Abtreibungsverbot auf Malta: US-Paar reist für Schwangerschaftsabbruch nach Mallorca
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Abtreibungsverbot auf MaltaUS-Paar reist für Schwangerschaftsabbruch nach Mallorca

Seit zehn Tagen wartet Andrea Prudente auf Malta, dass die Ärzte nach einer Fehlgeburt eine Abtreibung durchführen. Doch das Herz des Fötus schlägt noch. Nun ist das Paar erleichtert, dass es bald nach Spanien ausgeflogen wird.

von
Karin Leuthold
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Jay Weeldreyer und seine Partnerin Andrea Prudente warten seit dem 12. Juni in einem Klinikzimmer auf Malta, dass das Herz ihres ungeborenen Babys aufhört zu schlagen.

Jay Weeldreyer und seine Partnerin Andrea Prudente warten seit dem 12. Juni in einem Klinikzimmer auf Malta, dass das Herz ihres ungeborenen Babys aufhört zu schlagen.

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Prudente war in der 16. Schwangerschaftswoche, als sich die Plazenta teilweise löste. Das Baby hat somit keine Überlebenschance.

Prudente war in der 16. Schwangerschaftswoche, als sich die Plazenta teilweise löste. Das Baby hat somit keine Überlebenschance.

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Weil das Herz des Babys immer noch schlägt, verweigern ihr die Ärzte auf Malta eine Abtreibung.

Weil das Herz des Babys immer noch schlägt, verweigern ihr die Ärzte auf Malta eine Abtreibung.

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Die 38-jährige Andrea Prudente hat nach qualvollen zehn Tagen endlich die Erlaubnis erhalten, nach Spanien zu reisen, um ihre Schwangerschaft dort zu beenden. Der US-Touristin war in einem Spital in Msida auf Malta eine Abtreibung verweigert worden, nachdem sie in der 16. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erlitten hatte. Die Ärzte wollten keine Abtreibung durchführen, weil das Herz des ungeborenen, jedoch nicht überlebensfähigen, Kindes noch schlägt.

Seit dem 12. Juni warteten Prudente und ihr 45-jähriger Partner Jay Weeldreyer im Spital Mater Dei auf den Eingriff zu einem vollständigen Ende der Schwangerschaft, da der Frau eine lebensgefährliche Sepsis droht. Den Medizinern sind aber die Hände gebunden, denn nach dem Gesetz würden sie mit dem Schwangerschaftsabbruch eine Straftat begehen. Malta ist das einzige Mitgliedsland in der EU, das Abtreibungen ohne Ausnahmen verbietet. Wer bei einem Schwangerschaftsabbruch hilft, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden.

Prudente verlässt Klinik «gegen ärztlichen Rat»

Nun wird erwartet, dass das Paar Malta noch am Donnerstagabend in Richtung Mallorca verlassen könne. Weeldreyer sagte zum Nachrichtenportal «Times of Malta», sie seien «sehr erleichtert», dass ein Ende ihrer Tortur in Sicht ist. 

«Andrea macht gerade psychisch viel durch, sie hat Angst», sagte die Anwältin der Frau, Lara Dimitrijevic. Nun aber brauche das Paar nicht mehr die Erlaubnis eines Arztes, um Malta zu verlassen, da die Krankenkasse die Verantwortung übernommen habe. Prudente entlasse sich allerdings selbst aus der Mater Dei-Klinik und  «gegen ärztlichen Rat».

Paar muss Reise nach Spanien selbst bezahlen

Andrea Prudente und Jay Weeldreyer stammen aus Seattle im Nordwesten der USA. Sie haben sich vor sechs Jahren kennengelernt und planten, bald zu heiraten. Sie hatten sich sehr gefreut, «als wir erfuhren, dass wir schwanger waren», sagte der Mann. Anfang Juni hatten die beiden entschieden, ihren sogenannten Babymoon – die letzten Ferien eines Paar vor der Geburt seines Kindes – auf Malta zu verbringen – nicht zuletzt wegen der guten Gesundheitsversorgung auf der Insel. Es war die erste Reise nach Europa für beide.

Alles lief dann anders als geplant, als Prudente starke Blutungen bekam. Im Krankenhaus teilten die Ärzte der Patientin mit, dass die Fruchtblase vorzeitig geplatzt sei und sich die Plazenta abgelöst habe. Die Diagnose war eindeutig: Prudente hatte das Fruchtwasser verloren, der Fötus würde mit Sicherheit nicht überleben.

Die Kosten der fünf Stunden langen Reise nach Mallorca muss das Paar selbst tragen, wie Jay Weeldreyer sagt. «Die Versicherung deckt den Teil ab, den unsere Leistungen zulassen, und wir zahlen den Restbetrag», erklärt der Mann. Seine Partnerin habe Angst vor dem, was sie nun erwartet, aber «sie hofft, dass das Ganze bald vorbei ist.»

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