Er tötete 16-Jährige – Verurteilter Mörder (56) auf der Flucht
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Er tötete 16-JährigeVerurteilter Mörder (56) auf der Flucht

Ralf Hörstemeier wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Als die Beamten das Urteil vollstrecken wollten, war der mutmaßliche Täter bereits verschwunden.

Die sechzehnjährige Natascha Salla ist vor fast dreißig Jahren in einem Dortmunder Vorort überfallen und erwürgt worden. Hintergrund seien sexuelle Motive gewesen, berichtet «Focus». Der 56-jährige Ralf Hörstemeier wurde 2018 mittels neuer Auswertungen von DNA-Spuren festgenommen. Eine Hautschuppe, die auf der Leiche der jungen Frau gefunden worden war, soll ihn überführt haben.

Das Landgericht von Dortmund verurteilte Hörstemeier im Januar diesen Jahres zu lebenslanger Haft. Als rechtskräftig gilt das Urteil jedoch erst seit dem 14. Dezember. Der 56-jährige Mann aus Deutschland blieb nach seinem Schuldspruch auf freiem Fuß, da die Justiz keine Fluchtgefahr sah. Er bekam auf Anordnung der Polizei eine Fußfessel.

Polizei bittet um Mithilfe

Der mutmaßliche Täter entledigte sich, nach Angaben der Polizei um 20.10 Uhr seiner Fußfessel, ließ sein Handy zurück und ist seither flüchtig. In einem Fahndungsaufruf bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach dem Flüchtigen.

Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur wurde das mutmaßliche Fluchtfahrzeug seiner Lebensgefährtin im ganzen Schengenraum zur Fahndung ausgeschrieben. Auch gegen sie werde demnach ermittelt, weil sie ihm zur Flucht verholfen haben soll. Der Verdächtige und die Frau könnten in einem blauen Mercedes C-Klasse mit Münsteraner Nummernschild unterwegs sein. Ob auch gegen seine Lebensgefährtin ein Haftbefehl erlassen wird, werde jetzt von der Staatsanwaltschaft geprüft.

Für die Eltern unbegreiflich

Die Anwältin, Arabella Pooth, die Natschas Eltern vor Gericht vertreten hatte, sagte am Mittwoch zur Deutschen Presse Agentur: «Es war klar, dass der Mann sich seiner Haftstrafe nicht stellen würde.» Dass der Verdächtige auf freien Fuß gesetzt wurde, sei aus ihrer Sicht falsch gewesen, wenn auch rechtlich möglich. Für die Eltern sei die Tatsache, dass der Mann jetzt verschwunden ist, «eine Katastrophe» und unbegreiflich.

Drohung an den Flüchtigen

Der Vater der Getöteten findet klare Worte auf die Frage, was wäre, wenn Hörstemeier bei ihnen zuhause auftauchen würde: «Ich hoffe es sogar. Wenn der zu uns kommt, braucht sich anschließend keiner mehr um den zu kümmern. Keine Staatsanwaltschaft, keine Polizei», sagt Joachim Schalla gegenüber «RTL». Auch die Behörden kommen bei dem Vater nicht gut weg: «Ich dachte, ich hätte in diesem Fall schon alles an Behördenversagen erlebt. Ich habe keine Worte mehr dazu».

Er prangert an, dass man sich doch nicht einfach selber einer Fußfessel entledigen könne. «So hätte man sich das auch gleich sparen können», sagt der Vater. Schalla fragt auch, was man denn von dem Verurteilten erwartet hätte: «Was würden Sie denn an dessen Stelle machen? Brav in den Knast gehen?», fragt der Vater verständnislos.

(L'essentiel/Angela Rosser)

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