Pipeline-Lecks: USA befeuern Spekulationen über Angriff auf Nordstream-Pipeline 

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Pipeline-LecksUSA befeuern Spekulationen über Angriff auf Nordstream-Pipeline 

Nach wie vor ist unklar, wer für die Lecks in den Gas-Pipelines Nordstream 1 und 2 verantwortlich ist. Eine Aussage des US-Außenministers wird auf Social Media heiß diskutiert. 

von
Daniel Graf
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Wilde Spekulationen: Bis jetzt ist nicht klar, wer hinter dem möglichen Sabotageakt steckt. 

Wilde Spekulationen: Bis jetzt ist nicht klar, wer hinter dem möglichen Sabotageakt steckt. 

AFP
Die Pipelines Nord Stream 1 und 2 weisen seit Dienstag vier Lecks auf. 

Die Pipelines Nord Stream 1 und 2 weisen seit Dienstag vier Lecks auf. 

REUTERS
Aus diesen strömt Gas aus. 

Aus diesen strömt Gas aus. 

AFP

Seit Tagen strömt tonnenweise Methangas aus den zwei Pipelines Nordstream 1 und 2 zwischen Russland und Deutschland ins baltische Meer. Die Lecks, die wohl durch Sabotage entstanden sind, können aufgrund der Sperrzone bisher nicht untersucht werden. Über die Frage, wer für den Angriff auf die Pipelines verantwortlich ist, wird auf Social Media heiß diskutiert. Hauptverdächtige sind Russland und die USA, beide weisen die Schuld weit von sich.

Eine Aussage des US-Außenministers Antony Blinken lässt die Spekulationen jetzt neu aufflammen. Am Freitag hatte Blinken an einer Pressekonferenz gesagt, die Nordstream-Explosionen erwiesen sich als «großartige Gelegenheit». Die USA sei nun der wichtigste Lieferant von Flüssiggas nach Europa. Nun habe man die Chance, «die Abhängigkeit von russischer Energie ein für alle Mal zu beenden und damit Wladimir Putin die Möglichkeit zu nehmen, Energie als Druckmittel zur Durchsetzung seiner imperialen Pläne zu nehmen».

«Wer hat hier kein Motiv für den Anschlag?»

Für viele Kommentatorinnen und Kommentatoren auf Twitter kommt diese Aussage Blinkens einem Schuldgeständnis gleich. «Es ist nicht vorstellbar, dass die USA ihre Finger nicht im Spiel hatten. Und sei es in assistierender Weise», schreibt jemand. Noch direkter wird AfD-Vorstandsmitglied Maximilian Krah: «Blinken sagt es ganz offen: Die Zerstörung von Nordstream sei eine ‹großartige Chance›, Europa von russischer Energie zu lösen. Wer hat hier kein Motiv für den Anschlag?», twittert er. Diverse andere Tweets gehen in eine ähnliche Richtung.

Dass die USA gegen Nordstream sind, ist schon länger klar: Seit Jahren versuchen die Amerikaner, Europa davon zu überzeugen, das russische Gas gegen amerikanisches Flüssiggas zu tauschen. Mehrfach hatte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen russische oder Russland nahestehende Unternehmen ausgesprochen, die am Bau der Pipeline beteiligt waren. Zuletzt hatte Joe Biden im Februar 2022 auch Sanktionen gegen die in der Schweiz ansässige Betreibergesellschaft der Pipeline erhoben.

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«Weit hergeholt und kontraproduktiv»

Für Marc Finaud und Jean-Marc Rickli vom Geneve Center for Security Policies (GCSP) spricht dennoch wenig dafür, dass die USA für den Sabotage-Akt verantwortlich sind: Laut den Experten kann es nicht im Interesse der USA liegen, Europa anstelle von Russland unter Druck zu bringen. «Und es liegt auch nicht in ihrem Interesse, die Gaspreise wegen der Auswirkungen auf ihre eigene Wirtschaft stark anzuheben», sagten sie kürzlich.

Gegen die Theorie, dass die USA den Angriff ausgeführt haben könnten, spricht laut Finaud und Rickli auch, dass der amerikanische Geheimdienst CIA Deutschland bereits Wochen vor dem Angriff auf Nordstream vor einem solchen gewarnt habe. «Es erscheint weit hergeholt und wäre wahrscheinlich kontraproduktiv für die USA gewesen, wenn sie auf frischer Tat ertappt worden wären. Warum hätte die CIA in diesem Fall Deutschland vor möglichen Sabotageakten warnen sollen?», sagt Finaud.

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