Millionen Jobs weg – Verliert die Weltwirtschaft ihren Motor?

Publiziert

Millionen Jobs wegVerliert die Weltwirtschaft ihren Motor?

Um Überkapazitäten abzubauen, sollen Millionen chinesische Arbeiter ihre Jobs verlieren. Was heißt das für die Weltkonjunktur?

Was passiert gerade in China?

Die Konjunktur der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft kühlt sich zunehmend ab: Schon 2015 war sie mit einem Wachstum von 6,9 Prozent so schwach ausgefallen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Wegen Überkapazitäten will die chinesische Regierung in den nächsten Jahren fünf bis sechs Millionen Jobs streichen. Denn viele Staatsunternehmen würden nur noch künstlich durch Kredite am Leben erhalten, es geht das Schlagwort von «Zombie-Unternehmen» um. Im Widerspruch dazu hat Chinas Zentralbank aber ab dem 1. März die Reservevorschriften für die Banken gelockert. Das Ziel: mehr und günstigere Kredite.

Wie geht es nun weiter?

«In der Wachstumsphase ist in China massiv investiert worden, um möglichst alle Gewinne der boomenden Weltwirtschaft mitzunehmen», erklärt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin. Auch wenn China den Kreditmarkt weiter aufweicht, dürfte es der Regierung jetzt aber vor allem darum gehen, die Überkapazitäten abzubauen. Carsten Menke, Rohstoffanalyst der Bank Julius Bär, sagt: «In China vollzieht sich gerade die absehbare Wandlung weg von investitionsgestütztem Wachstum hin zu konsumgestütztem Wachstum. Die großen Industrie- und Infrastrukturprojekte gehören der Vergangenheit an.» Die vom Staat per Dekret geschaffenen Industrie-Überkapazitäten würden derzeit noch am Leben gehalten, doch nicht lange.

Verliert die Weltkonjunktur ihren wichtigsten Motor?

Die China-Euphorie ist eindeutig verflogen. Die Antwort der Ökonomen fällt nüchtern aus: «Es war nicht zu erwarten, dass ein Land über zehn Jahre hinweg so hohe Wachstumsraten halten kann. Auch China nicht», sagt Rohstoffanalyst Menke. Nicht nur die Chinesen, sondern auch die restliche Welt dürfte nun auf einen anderen Wachstumsmodus umschalten: «Wir gehen insgesamt davon aus, dass sich das globale Wachstum 2016 zwar abschwächt, aber nicht einbricht – gestützt durch den Privatkonsum in den USA und in Europa», sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee.

Bleiben die Rohstoffpreise weiterhin tief?

Auch wenn die Konjunktur stabil bleibt, dürften die Preise für Stahl und andere Metalle im Keller bleiben. «Bei den Rohstoffpreisen ist mittel- bis langfristig sicherlich nicht mit einer deutlichen Erholung zu rechnen», sagt der Rohstoffexperte der Bank Julius Bär, Carsten Menke. Der Grund ist das Überangebot, das nicht nur beim Rohöl herrscht.

Denn was sich in den letzten Jahren auf dem weltweiten Rohstoffmarkt gezeigt hat, ist ein sogenannter Schweinezyklus: Hohe Nachfrage und hohe Preise haben Investitionen und Ausbau von Minen ausgelöst, wodurch sich dann das Angebot massiv erhöhte und in Folge zu einem Preiseinbruch führte. Auch wenn Firmen wie Glencore einen Teil ihrer Minen im vergangenen Jahr stillgelegt haben, übersteigt das Angebot die Nachfrage nach wie vor. «Der Schweinezyklus bei den Rohstoffen führt zu einer langen Phase des Überangebots», sagt Menke.

Wegen der tiefen Rohstoffpreise bleibt bei Konsumenten und Firmen mehr Geld. Bringt das mehr Investitionen und Konsumausgaben?

Es kann zwar einen Schub für die heimische Wirtschaft geben, muss es aber nicht. «Es ist noch offen, ob die Ersparnisse der privaten Haushalte bei den Energiekosten in den Konsum gehen», sagt Karsten Junius. Der Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin betont, dass dafür die allgemeine Konsumentenstimmung entscheidend sei. Für Firmen sollte der Effekt dieses Jahr gering ausfallen, wie Alessandro Bee erklärt: «Die niedrigen Rohstoffpreise haben ihnen schon 2015 geholfen, dieses Jahr wird der Einspareffekt also nicht mehr so groß sein.»

Deine Meinung