Krieg in der Ukraine: USA liefern und liefern Waffen – bis sie selbst ein Verteidigungsproblem haben?

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Krieg in der UkraineUSA liefern und liefern Waffen – bis sie selbst ein Verteidigungsproblem haben?

Waffen im Wert von Abermilliarden Dollar aus den USA – das hilft der Ukraine bei der Verteidigung gegen die russischen Angreifer. Möglicherweise aber nur, bis das US-Arsenal erheblich ausgedünnt ist.

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Die USA liefern Waffen an die Ukraine. Wie lange?

Die USA liefern Waffen an die Ukraine. Wie lange?

AFP
Die USA haben die Ukraine bereits mit etwa 7000 Javelin versorgt.

Die USA haben die Ukraine bereits mit etwa 7000 Javelin versorgt.

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Das ist ein Drittel des Bestandes. Das Bild zeigt den Abschuss einer Javelin-Rakete von einem Stryker Infantry Carrier Vehicle während einer Live-Fire-Übung am 28. April 2022 in Colorado.

Das ist ein Drittel des Bestandes. Das Bild zeigt den Abschuss einer Javelin-Rakete von einem Stryker Infantry Carrier Vehicle während einer Live-Fire-Übung am 28. April 2022 in Colorado.

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Sie heben fast täglich auf der Luftwaffenbasis Dover in Delaware ab – wuchtig-schwerfällige C-17-Transportflugzeuge beladen mit Javelin, Stinger, Haubitzen und anderem Material zur Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine. Bislang haben die Lieferungen wesentlich dazu beigetragen, den Vormarsch der Aggressoren zu verlangsamen und mancherorts sogar zu stoppen – genau das, was US-Präsident Joe Biden auch mit seinem Besuch am Dienstag in einer Lockheed-Martin-Fabrik in Alabama unterstreichen wollte. Sie stellt die tragbaren Javelin-Panzerabwehrwaffen her, die bei der Verteidigung der Ukraine eine äußerst wichtige Rolle spielen.

Lagerbestände der USA sind nicht unendlich

Aber Bidens Visite lenkte zugleich die Aufmerksamkeit auf eine wachsende Besorgnis: Wie lange können die USA große Mengen Waffen an das Land liefern und zugleich ein umfassendes eigenes Arsenal bewahren, das sie im Fall eines plötzlichen schweren Konflikts mit Nordkorea, dem Iran oder einem anderen Gegner benötigen könnten?

Die USA haben die Ukraine bereits mit etwa 7000 Javelin versorgt, einige wurden ihr schon während der Trump-Präsidentschaft zur Verfügung gestellt. Zusammen machen sie ungefähr ein Drittel des US-Vorrates an diesen Systemen aus, wie aus einer Analyse von Mark Cancian vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) hervorgeht. Die Biden-Regierung hat sich nach eigenen Angaben seit Beginn der Ukraine-Invasion vor mehr als zwei Monaten zur Lieferung von 5500 dieser Panzerabwehrwaffen verpflichtet.

25 Prozent ihrer Stinger sind schon in der Ukraine

Analysten schätzen außerdem, dass die USA bereits mehr als ein Viertel ihres Arsenals an Stinger-Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, in die Ukraine geschickt haben. Der CEO der Herstellerfirma Raytheon Technologies, Greg Hayes, sagte kürzlich Investoren, dass das Unternehmen bis zum nächsten Jahr nicht in der Lage sei, die Produktion zu verstärken, weil es an nötigen Komponenten fehle. «Könnte das ein Problem sein?» Die kurze Antwort lautet, «wahrscheinlich ja», sagte der CEO. Bei den Javelin und Stinger gebe es die «bedeutendsten Fragen» in Sachen Vorrat, und beide Systeme wurden in den vergangenen Jahren nur noch begrenzt hergestellt.

Es sei nicht so, dass man beispielsweise die Javelin zähle und dann zum Schluss komme, dass man nicht mehr einsatzfähig sei, wenn der Vorrat auf eine bestimmte Menge gesunken sei, so Kirby. Die Javelin seien nicht die einzige Anti-Panzer-Waffen im US-Arsenal, und die Systeme würden in ihrer Gesamtheit beurteilt, was die Fähigkeit betreffe, eine Mission zu erfüllen.

Die US-Bemühungen, Riesenmengen an Waffen für die Ukraine nach Osteuropa zu transportieren, sind zudem enorm. Von der Luftwaffenbasis Dover aus haben Flieger seit Februar etwa 3200 Tonnen an Javelin, Stinger, 155-Millimeter-Haubitzen, Helmen und anderer Ausrüstung nach Osteuropa befördert.

Zusätzlich verkomplizieren Sanktionen die Lage. Rüstungsunternehmen müssen neue Quellen für manche Rohmaterialien wie Titan finden, eine wichtige Komponente bei Fertigungen für die Luft- und Raumfahrt. Der bisherige Hauptlieferant war Russland.

(Dpa/pco)

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