Winnenden – Vater des Amokläufers nicht in Haft

Publiziert

WinnendenVater des Amokläufers nicht in Haft

Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss nicht ins Gefängnis. Er wurde am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Kreidespuren zeigen den Umriss des Amokläufers Tim K. vor einem Autohaus in Wendlingen am Neckar am 15.03.2009, wo er sich erschossen hatte.

Kreidespuren zeigen den Umriss des Amokläufers Tim K. vor einem Autohaus in Wendlingen am Neckar am 15.03.2009, wo er sich erschossen hatte.

dpa

Das Landgericht Stuttgart verurteilte den 52- jährigen Unternehmer am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Der Sportschütze hatte die Pistole, mit der sein Sohn vor knapp zwei Jahren 15 Menschen und sich selbst erschoss, unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt. Er sei der 15-fachen fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung in 14 Fällen schuldig, urteilte das Gericht. Außerdem habe er gegen das Waffengesetz verstoßen.

Emotional sehr belastend

Die meisten vor Gericht als Nebenkläger vertretenen Hinterbliebenen hatten eine Haftstrafe für den Angeklagten verlangt. «Und wenn es nur für ein Vierteljahr ist, aber er muss ins Gefängnis», sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Hardy Schober, vor dem Urteil. Schober hatte seine Tochter bei dem Massaker im März 2009 verloren.

Dagegen hatten andere Hinterbliebene ihre Erwartungen bewusst heruntergeschraubt. «Die Frage des Strafmaßes ist sekundär», sagte Jens Rabe, ein Vertreter der Nebenklage. Am wichtigsten sei, dass es ein klares Signal des Gerichts gebe und der Vater nicht nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt werde, sondern auch wegen fahrlässiger Tötung. «Der Prozess war für die Hinterbliebenen emotional sehr belastend, gleichwohl aber hilfreich.» Sie hätten unter anderem erfahren, wie ihre Kinder genau zu Tode gekommen seien.

Kritik gegen das Waffengesetzt

Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Gisela Mayer, sagte vor dem Urteil: «Es gibt keine Gerechtigkeit, die diesen 15-fachen Mord in irgendeiner Weise sühnen könnte.» Allerdings sitze auf der Anklagebank nicht der Amokläufer, sondern sein Vater. Die Vorsitzende der Stiftung kritisierte, dass das Waffengesetz bis heute nicht wirklich verschärft worden sei. Wer in seiner privaten Wohnung gefährliche Waffen halte, habe eine erhöhte Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, sagte Mayer im ZDF-«Morgenmagazin». «Wenn man diese Norm verletzt, dann wird man deutlich bestraft.»

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt ein Verbot großkalibriger Waffen allerdings ab. Der gesetzliche Handlungsbedarf sei «ausgereizt», sagte GdP-Vizechef Frank Richter «n-tv.de». Wichtiger sei die Einführung des bundesweiten Waffenregisters, das bis Ende 2012 kommen soll. Die GdP beklagte zudem fehlendes Personal bei der Kontrolle von Waffenbesitzern.

L'essentiel Online mit DPA

Deine Meinung