Vierfachmord von Annecy – Vater verhielt sich beim Zelten seltsam
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Vierfachmord von AnnecyVater verhielt sich beim Zelten seltsam

Camper, die neben der ermordeten Familie al-Hilli zelteten, fiel auf, dass sich Vater Saad kurz vor dem Vierfachmord merkwürdig verhielt. Fühlte er sich verfolgt?

Der 50-jährige Saad al-Hilli soll sich in den Tagen vor dem Vierfachmord von Annecy «seltsam» verhalten haben. Das erklären Camper gegenüber dem britischen «Telegraph».

So hätten al-Hilli und seine Familie am Samstag vor einer Woche spontan in das «Village Camping Europa» in Saint Jorioz eingecheckt. Gegenüber den anderen Campern habe Vater al-Hilli erklärt, dass sie sicher eine Woche bleiben wollten. Zwei Tage später aber hätten die al-Hillis unangekündigt den Campingplatz mit Sack und Platz verlassen und seien zum nur wenige hundert Meter entfernten Camping «Solitaire du Lac» gewechselt. Dies, obwohl die Familie mit ihrem Camper einen «Top-Spot» nahe dem Pool erhalten habe, wie die britische Zeitung schreibt.

Hatte ihnen der Campingplatz nicht gefallen – oder wollte al-Hilli seine Spuren verwischen? Der Vater scheint sich jedenfalls auffällig verhalten zu haben. Camper vom «Village Camping» beobachteten gemäss «Telegraph», dass er in der kurzen Zeit, in der die Familie auf diesem Zeltplatz weilte, «vier oder fünf Mal pro Tag» wegfuhr und seine Familie – Ehefrau Iqbal (47), die Töchter Zainab und Zeena sowie Schwiegermutter Suhaila (74) – alleine ließ.

Mysteriöse Ausflüge und ein Beobachter

Das holländische Pärchen Jan Janssen und Anne-Marie Souderman hatten ihren Platz gerade neben den al-Hillis. «Der Vater verliess den Campingplatz vier bis fünf Mal pro Tag in den zwei Tagen, in denen sie hier waren. Er fuhr alleine im Auto los und war jeweils für zwanzig, dreißig Minuten weg», so Janssen. «Zunächst dachten wir, dass er einkaufen ging. Doch es war schon merkwürdig, wie oft er den Zeltplatz verließ.» Die Holländer wollen auch einen «ungewöhnlichen Mann» beobachtet haben, der um den Campingplatz umherstreifte, als die Familie al-Hilli dort wohnte.

Dass die Familie den ersten Campingplatz unangekündigt verließ, beschäftigt auch die französische Polizei. Hier will man herausfinden, mit wem sich al-Hilli in den zwei Tagen, bevor die Familie mit ihrem Camper wieder umzog, getroffen hat. «Wir haben noch nicht alle Namen der Leute, mit denen er sich traf», sagte eine Quelle dem «Telegraph».

Angehörige der Mädchen haben «schreckliche Angst»

Im Haus der al-Hillis im englischen Surrey war am Montag ein Spezialteam für Sprengstoff eingetroffen, nachdem die Polizei «verdächtiges Material» gefunden hatte. Später gab es Entwarnung, man habe nichts Verdächtiges gefunden.

Die Polizei werte nun den Laptop von Saad al-Hilli aus, den man im Camper entdeckt habe, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud. Auch sonst habe man «mehrere vielversprechende Indizien» gefunden.

Die beiden Töchter der al-Hillis sind die einzigen Zeugen des Vierfachmordes. Die jüngste, die vierjährige Zeena, wird von angereisten Verwandten in Frankreich betreut. Die Familienmitglieder hätten «schreckliche Angst», jetzt selbst zur Zielscheibe zu werden. «Sie haben um verstärkten Polizeischutz gebeten, was bewilligt wurde.»

Die ältere Tochter Zainab wurde bei der Attacke auf ihre Familie schwer verletzt. Sie erlitt einen Schulterdurchschuss, außerdem schlug ihr der Täter mit einem Gewehrkolben mehrmals auf den Kopf. Fünf Tage lang lag Zainab im künstlichen Koma. Gestern ist sie aufgewacht. Das Mädchen habe sofort große Angst gehabt, schreiben die französischen Medien.

(L'essentiel Online/gux)

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