Kanada: Vier Frauen zeigen spirituellen Anführer wegen sexueller Übergriffe an

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KanadaVier Frauen zeigen spirituellen Anführer wegen sexueller Übergriffe an

Der Kanadier John de Ruiter sitzt in U-Haft. Vier Anhängerinnen einer spirituellen Glaubensgemeinschaft werfen ihm sexuelle Übergriffe vor.

von
Karin Leuthold
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Der 63 Jahre alte John de Ruiter ist der Anführer einer millionenschweren, spirituellen Organisation. Seit dem 21. Januar 2023 sitzt er in Edmonton, Kanada, in Haft.

Der 63 Jahre alte John de Ruiter ist der Anführer einer millionenschweren, spirituellen Organisation. Seit dem 21. Januar 2023 sitzt er in Edmonton, Kanada, in Haft.

Screenshot Calgary CTV News
De Ruiter bezeichnet sich selbst als «lebende Verkörperung der Wahrheit». Seine Glaubensgemeinschaft hat Tausende Anhänger.

De Ruiter bezeichnet sich selbst als «lebende Verkörperung der Wahrheit». Seine Glaubensgemeinschaft hat Tausende Anhänger.

Screenshot Calgary CTV News
Vier Klägerinnen werfen dem Mann vor, sie zwischen 2017 und 2020 bei verschiedenen Gelegenheiten sexuell angegriffen zu haben.

Vier Klägerinnen werfen dem Mann vor, sie zwischen 2017 und 2020 bei verschiedenen Gelegenheiten sexuell angegriffen zu haben.

Screenshot Calgary CTV News

Die kanadische Polizei hat den Anführer einer millionenschweren, spirituellen Organisation festgenommen, nachdem vier ehemalige Anhängerinnen der Gemeinschaft ihn wegen sexuellen Übergriffs angezeigt hatten. Der 63-jährige John de Ruiter wurde am Samstag in der Stadt Edmonton in der Provinz Alberta in Gewahrsam genommen.

Die vier Klägerinnen werfen dem Mann vor, sie zwischen 2017 und 2020 bei verschiedenen Gelegenheiten sexuell angegriffen zu haben. Der selbst ernannte messianische Anführer des Oasis Centres soll den Opfern gesagt haben, «dass er von einem Geist angewiesen wurde, sexuelle Handlungen mit ihnen vorzunehmen, und dass ihnen dadurch die Möglichkeit geboten werde, einen Zustand höheren Seins oder spiritueller Erleuchtung zu erreichen», teilte die Polizei in einer Medienmitteilung mit. Die Behörde geht davon aus, dass es weitere Opfer gibt. Die Ermittler und Ermittlerinnen ermutigen Mitglieder oder ehemalige Mitglieder der Gemeinschaft, sich zu melden.

Vom Schuhmacher zum spirituellen Anführer

In einer internen Erklärung der Organisation heißt es, dass de Ruiter die Anschuldigungen vor Gericht «energisch anfechten» werde. Sämtliche Veranstaltungen wurden in den letzten Tagen abgesagt. Bereits bezahlte Eintrittskarten werden erstattet. Die Treffen sollen jedoch im Laufe der Woche wieder aufgenommen werden. 

De Ruiter, der mit vollem Vornamen Johannes heißt, arbeitete als Schuhmacher und Hilfspfarrer, bevor er vor 25 Jahren seine eigene Glaubensgemeinschaft gründete. Selbst bezeichnet er sich als «lebende Verkörperung der Wahrheit», seine Tausenden Anhänger fordert er auf, den Sinn des Lebens durch «kernspaltende Ehrlichkeit» zu verstehen.

Eine psychologische oder therapeutische Ausbildung hat er nicht, wie BBC berichtet. Bekannt wurde er durch seine wöchentlichen Treffen, bei denen er seine Anhänger und Anhängerinnen lange Zeit schweigend anstarrte.

Sohn weiß von den Sex-Beziehungen des Vaters Bescheid

Im Jahr 2017 führte die kanadische Zeitung «The Globe and Mail» eine Untersuchung durch. Dabei kritisierten mehrere der befragten Anhänger seine sexuellen Beziehungen zu einigen der weiblichen Anhänger. Nicolas de Ruiter, Sohn des festgenommenen Anführers, sagte einst in einem Interview, er wisse von den Affären seines Vaters zu verheirateten Frauen in der Gemeinschaft Bescheid.

Der Vater soll seinerseits dem Sohn erklärt haben, «dass er dazu bestimmt sei, mit einer Reihe von Frauen sexuelle Beziehungen zu unterhalten». Auf der Website seiner Organisation wird das Thema sogar angesprochen. In einem Q&A wird die Frage gestellt, ob es nicht kontrovers sei, dass John de Ruiter Sex mit seinen Anhängerinnen habe. Darauf die Antwort: «John benutzt Sex nicht als Mittel zur Kontrolle oder Unterwerfung einer Person.»

In Gerichtsdokumenten aus dem Jahr 2009 wird das persönliche Vermögen der Familie de Ruiter auf fast neun Millionen Dollar geschätzt. Der Anführer besitzt neben einem Haus einen umgerechnet etwa 51.000 Euro teuren Lastwagen. Mit den Veranstaltungen des Oasis Centres verdient er knapp 160.000 Euro pro Jahr.

Erlebst Du häusliche Gewalt?

Wende Dich an die Polizei oder an www.violence.lu

Helpline: 20 60 1060

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