Star City – Versteckte Astronautenstadt in Russland

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Star CityVersteckte Astronautenstadt in Russland

In Star City in der Nähe von Moskau trainieren Astronauten für ihre Einsätze im All. Einen festen Platz auf dem Gelände hat aber auch die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa.

Mitten in einem Wald in Russland, nicht weit von Moskau, befindet sich eine außergewöhnliche Mini-Stadt: Star City (Swjosdny Gorodok) ist schon seit über einem halben Jahrhundert nur von Astronauten und Weltraumforschern bewohnt, ein Mekka für Weltraum-Trainings. Besonders speziell: In den Siebzigern, während des Kalten Krieges, luden die Russen die Nasa ein – die amerikanische Raumfahrtbehörde hatte künftig eine Zweigstelle in Star City.

«Star City war immer ein bisschen eine verbotene, eine versteckte Stadt», sagt Nasa-Arzt Michael Barratt schon 1998 gegenüber verschiedenen Medien. Bei ihrer Eröffnung in den Sechzigern sollte Звёздный городо́к (so die russische Bezeichnung von Star City) den Russen helfen, möglichst schnell auf den Mond zu kommen, vorzugsweise vor den Amerikanern, natürlich.

Nur Angestellte der (russischen) Raumfahrtbehörde erlaubt

Star City wurde zu Ehren von Kosmonaut Juri Alexejewitsch Gagarin erbaut, dem ersten Menschen im All. In der Stadt leben ausschließlich Angestellte der russischen Raumfahrtbehörde (Roskosmos) und deren Familien. In der Kleinststadt gibt es Schulen, ein Kino, ein Fitnesscenter, eine Kirche, eine Post und eine Kindertagesstätte. Aktuell leben in Star City rund 6000 Menschen.

Das Undenkbare passierte 1973: Die Nasa zog in das «Prophylactory» ein, ein mehrstöckiges Gebäude auf dem Boden der Astronautenstadt. Die amerikanische Raumfahrbehörde richtete dort Außenbüros ein. Das Apollo-Sojus-Test-Projekt (ASTP) war die erste US-amerikanisch-sowjetische Kooperation in der Weltraumfahrt: «Russische und amerikanische Astronauten werden zum ersten Mal in der Geschichte gemeinsam ins All fliegen», sagte Leonid Iljitsch Breschnew, damaliges Staatsoberhaupt der Sowjetunion.

Kulturschock für die Amerikaner

«Hier gibt es nur wenige von uns Cowboys», soll Astronaut Ken Cameron 1994 nach seiner Ankunft in Star City gesagt haben. Und Nasa-Mitarbeiter Mike Lopez sagt: «Es war schon ein Kulturschock. Es gab zum Beispiel keine Restaurants, aber auch keine Tankstellen. Benzin wurde einfach von irgendwelchen Lastwagen am Straßenrand verkauft.»

Seit 1994 hat die Nasa übrigens einen permanenten Sitz in der versteckten Stadt. Für die amerikanischen Astronauten ist aber vor allem die Sprache eine Herausforderung: Nasa-Astronaut Dan Burbank sagt: «Die Controldecks sind fast alle russisch beschriftet. Ich bin schon fast 20 Jahre hier und habe immer noch so viel zu lernen.»

Besuche möglich

Während die Stadt in ihren Anfängen noch militärisches Sperrgebiet war, wurden die Sicherheitvorkehrungen in den vergangenen Jahren nach und nach gelockert. Inzwischen sind Astronauten aus der ganzen Welt im Yuri Gagarin Cosmonaut Training Center (GCTC) willkommen. Auch Besucher können die Astronautenstadt und das Raumfahrtmuseum besuchen. Einfach mal hingehen ist aber nicht: Besucher müssen vorher einen Termin ausmachen – oder die Stadt gleich virtuell besuchen.

(L'essentiel/Meret Steiger)

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