Coronavirus in Luxemburg – «Unsere Routinen werden auf den Kopf gestellt»

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Coronavirus in Luxemburg«Unsere Routinen werden auf den Kopf gestellt»

LUXEMBURG – Die soziale Distanzierung im Alltag dürfte nach der Coronakrise andauern. Das behauptet zumindest Louis Chauvel, Soziologieprofessor an der Uni Luxemburg.

Der Soziologe Louis Chauvel kann sich gut vorstellen, dass es nach der Lockerung weniger physisch-sozialen Kontakten zwischen den Menschen geben wird.

Der Soziologe Louis Chauvel kann sich gut vorstellen, dass es nach der Lockerung weniger physisch-sozialen Kontakten zwischen den Menschen geben wird.

AFP/Lillian Suwanrumpha

Eins steht fest: Die Corona-Pandemie hat unsere Leben verändert. Doch wie wird es danach aussehen? «Seit dem 18. März sind einige Gewissheiten verloren gegangen. Wir werden unsere alten Routinen wiederfinden müssen», erklärt Louis Chauvel, Soziologieprofessor an der Uni Luxemburg. Seit Mitte-März steht das öffentliche Leben im Großherzogtum aufgrund des Coronavirus still. «Was früher Routine genannt wurde, nennt man heute Vergangenheit», sagt der Franzose, der als Folge der Epidemie eine Veränderung des Lebensstils beobachtet. Laut des Experten hätten die Menschen vor der Krise keine Vorräte angelegt und wenn, dann höchstens für 72 Stunden. Nun seien sie wieder dermaßen organisiert, wie vor zwei oder drei Generationen.

Eine Rückkehr zur einer alten Lebensweise, die nicht nur Stress auslöse, sondern dazu führe, dass Menschen mit mehr Vorsicht vorgehen würden. «In Zukunft wird mehr auf potentiell kontaminierten Flächen wie Türengriffen und Parkbänken geachtet werden. Darauf hat man vorher weniger, wenn überhaupt, geachtet», so der Soziologe. Die Gesellschaft sei «gebrechlich» geworden.

Weniger physisch-sozialer Kontakt

Ob und inwiefern Küsschen und Händeschütteln wieder zu den alltäglichen Gewohnheiten gehören werden, sei schwer einzuschätzen. «Physisch-sozialen Kontakte zu anderen Menschen werden erst einmal vermieden werden», sagt Chauvel. Seiner Meinung nach könnte eventuell nur ein Impfstoff zu einer grundsätzlichen Veränderung dieses Verhaltens beitragen. «Video-Konferenzen, Online-Kurse, eventuelles Social Distancing im Klassenraum, unsere Routinen werden auf den Kopf gestellt werden», sagt er. Mit einer Rückkehr zur Normalität rechnet der Universitätslehrer nicht vor «zwei oder drei Jahren».

Aufgrund der modernen Medizin, hätten wir uns daran gewöhnt, ohne Epidemie zu leben – trotz der SARS- und Schweinegrippe. Der Soziologe bedauert, dass die Bevölkerung nicht besser darauf vorbereitet ist. «Wir waren viel zu kurzsichtig. China war viel besser darauf vorbereitet, auch wenn das Land in Bezug auf die Bevölkerungsdichte anfälliger ist», sagt Chauvel.

(mm/L'essentiel)

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