Chemiewaffen in Syrien – USA wollen Rebellen mit Waffen beliefern

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Chemiewaffen in SyrienUSA wollen Rebellen mit Waffen beliefern

Syriens Präsident Assad hat nach US-Ansichtchemische Waffen eingesetzt. Präsident Obama gibt nun grünes Licht für eine militärische Unterstützung der Rebellen.

Die amerikanische Regierung ist mittlerweile überzeugt, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad im Bürgerkrieg chemische Waffen gegen die Opposition eingesetzt hat. Obama hatte mehrfach erklärt, dass mit dem Einsatz dieser geächteten Waffen eine roten Linie überschritten werde. In diesem Fall würden die USA ihr Engagement in Syrien neu überdenken.

Obama habe sich entschlossen, den Rebellen direkte «militärische Unterstützung» zur Verfügung zu stellen, sagte der stellvertretende Sicherheitsberater des Präsidenten, Ben Rhodes. Wie diese Unterstützung aussehen werde, wollte er in der Öffentlichkeit nicht im Detail ausführen. «Sie wird anders sein als jetzt, was Ausmaß und Umfang betrifft», sagte er lediglich. Nun gehe es darum, die Effektivität der Opposition zu stärken. Bislang hatten die USA die Rebellen mit Verpflegung und Medizin versorgt.

Mindestens 100 Sarin-Opfer

Aus Regierungskreisen verlautete, Obama habe Waffenlieferungen genehmigt. Dabei könne es sich um Handfeuerwaffen, Sturmgewehre und Anti-Panzer-Waffen sowie die entsprechende Munition handeln. Eine endgültige Entscheidung über die Art der Waffen sei aber noch nicht gefallen.

Republikanische Hardliner hatten US-Präsident Barack Obama zur Bewaffnung der syrischen Rebellen und Errichtung einer Luftverbotszone über dem Bürgerkriegsland gedrängt: «Die rote Linie des Präsidenten ist überschritten worden», erklärten die Senatoren John McCain und Lindsey Graham in einer gemeinsamen Stellungnahme. «Die Glaubwürdigkeit der USA steht auf dem Spiel.»

Durch chemische Kampfmittel kamen nach Angaben des Weißen Hauses mindestens 100 bis 150 Menschen ums Leben. Die Zahl könne aber auch höher sein, da keine vollständigen Daten vorlägen. Der Mitteilung vom Donnerstag zufolge wurde im vergangenen Jahr in Syrien mehrfach in kleinerem Umfang unter anderem das Nervengift Sarin eingesetzt. Dafür machte das Weiße Haus die syrische Regierung verantwortlich. Es gebe keine schlüssigen Beweise, wonach die Opposition Chemiewaffen erworben habe. Der Einsatz chemischer Waffen «verletzt internationale Normen und überschreitet klare rote Linien», hieß es.

Druck auf Putin erhöhen

Obama werde nun die neuen Erkenntnisse vor dem Hintergrund der allgemeinen Lage in Syrien in der kommenden Woche beim G-8-Gipfel in Nordirland besprechen, hieß es. Es wird erwartet, dass er dabei den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin erhöhen wird, der als wichtigster Unterstützer von Assad gilt. «Wir glauben, dass Russland und alle Mitglieder der internationalen Gemeinschaft besorgt sein sollten über den Einsatz von chemischen Waffen», erklärte Sicherheitsberater Rhodes.

Die blutigen Kämpfe in Syrien haben nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen rund 93 000 Menschen das Leben gekostet. Zwischen März 2011, als der Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad begann, und Ende April 2013 registrierten die UN demnach insgesamt 92'901 Todesfälle.

Seit Juli 2012 seien in jedem Monat mehr als 5000 Tötungen dokumentiert worden.

(L'essentiel Online/bro/sda)

Das Nervengas Sarin

Die Phosphorverbindung zählt zu den giftigsten Kampfstoffen, die je hergestellt wurden. Sie wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen. Schon ein Milligramm Sarin kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

Das Gas wurde Ende der 1930er Jahre von deutschen Chemikern als Insektenvernichtungsmittel entwickelt und im Zweiten Weltkrieg als Kampfstoff produziert, aber nicht eingesetzt. Heute verfügen die Streitkräfte vieler Länder über Sarin. Das Institut für Strategische Studien in London geht davon aus, dass Syrien seit den 1970er Jahren große Mengen Chemiewaffen produziert hat, darunter auch Sarin.

Das Arsenal in Syrien gilt als das größte der Region und das viertgrößte weltweit.

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