Legalisierung – US-Geschäft mit Marihuana boomt

Publiziert

LegalisierungUS-Geschäft mit Marihuana boomt

Kiffer-Kekse, aromasichere Beutel und Plantagenführungen: Seit Marihuana im US-Bundesstaat Colorado legalisiert wurde, brummt dort das Geschäft mit dem «Gras».

(Bild: Keystone/AP/ed Andrieski)

(Bild: Keystone/AP/ed Andrieski)

Keystone

Sie sind aus dickem Plastik, haben einen kindersicheren Reissverschluss und, vor allem: Sie halten den Inhalt frisch. Die Firma Stinksack aus New York City hat sich auf die Produktion von Tüten für den Marihuana-Verkauf spezialisiert.

Die sind im US-Bundesstaat Colorado ein Verkaufsschlager: Seit dem 1. Januar dürfen US-Bürger dort legal Marihuana kaufen. Einen Monat später brummt das Geschäft bei Stinksack, wie Firmenchef Ross Kirsh sagt.

Eine der Auflagen, an die der Verkauf von Marihuana in Colorado geknüpft ist, besagt nämlich, dass die grüne Ware nur in begrenzten Mengen und nur in undurchsichtiger, kindersicherer Verpackung über die Ladentheke wandern darf.

Cannabis-Kekse als Massenware

Die Firma ist nur eine von vielen in den USA, die im Zuge der veränderten Gesetzeslage Kasse machen wollen. Die einen verkaufen Cannabis-Gebäck, andere kümmern sich um «Gras-Touristen», die aus anderen US-Staaten nach Colorado reisen, um die Droge legal zu kaufen. Einige Firmen bieten Führungen durch Marihuana-Plantagen an, natürlich inklusive Verkostung.

Biskuits mit einer Prise der psychoaktiven Zutat THC (Tetrahydrocannabinol) sind schon länger besonders bei Patienten beliebt, die Cannabis vom Arzt verschrieben bekommen haben, aber nicht rauchen möchten. Jetzt könnten solche Produkte auch als Massenprodukt erfolgreich sein.

1000 neue Arbeitsplätze

Das alles gibt der «Gras»-Lobby mächtig Aufwind. Das neue Gesetz werde zeigen, dass Cannabis die Gemeinschaft nicht belasten muss, sagt Betty Aldworth, stellvertretende Direktorin der Nationalen Cannabis Industrie Vereinigung (NCIA). 1000 neue Arbeitsplätze würden in Colorado dank der Legalisierung entstehen.

Für 2014 werde mit einem Umsatz von 400 bis 600 Millionen Dollar gerechnet. Darin ist auch der Verkauf von Marihuana auf ärztliches Rezept enthalten, die in Colorado und 19 anderen Staaten bereits erlaubt sind.

Weitere Staaten dürften nachziehen

Der Freizeit-Konsum dagegen ist neben Colorado bislang nur im Westküstenstaat Washington freigegeben worden. Dort soll der Verkauf im Mai starten. Experten erwarten, dass bald weitere Staaten nachziehen werden.

Marihuana ist schon vor der Legalisierung in Colorado zur Massenware avanciert. Laut einer Studie der US-Behörde SAMHSA für Drogenmissbrauch bleibt es das am meisten genutzte Rauschgift. 7,3 Prozent der Amerikaner konsumierten im Jahr 2012 «Gras».

Ungeachtet dessen warnen US-Behörden, wie schnell die Substanz abhängig machen könne. Geschätzt werden etwa neun Prozent der Konsumenten abhängig, wie das Nationale Institut für Drogenmissbrauch vermutet. Jeder Sechste, der als Jugendlicher mit dem Kiffen anfängt, greife später regelmäßig zum Joint.

Neue profithungrige Branche

Troy Dayton, Leiter von The ArcView Group, einem Netzwerk für Investoren und Unternehmer in der Cannabis-Industrie, nennt den Handel mit dem Cannabis-Kraut Marihuana schon die «nächste grosse amerikanische Branche».

Nicht zuletzt bringt der neue Wirtschaftszweig mittels Steuergeldern auch dem Staat etwas ein. Doch nicht jeder sieht das Wachstum positiv.

Dies sei der Aufstieg einer neuen, profithungrigen Branche ähnlich der Tabakindustrie, kritisiert der Kongressabgeordnete Patrick J. Kennedy, Mitbegründer von Smart Approaches to Marijuana (SAM). Die Organisation will über die schädlichen Auswirkungen von Cannabis aufklären.

(L´essentiel/ sda)

Deine Meinung