IV-Cocktail – US-Promis spritzen sich Vitamine intravenös

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IV-CocktailUS-Promis spritzen sich Vitamine intravenös

Für ihre Vitamine lassen sich Amerikas Reiche und Schöne Infusionen stecken. Kritiker halten die teuren «Party Girl Drips» für unnütz und gefährlich.

Jeder Promi ein Junkie. Das könnte man meinen angesichts des neusten Trends unter den Celebrities von New York und Hollywood. Die Elite der amerikanischen Gesellschaft ist versessen darauf, sich regelmäßig Spritzen zu stecken und intravenös Vitamine, Mineralien und Antioxidantien direkt ins Blut tröpfeln zu lassen.

«IV-Beutel sind die neusten IT-Taschen», titelte die «New York Post», die in der letzten Juniwoche als erste über den Trend berichtete. Die Zeitung sprach mit zahlreichen Ärzten in Manhattan, die in den Lifestyle-Infusionen ein lukratives Geschäft wittern. Die typischerweise halbstündigen Infusionssitzungen kosten, je nach Zusammensetzung des IV-Cocktails, 130 bis 1000 Dollar.

«Man fühlt sich lebendig»

Cristina Andrews ist die monatliche Behandlung ihren Preis wert. «Ich kriege einen IV-Beutel mit Vitamin B12 und einem B Komplex», sagt die edel gekleidete Blondine zu ABC News, während das angereicherte Salzwasser durch den Plastikschlauch in ihre Vene fließt. «Ich war zwölf Stunden auf den Beinen, also brauchte ich viel Energie.» Eine andere «Patientin», die Musikmanagerin Carmen Key, lässt sich einmal pro Woche stechen. «Anstatt bloß energiegeladen fühlt man sich lebendig», schwärmt sie in die Kamera. Gefragt, ob ein Salatteller, ein paar Vitaminpillen und ein Mittagsschläfchen nicht die gleiche Wirkung hätten, antwortet Key: «Das würde vielleicht vier Prozent von dem hier bewirken.»

Einer der Pioniere der IV-Mode war der britische Fernseh-Entertainer und Unternehmer Simon Cowell. In einem Interview mit dem Magazin «GQ» bekannte er schon 2011, dass er sich wöchentlich Vitamine infundieren lasse. Nach der Session «hast du ein unbeschreiblich wonniges Gefühl», bekundete Cowell. »Du fühlst, wie die Vitamine durch dich hindurchgehen. … Dann gibt es dir Energie für ein paar Tage.» Der Moderator behauptete sogar: «Eine Frau hatte einmal während der Behandlung zwei Orgasmen.»

Madonna und Rihanna tun's auch

Am Vitaminschlauch hängen angeblich auch Madonna und das frühere Supermodel Cindy Crawford. Rihanna verriet dieselbe Neigung im Mai, als sie ein Foto ihres Unterarms tweetete, auf dem Kanülen und Infusionsschläuche mit Klebstreifen befestigt waren. Die «Post» outete jedoch auch eine Reihe «normaler» New Yorker als Vitamintröpfler: Eine Lifestyle-Beraterin will damit ihre Immunabwehr stärken; eine Koloristin schwört auf Antioxidantien als Krebsvorsorge; ein Clubbetreiber sagt, er erhole sich an der Strippe schneller nach durchtanzten Nächten.

Hypervitaminosis, Venenkollaps

Viele Experten raten jedoch von der Stecherei ab. Sie misstrauen ihrer behaupteten Wirksamkeit mit Verweis auf bekannte Placebo-Effekte. Laut der Ärztin von ABC News ist belegt, dass allein schon die Infusion von reinem Salzwasser bei vielen Menschen Wohlbefinden erzeuge. Wie die Ärztin Jane Sadler aus Dallas auf ihrem Blog schreibt, droht die Gefahr einer Hypervitaminosis, denn wöchentliche Massivdosen sind bei einigen Vitaminen toxisch. Zudem können sich die Venen nach wiederholten Einstichen entzünden und im Extremfall kollabieren, was bei «echten» Junkies immer wieder vorkomme.

Davon reden die Anbieter der intravenösen Vitaminkuren natürlich nicht. Für sie ist der medizinalisierte Lifestyle von all denen, die ihn sich leisten können, viel zu profitabel.

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