«Keine akute Gefahr» – USA schickten nur einmal Anthrax in die Pfalz
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«Keine akute Gefahr»USA schickten nur einmal Anthrax in die Pfalz

LANDSTUHL - Tagelang wurde in Sachen Anthrax gerätselt, jetzt haben sich die US-Militärs zu Wort gemeldet: Es habe eine Lieferung in die Pfalz gegeben, die sei zerstört.

Im pfälzischen Landstuhl gibt es Aufregung um angebliche Milzbranderreger-Sendungen der US-Armee.

Im pfälzischen Landstuhl gibt es Aufregung um angebliche Milzbranderreger-Sendungen der US-Armee.

DPA/Ronald Wittek

In der Affäre um die Übersendung von Anthrax-Sporen an ein US-Labor im pfälzischen Landstuhl hat das US-Militär eine Lieferung eingeräumt. Da die 2005 geschickte Probe aber bereits 2013 vernichtet worden sei, könne nicht mehr geklärt werden, ob sie aktive Milzbranderreger enthalten habe, berichtete der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl, Peter Degenhardt (CDU), am Freitag nach einem Gespräch mit führenden Vertretern der US-Armee im Labor des Landstuhl Regional Medical Center. Nach Angaben der Amerikaner gebe es aber keine Hinweise darauf. Eine Sprecherin der US-Army in Kaiserslautern bestätigte Degenhardts Angaben.

Die US-Amerikaner und der deutsche Laborleiter hätten zudem versichert, dass es in dem Labor weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Versuche oder Arbeiten mit anderen biologischen Kampfstoffen gegeben habe, teilte Degenhardt mit. Er erklärte, er gehe davon aus, «dass es zumindest heute keine akute Gefahr für das Laborpersonal oder die Bevölkerung gebe».

Mögliche Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken prüft unterdessen, ob sich aus Presseberichten zu der Sache ein Anfangsverdacht für Straftaten ergibt. Einen entsprechenden Bericht der Rheinpfalz bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt in Zweibrücken, Martin Graßhoff.

Die US-Amerikaner hätten bei dem Ortstermin berichtet, dass es nach dem Eintreffen der Probe keine Krankheitsfälle beim Personal des Labors gegeben habe, berichtete Degenhardt. Sie hätten außerdem Berichte zurückgewiesen, wonach in den Jahren 2007, 2009 und 2010 Anthrax-Sporen an das Labor geschickt worden seien. Das hatte die «Bild»-Zeitung am Samstag berichtet.

Angeblich getötete Erreger

Nach Darstellung der Amerikaner sollte mit Hilfe der Probe ein 2005 übermittelter Detektor eingestellt werden, der in Einsatzgebieten biologische Kampfstoffe erkennen soll. Im Begleitschreiben sei mehrfach betont worden, es handele sich um abgetötete, inaktive Erreger. Detektor und Probe hätten das Labor in Landstuhl nie verlassen, berichtete Degenhardt. Da die Militärs beides eigenen Angaben zufolge nie gebraucht hätten, sei 2013 entschieden worden, das Gerät zu entsorgen und die seit 2006 eingefrorene Probe zu vernichten. Nach der Zerstörung mit zwei Bar Druck bei 121 Grad Celsius sei sie mit Krankenhausmüll ordnungsgemäß entsorgt worden.

Warum Detektor und Probe in Landstuhl gelandet seien, habe nicht mehr hundertprozentig nachvollzogen werden können und sei ein wenig im Unklaren geblieben, berichtete Degenhardt. Das Labor beschäftigte sich vor allem mit der Analyse von Trinkwasser oder Umweltbelastungen, aber auch mit Untersuchungen zu Tollwut und anderen Tierkrankheiten. Die Militärvertreter hätten auch einen Ortstermin für Feuerwehr und Katastrophenschutz angeboten. Er selbst habe darum gebeten, früher informiert zu werden.

(L'essentiel/dpa)

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