Wirtschaftskrise – Venezuela hat kein Geld für Geld

Publiziert

WirtschaftskriseVenezuela hat kein Geld für Geld

Venezuela leidet unter der höchsten Inflation weltweit. Das stellt das Land vor eine Reihe absurder Probleme.

Neben der dramatischen Strom- und Lebensmittelkrise leidet Venezuela unter einer horrenden Hyperinflation: Der Internationale Währungsfonds IWF rechnet im laufenden Jahr mit einer Inflationsrate von rund 720 Prozent — was dazu führt, dass das Land ständig neue Banknoten drucken muss, um mit der Teuerung Schritt zu halten.

Jetzt steht das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land vor einem neuen, sonderbaren Problem: Es kann sich keine neuen Geldscheine leisten. Wie das Wirtschaftsportal «Bloomberg» berichtet, lässt Venezuela seit 2015 seine Banknoten in Großbritannien, Frankreich und Deutschland drucken. Weil aber die Devisenreserven des Landes stark geschrumpft sind, ist nicht mal mehr Geld da, um die Schulden bei den ausländischen Druckereien zu bezahlen – geschweige denn, neue Noten zu bestellen. Die Folge: Die Unternehmen liefern keine Scheine mehr.

Das sind bei weitem nicht die einzigen, absurden Situationen, mit denen die Venezolaner im Alltag zu kämpfen haben.

• Angst vor einer stinknormalen Grippe

Die Venezolaner leben im permanenten Angstzustand: Kriminalität und Straßengewalt sind an der Tagesordnung, aber das ist im Moment nicht, was den Leuten am meisten Sorgen macht. Eher fürchten sie sich, krank zu werden. Wie BBC World schreibt, hat der Medikamentenmangel in den Krankenhäusern im vergangenen Jahr dazu geführt, dass 31 Prozent mehr Menschen starben – denn oftmals endete eine einfache, nicht rechtzeitig behandelte Grippe in einer Lungenentzündung.

• Kondom-Knappheit und Teenie-Schwangerschaften

In Venezuela herrscht seit Wochen ein alarmierender Mangel an Verhütungsmitteln. Sex sei zu einem «wahren Luxus geworden», schreibt in diesem Zusammenhang das «Vice»-Magazin. Nicht nur das: Die Kondom-Knappheit macht die NGO-Programme zur Bekämpfung von HIV und Teenie-Schwangerschaften zunichte.

• Skypen ja, aber ohne Video

Weil die Mobil-Dienstleistungen vom Staat stark subventioniert sind, sind die Handytarife in Venezuela äußerst günstig. Die Folge: Die Venezolaner telefonierten oft stundenlang mit Verwandten und Freunden. Doch das gehört nun der Vergangenheit an: Die Netzverbindungen sind mittlerweile so katastrophal, dass die Gespräche ständig unterbrochen werden. Skype gibt es nur noch ohne Video und internationale Handyverbindungen sind gar nicht mehr möglich.

• Einkaufen endet oft in Krawall

Die Grundnahrungsmittel in Venezuela sind seit rund zwei Jahren rationiert. Der größte Bierhersteller der Landes stellte seine Produktion wegen Mangels an Zutaten ein. Für ein bisschen Maismehl, Margarine oder Fleisch stehen Venezolaner täglich stundenlang Schlange. Wer es früh genug zum Supermarkt schafft und noch genügend Geld hat, kann wenigstens etwas zum Essen ergattern. Wie knapp die Vorräte der Menschen sind, zeigt die Diashow oben.

In den vergangenen Wochen kam es aber immer wieder vor, dass die Menschen am Schluss, trotz des langen Wartens, leer ausgingen. Nicht selten endete der Frust der Kunden in gewaltsamen Auseinandersetzungen oder Plünderungen, schreibt die venezolanische Zeitung «El Tiempo». In Maracaibo, der zweitgrößten Stadt des Landes, wurden deswegen in den vergangenen Tagen über 100 Menschen verhaftet.

(L'essentiel/kle)

Deine Meinung