Drohender Handelskrieg: USA profitieren von den Sanktionen – Verärgerung in Europa steigt

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Drohender HandelskriegUSA profitieren von den Sanktionen – Verärgerung in Europa steigt

Neben Russland leidet Europa am meisten unter den Sanktionen. Jetzt locken die USA europäische Firmen mit massiven Subventionen ins Land. Europa ist verärgert.

von
Fabian Pöschl
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Europa ersetzt russisches Gas und Öl mit Lieferungen aus den USA.

Europa ersetzt russisches Gas und Öl mit Lieferungen aus den USA.

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Wegen der hohen Energiepreise erzielen die US-Lieferanten pro Tanker 200 Millionen Dollar Gewinn.

Wegen der hohen Energiepreise erzielen die US-Lieferanten pro Tanker 200 Millionen Dollar Gewinn.

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Die hohen Energiepreise sind schlecht für die europäische Wirtschaft. Doch nun kündigte US-Präsident Joe Biden auch noch ein massives Subventionspaket in den USA an.

Die hohen Energiepreise sind schlecht für die europäische Wirtschaft. Doch nun kündigte US-Präsident Joe Biden auch noch ein massives Subventionspaket in den USA an.

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Der Krieg in der Ukraine scheint das globale Machtgefüge zu verschieben. Auf TikTok häufen sich Videos, in denen die USA als Hauptnutznießer des Kriegs auf Kosten Europas ausgemacht werden. 

Viele beschuldigen die USA, für den Anschlag auf die Gas-Pipelines in der Ostsee verantwortlich zu sein. Nun wolle Amerika mit massiven Subventionen auch noch europäische Firmen abwerben. Alles Verschwörungstheorien oder gar Putin-Propaganda?

Wer für den Anschlag verantwortlich ist, ist noch immer unklar. Die USA ersetzen aber zunehmend Russland als Gaslieferanten Europas mit Flüssiggaslieferungen per Tanker zu horrenden Preisen auf dem Spotmarkt (siehe Box).

200 Millionen Dollar Gewinn pro Tanker

Derzeit handelt Europa mit US-Anbietern langfristige Lieferungen zu besseren Preisen für bis zu 25 Jahre aus. Doch wegen des Übersee-Transports und der aufwändigen Gasverflüssigung bleiben die Kosten deutlich höher als in den USA.

So sei die US-Wirtschaft bereits im Vorteil gegenüber der EU-Konkurrenz, sagt der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire dem Handelsblatt. Zudem sagt auch er, dass das hunderte Milliarden Dollar schwere Inflationsbekämpfungsgesetz in den USA, etwa für Elektroautos, zu Ungunsten von Europa sei.

Die Subventionen seien bis zu zehnmal höher als von der EU maximal erlaubt. Er warnt vor einem Absturz und drastischen Folgen auf den Arbeitsmärkten. Man dürfe neben China auch den USA nicht einfach das Feld überlassen. Einige große Firmen, die in Europa investieren wollten, schwankten bereits zwischen Europa und den USA.

Russland und Europa leiden am meisten

Neben Russland leidet Europa am meisten unter den Sanktionen und den Folgen der Energiekrise, sagt auch Matthias Geissbühler, Investment-Chef der Raiffeisen. «Die USA sind unter dem Strich als Netto-Energieexporteur in einer deutlich besseren Lage und der Industriestandort USA hat an relativer Attraktivität gewonnen», so Geissbühler.

Für die europäische Schwerindustrie werde es wegen hoher Energiepreise fast unmöglich, weiter in Europa zu produzieren. Viele von ihnen dürften in die USA oder in andere Länder abwandern, so Geissbühler.

Zum Subventionsgesetz sagt der Raiffeisen-Experte: «US-Präsident Joe Biden führt den America-First-Ansatz seines Vorgängers Donald Trump weiter und nennt es einfach anders.» Unter Biden habe sich der Handelskonflikt etwa mit dem Exportstopp von Chips nach China sogar noch verschlimmert.

«Gespenst des Handelskriegs»

Die französische Zeitung Le Figaro berichtet nun vom «Gespenst des Handelskriegs». Die EU-Staaten fordern die USA auf, mehrere Maßnahmen aus dem Gesetz zu streichen. Sonst müsse man Vergeltungsmaßnahmen in Betracht ziehen. Eine Taskforce soll nun vermitteln.

Geissbühler warnt vor den Folgen eines möglichen Handelskriegs. «Das wäre schlecht für die globale Wirtschaft, unter dem Strich würden alle verlieren.» Statt einem Sanktionswettrennen empfiehlt er, den eigenen Standort attraktiver zu machen, etwa durch den Abbau von Bürokratie und Steuern.

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