Nach den Wahlen – Verbannt Ägypten Bikini und Bier?

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Nach den WahlenVerbannt Ägypten Bikini und Bier?

Ägyptens Ruf als Ferienland leidet. Luxemburger fahren weiter lieber woanders hin. Nach den Unruhen kommen nun Islamisten an die Macht. Hat das Folgen für Touristen?

Die ägyptischen Islamisten können mit ihrer Mehrheit im Parlament jetzt ihre Moralvorstellungen in Gesetze gießen. Ob das Auswirkungen auf die Rechte westlicher Tourismus zum Beispiel auf Alkoholkonsum hat, ist umstritten. Betroffen wäre auch Orascom Hotels & Development, einer der größten ägyptischen Hotelbetreiber. Oracoms Vize-Marketingchefin Mayar Abdel Aziz äußert sich dazu im Interview.

Frau Abdel Aziz, Die Parlamentswahlen sind vorbei, die Islamisten haben gewonnen. Wird sich die ägyptische Tourismusbranche neu orientieren und künftig mehr auf muslimische Urlauber setzen oder - wie es das zuständige Ministerium ankündigt - auf Amerikaner und Asiaten?

Abdel Aziz: «Zur jetzigen Zeit ist Europa unser Hauptmarkt. Das war schon immer so. Die Flugstrecken sind kurz, die Tickets günstig. Deshalb können Europäer auch schnell mal nach Ägypten kommen, wenn es in ihrer Heimat schneit. Die Tourismusbranche ist auf die Vorlieben der Europäer ausgerichtet. Die machen gerne Sport, haben Interesse an unserer Kultur und an unseren Antiquitäten. Würden wir plötzlich nur noch auf Amerikaner oder Asiaten setzen, müssten wir auch sämtliche Hotels und Restaurants umbauen.»

Die Salafisten, die immerhin ein Viertel der Stimmen bekommen haben, wollen Alkohol und Bikinis verbieten, eine Trennung von Männern und Frauen an den Stränden durchsetzen. Wird sich das nicht auf die Branche auswirken?

Abdel Aziz: «Ich glaube nicht, dass sich viel ändern wird. Demokratie und Toleranz bedeuten doch nicht, dass künftig jede Frau in Ägypten im Badeanzug durch die Straßen läuft und auch nicht, dass wir alle Whiskeyflaschen in der Tasche tragen. Auch Urlauber aus muslimischen Ländern feiern oder konsumieren alkoholische Getränke. Was würden die Salafisten wohl mit den Touristen etwa aus Saudi-Arabien machen, die auch am Roten Meer nächtelang durchfeiern? Ich habe das Gefühl, derzeit wird vieles übertrieben dargestellt.»

Glauben Sie nicht an ein streng-islamisches Ägypten?

Abdel Aziz: «Ägypter sind voller Widersprüche. Wir sind 80 Millionen Menschen, beeinflusst von einer 7000-jährigen Kultur. Uns kann niemand ein Leben wie in Saudi-Arabien so einfach vorschreiben. Im übrigen geht es jetzt darum, die Armut zu bekämpfen, Arbeitsplätze zu schaffen und bessere Krankenpflege anzubieten. Erst wenn das geschafft ist, können wir über Kleinigkeiten nachdenken, etwa ob eine neue Disko eröffnet werden soll.»

Wie hat sich der Arabische Frühling auf den Tourismus ausgewirkt?

Abdel Aziz: «Wir befinden uns derzeit in einer Übergangsphase, in der leider etwas weniger Urlauber kommen. Unsere Hotels sind weniger ausgelastet. Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass sich alles zum Positiven wenden wird. Dieser Meinung sind auch unsere Geschäftspartner, deshalb halten sie zu uns. In diesem Jahr sind wir Partnerland der ITB Berlin, der größten Touristikmessen der Welt. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung.»

L'essentiel Online mit dpa

Luxemburger wollen nicht mehr nach Ägypten

LUXEMBURG - Strand in Ägypten statt Winter in Luxemburg? Damit ist’s vorbei: Unter Luxemburgern haben Reisen nach Ägypten – trotz günstiger Preise – deutlich «an Popularität verloren», erklärt Yves Hoffmann, Sprecher von Luxair und LuxairTours.

Die Lage habe sich seit dem Einbruch nach dem Ausbruch der Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz vor einem Jahr kaum verändert. «So lange es immer neue Berichte über Demos und Ausschreitungen gibt, wird das auch so bleiben», erklärt Yves Hoffmann. (sb)

Seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings habe sich aber Tunesien als Reiseland leicht erholt. Der Einbruch sei auch bei Marokko zu spüren gewesen, obwohl es dort nie zu großen Demonstrationen gekommen war.

Beziffern will LuxairTours den Einbruch nicht. Nur so viel: Wie bei allen Reisegesellschaften sei die Zahl der Flüge nach unten angepasst worden und auch die Flieger, die verkehren, seien lange nicht ausgebucht, so Hoffmann. Kaum ein Reiseunternehmen veröffentlicht Zahlen zum Einbruch bei den Reisen in arabische Länder. Einen Anhaltspunkt liefert ein Herausgeber von Reiseführern gegenüber sueddeutsche.de: Bei den Schiffen für Kreuzfahrten auf dem Nil liegen offenbar 90 Prozent vor Anker.

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