Burnout-Syndrom – «Viele vergessen sich selbst in der Arbeit»

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Burnout-Syndrom«Viele vergessen sich selbst in der Arbeit»

LUXEMBURG - Wenn ein Arbeitnehmer zu viel in seine Arbeit investiert, kann er schnell «ausbrennen». Der Zustand der totalen Erschöpfung vom Beruf tritt dann auf. Luxemburgs Arbeitsmediziner schlagen Alarm.

Vor allem Lehrer klagen in Luxemburg über den Zustand der totalen Erschöpfung- das sogenannte Burnout-Syndrom.

Vor allem Lehrer klagen in Luxemburg über den Zustand der totalen Erschöpfung- das sogenannte Burnout-Syndrom.

DPA

Leiden viele Menschen in Luxemburg unter der totalen Erschöpfung von der Arbeit? Diese Frage stellte der Abgeordnete André Bauler in einer parlamentarischen Anfrage an das luxemburgische Arbeitsministerium.

«Immer mehr Arbeitnehmer sind in Luxemburg vom sogenannten Burnout-Syndrom betroffen», berichtet Ivette Bausch vom Service de Santé au Travail Multisectoriel (STM) auf Anfrage von L’essentiel Online. Dabei gibt es laut der Arbeitsmedizinerin zwei Faktoren, die für berufliche Überlastung verantwortlich sind: der ökonomische Druck und die rasche Veränderung im Beruf. «Viele investieren unheimlich viel in ihre Arbeit, so dass sie sich selbst vergessen», so Bausch weiter.

Komplettes Ausscheiden nicht selten

Doch das übertriebene berufliche Engagement kommt die Arbeitnehmer häufig teuer zu stehen. Es treten Müdigkeit, extreme Gereiztheit, Depressionen und Fehler bei der Arbeit auf, wie Bausch berichtet. Ein komplettes Ausscheiden aus dem Beruf sei nicht selten.

«Ich hatte letzte Woche zwei Damen, die unter Burnout gelitten haben. Sie mussten sich ein Jahr lang auskurieren, bevor sie wieder arbeiten konnten», sagt Bausch. Betroffen seien meistens Menschen über 40 Jahren, doch auch bei den Jüngeren komme das Syndrom vor.

Betroffen sind vor allem Lehrer

Die im März 2010 durchgeführte Studie vom Forschungsinstitut TNS-ILRES zeigt, dass 20 Prozent der Befragten regelmäßig mit der beruflichen Überlastung konfrontiert sind.

Dabei ist vor allem der Bildungsbereich (38 Prozent) betroffen; auf die Reinigungsberufe sowie die des Sozial- und Gesundheitssektors kommen immerhin noch 24 Prozent.

APESS: «Gründe sind klar»

«Das Burnout-Syndrom kommt tatsächlich unter Lehrern oft vor», bestätigt Delia Pifarotti, die in der Grundschule unterrichtet. «Ich kann das nicht verstehen, aber viele sind wirklich überfordert», fügt sie hinzu.

Die Gründe der beruflichen Erschöpfung bei Lehrenden sind klar, meint Daniel Reding, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft APESS. «Der Beruf verlangt viel, um von Schülern anerkannt zu werden. Dazu kommt enorme zeitliche Belastung.» Denn ihre Arbeitsstunden verbrächten die Lehrer nicht nur im Unterrichtsraum vor den Schülern, sondern auch bei der Klassenarbeit, Vorbereitungen, Konferenzen und Weiterbildungen.

Immer mehr Fälle in der Berufswelt

Neben vielen anderen Einrichtungen bietet das Centre de Formation Syndicale du Luxembourg (Ausbildungszentrum der Angestelltenkammer- CFSL) seit 2009 Seminare, in denen es neben Wohlbefinden auf der Arbeit sowie Bewältigung von Stress und Depressionen auch um das Burnout-Syndrom geht.

Das Angebot erfreut sich in der letzten Zeit immer größerer Beliebtheit, wie David Büchel, Arbeitspsychologe und CFSL-Mitarbeiter, berichtet. «Das Thema wird häufig von den Medien aufgegriffen und es gibt immer öfter konkrete Fälle in der Berufswelt.»

Irina Figut/L'essentiel Online

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