge gestrichen, der Flughafen Schiphol in Amsterdam streicht Starts, und auch Easyjet hat Flugkürzungen angekündigt. Ohnehin herrschender Personalmangel, hinzukommende Streiks und die anhaltende Krisensituation der Fluggesellschaften durch zeitweise niedrige Passagierzahlen bringen die Flug-Branche in Bedrängnis. Im europäischen Verbraucherzentrum CEC Luxembourg (siehe Infobox) häufen sich seitdem die Anrufe von Reisenden. «Es ist das erste Mal, dass eine Fluggesellschaft Massenstornierungen von Flügen ankündigt», erklärt CEC-Direktorin Karin Basenach gegenüber L’essentiel angesichts den Ankündigungen. Der Großteil der Anfragen, die das Verbraucherzentrum erreichten, beträfen Flugverspätungen und Stornierungen. «Leider kennen die Flugpassagiere nicht immer ihre Rechte», bedauert CEC-Jurist Jean-Loup Stradella.

Was ist zu tun?

Zunächst sollten sich Kunden laut Stradella direkt mit der Fluggesellschaft in Verbindung setzen, um ihre Fluggastrechte geltend zu machen. Erfährt der Reisende mehr als 14 Tage vor Abflug von der Annullierung seines Fluges, so muss die Fluggesellschaft entweder den Ticketpreis erstatten oder einen anderen Flug «unter ähnlichen Bedingungen» anbieten und alle Nebenkosten wie zum Beispiel die Anreise und die Unterkunft übernehmen. Wird der Flug weniger als zwei Wochen vor Abflug gestrichen, ist die Fluggesellschaft verpflichtet, einen anderen Flug und eine finanzielle Entschädigung anzubieten. Diese beträgt zwischen 250 und 400 Euro für einen Flug innerhalb der EU und 600 Euro für einen internationalen Flug. Dasselbe gilt bei einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden.

Das große ABER

Diese Entschädigungen gelten nicht bei außergewöhnlichen Umständen – unter anderem bei Unwetter, einem technischen Defekt, einer Pandemie oder einem Terroranschlag. In diesen Fällen haftet die Airline nicht. Überdies sind zu obigem Entschädigungen nur europäische Airlines verpflichtet, sowie nicht-EU-Airlines bei internationalen Flügen mit Start innerhalb der EU. Wer jedoch mit einer Fluggesellschaft aus einem Nicht-EU-Land – beispielsweise aus Dubai oder New York nach Paris oder Frankfurt – fliegt, hat keinen Anspruch auf die Entschädigungen nach europäischen Recht. In diesem Fall hänge alles von der im Abflugland geltenden Fluggastrechtverordnung ab, oder die Fluggäste seien auf die Kulanz der Airline angewiesen, erklärt Rechtsexperte Jean-Lopu Stradella.

Bis vor Gericht?

Wenn Airlines eine Erstattung ablehnen, solle man «zuerst versuchen, eine gütliche Einigung zu verhandeln», so Stradella. Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könne als letztes Mittel auf das «europäische Verfahren für geringfügige Forderungen mit einem Streitwert von bis zu 5000 Euro» zurückgegriffen werden. «Das Verfahren ist in Luxemburg kostenlos. Die Vertretung durch einen Rechtsanwalt ist dabei nicht verpflichtend. Der Kläger braucht nur das Klageformblatt auszufüllen», erklärt CEC-Direktorin Karin Basenach. Die Prozedur könne jedoch lange dauern.

CEC Luxembourg

Das Europäische Verbraucherzentrum ist eine kostenlose Informations-, Beratungs- und Unterstützungsstelle für Kunden in konkreten Verbraucherrechtsstreitigkeiten. Streitgegner können Unternehmen in einem anderen Land der EU, in Island oder Norwegen sein.

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