Chevaline (F) – Verdächtiger zehn Jahre nach Massaker verhaftet
Publiziert

Chevaline (F)Verdächtiger zehn Jahre nach Massaker verhaftet

Am 5. September 2012 wurden in den französischen Alpen vier Menschen erschossen – die Tat glich einer Hinrichtung und blieb bis heute ungelöst.

1 / 8
2012 wurden auf einem Parkplatz in den französischen Alpen …

2012 wurden auf einem Parkplatz in den französischen Alpen …

Reuters
… vier Leichen gefunden.

… vier Leichen gefunden.

Reuters
Ein britisches Ehepaar und die Mutter der Frau lagen erschossen in ihrem BMW – zwei Töchter überlebten.

Ein britisches Ehepaar und die Mutter der Frau lagen erschossen in ihrem BMW – zwei Töchter überlebten.

AFP

Der irakischstämmige Ingenieur Saad al-Hilli (50), seine Ehefrau Iqbal, deren Mutter Suhaila al-Allaf (74) und der Franzose Sylvain Mollier (45), der offenbar auf seinem Rennfahrrad vorbeigekommen war: Diese vier Menschen wurden am 5. September auf einem Waldparkplatz der Ortschaft Chevaline nahe Annecy in den französischen Alpen erschossen in ihrem BMW aufgefunden. Die beiden Töchter Zeena (4) und Zainab (7) überlebten die Bluttat, das ältere Mädchen wurde dabei angeschossen. Die Familie hatte ihre Ferien dort verbracht, Mollier war möglicherweise nur zufällig im falschen Moment am falschen Ort.

Die Ermittler standen vor einem Rätsel. Die Tat, die einer Exekution glich – Mollier etwa wurde von sieben Projektilen getroffen – schien jedenfalls nach Auffassung der Polizei von Profikillern verübt worden zu sein. Drei der Opfer wurden jeweils mit zwei gezielten Kopfschüssen getötet. Die Waffe, ein älteres Modell vom Typ Luger P06 wurde nicht gefunden. Die Munition dafür war 2012 nur noch schwer zu bekommen.

Verschiedene Motive untersucht

Die Suche nach möglichen Tätern oder deren Auftraggebern gestaltete sich schwierig – und blieb bis heute ergebnislos. Ermittelt wurde unter anderem im Umfeld der Familie von al-Hilli: Dessen Bruder wurde vorübergehend festgenommen, da man hinter der Tat einen Erbstreit vermutete. Al-Hilli war in der Luft- und Raumfahrtbranche tätig gewesen und auf Satelliten spezialisiert – auch diese Spur führte ins Nichts. Ebenfalls konnte die Frage, ob der Fahrradfahrer Sylvain Mollier das primäre Ziel des oder der Killer gewesen war, bislang nicht beantwortet werden. Ein am Tatort gesichteter Motorradfahrer, der per Phantombild gesucht und schließlich 2015 identifiziert und festgenommen wurde, war offenbar unschuldig. Auch ein Buch über den Fall wurde verfasst, in dem ein ehemaliger Fremdenlegionär, der sich 2014 umbrachte, als möglicher Mörder genannt wurde.

Nun könnte die aktuelle Festnahme Licht ins Dunkel bringen. Wie die Polizei in Annecy am Mittwoch meldete, habe sie im Zusammenhang mit dem Fall eine Person in Gewahrsam genommen, die nun «ausgiebig vernommen» werde. Offenbar war diese nicht näher bezeichnete Person früher schon einmal festgenommen worden, nun seien aber Ungereimtheiten in seiner damaligen Aussage aufgetaucht, vor allem was den Zeitplan angeht. Zu deutsch: Die Person scheint kein Alibi zu haben. Auch der Wohnsitz des Verhafteten wird durchsucht, am Tatort sind Forensiker.

Wie die zuständige Staatsanwältin Line Bonnet-Mathis angab, ist der Vierfachmord von Chevaline kein «cold case». Bereits 2021 hatten Ermittler die Verbindung zwischen der Bluttat in den französischen Alpen und einer Bande von Auftragskillern untersucht, von denen einer – ein früherer Elitepolizist – eine Luger P06 besaß.

(L'essentiel/trx)

Deine Meinung