Bommeleeër-Prozess – Verteidigung in Bedrängnis
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Bommeleeër-ProzessVerteidigung in Bedrängnis

LUXEMBURG - Zu Beginn der 8. Prozesswoche musste die Verteidigung herbe Rückschläge einstecken. Der vielbeschworene Zeuge Kramer erweist sich als Hochstapler.

Die Gerichtssitzung nach der einwöchigen Pause drehte sich am Montag um den Zeugen der Verteidigung, Andreas Kramer. Letzterer hatte schwerste Anschuldigungen gegen das Luxemburger Stay-Behind-Netzwerk erhoben und eine direkte Beteiligung des luxemburgischen SREL und des deutschen BND an der Attentatsserie in den 1980-er Jahren in den Raum gestellt.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die sich unter anderem auf Familienmitglieder Kramers stützen, entpuppte sich nun die vielbeachtete «heiße Spur» als warme Luft. Wie das «Luxemburger Wort» bereits in seiner Montagsausgabe berichtete, beurteilt die Staatsanwaltschaft die Glaubwürdigkeit Kramers als katastrophal. Dieser habe weder einen Abschluss als Historiker, wie er behauptet hatte, noch gebe es Anzeichen dafür, dass seine Aussagen über seinen Vater auch nur den geringsten Wahrheitsgehalt hätten.

Kramer leidet laut den Ermittlern unter «einer ausgeprägten Profilneurose» uns ist immer wieder durch haarsträubende Lügengeschichten gegenüber seinen Familienmitgliedern, aber auch der Presse und den Behörden aufgefallen. Seine Aussagen über die Anschlagsserie in Luxemburg seien daher als höchst zweifelhaft zu beurteilen, so die Ermittler weiter.

Verstoß gegen das Geheimdienstgesetz?

Zu einem weiteren Eklat kam es, als das Gericht von der Verteidigung Aufklärung über die Herkunft bestimmter Dokumente verlangte, die den Geheimdienst SREL betreffen. Dieselben Dokumente seien auch in jenem Archivbestand vorgefunden worden, den der SREL an die Staatsanwaltschaft geliefert habe, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Version der Verteidigung keinen Freigabestempel trage. Das Gericht wirft der Verteidigung in anderen Worten vor, Dokumente aus illegalen Quellen erhalten zu haben, was einen Verstoß gegen den Artikel 16 des Geheimdienstgesetzes bedeuten würde.

Ein schwerwiegender Vorwurf, der Me Gaston Vogel dazu bewegte, vom Gericht eine Außerkraftsetzung des betreffenden Gesetzes zu verlangen, um das Recht seiner Mandanten auf eine faire Verteidigung zu wahren. Das Gericht entschied eine Unterbrechung bis Donnerstag, um über die Frage beraten zu können.

(L'essentiel Online/mth)

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