CL-Halbfinale – Vier Tore für ein Halleluja

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CL-HalbfinaleVier Tore für ein Halleluja

Borussia Dortmund besiegt Real Madrid gleich mit 4:1 und steht nach Bayern auch mit einem Bein im Endspiel. Matchwinner ist Robert Lewandowski mit allen 4 Toren.

In der Champions League deutet Vieles auf ein deutsches Duell im Endspiel hin. Auch Borussia Dortmund hat zuhause sein Halbfinal-Hinspiel klar und verdientermaßen gewonnen. Die Gelb-Schwarzen schlugen Real Madrid mit 4:1.

Dortmund landete im sechsten Heimspiel in dieser Champions-League-Saison den sechsten Sieg. Zum Mann des Abends kürte sich Robert Lewandowski. Der polnische Stürmer erzielte alle vier Tore des BVB. Er demonstrierte eine Effizienz, wie man sie noch selten gesehen hat. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich, der in Dortmund vor der Pause für große Ernüchterung gesorgt hatte, weil er sehr unnötig gewesen war, brachte Lewandowski die Gastgeber mit einem lupenreinen Hattrick, für den er bloss 17 Minuten benötigte, in die Erfolgsspur zurück.

Lewandowski «Man of the Match»

Mit der Triplette untermauerte er auch seine eindrucksvolle Formstärke. In der Bundesliga schießt er derzeit Tore am Laufmeter. Mit 23 Treffern ist er der Top-Torjäger der deutschen Meisterschaft. Der davor letzte, der in einer Champions-League-Partie vier Tore verbuchte, war Mario Gomez gewesen. Dem Bayern-Stürmer gelang das Kunststück vor etwas mehr als einem Jahr beim 7:0 gegen den FC Basel. Noch erfolgreicher war einst Lionel Messi, der für den FC Barcelona gegen Leverkusen mit einem «Fünfer-Pack» glänzte.

Am Dienstagvormittag war Borussia Dortmund noch von einer schweren Depression erfasst worden. Die Anhänger reagierten wie erwartet mit Entsetzen darauf, nachdem publik geworden war, dass Mario Götze auf die nächste Saison hin zum ungeliebten Rivalen Bayern München wechselt. Die Nummer 10 der Gelb-Schwarzen sah sich zunächst mit wüsten Beschimpfungen konfrontiert. Am Tag danach war das Thema keinesfalls erledigt, der BVB und seine Fans ließen sich aber beim Saison-Highlight die Stimmung durch die schlechte Transfer-Nachricht nicht verderben. Im ausverkauften Signal-Iduna-Park wurde auch Götze vom Anpfiff an angefeuert. Er musste sich bei seinem Einmarsch ins Stadion und während der Partie verhältnismäßig nur wenige Pfiffe oder Schmährufe gefallen lassen. Die Supporter erfüllten Jürgen Klopps Wunsch nach einem warmen Empfang für Götze. Als Devise hatte er ausgegeben: «Jetzt erst recht!».

Götze mit guter Reaktion

Götze trug dann rasch dazu bei, dass ihm wieder mehr Sympathien entgegen gebracht wurden. So war es ausgerechnet er, der beim wichtigen 1:0 in der 8. Minute als Assistgeber brillierte. Vom linken Flügel aus flankte der 20-Jährige zur Mitte, wo Robert Lewandowski die präzise Vorlage aus kurzer Torentfernung verwerten konnte. Reals portugiesischer Innenverteidiger Pepe war einen Schritt zu spät gekommen. Diego Lopez, der gegenüber Star-Goalie Iker Casillas den Vorzug erhalten hatte, besaß nicht den Hauch einer Abwehrmöglichkeit.

Es war also rasch alles angerichtet gewesen für ein rauschendes Dortmunder Fussball-Fest. Die Westfalen kontrollierten das Geschehen mit der Führung im Rücken. Das 1:0 zur Halbzeit wäre verdient gewesen. Bis kurz vor der Pause hatte Real Madrid nur einen einzigen ernsthaften Torschuss verzeichnen können. In der 24. Minute musste Keeper Roman Weidenfeller einen nicht sonderlich platzierten Freistoß von Cristiano Ronaldo entschärfen. Doch dann folgte für den BVB die verhängnisvolle Schlussphase der ersten Hälfte. Erst forderten die Platzherren nach einem Rencontre zwischen Marco Reus und Raphael Varane einen Elfmeter, doch die Pfeife des holländischen Schiedsrichters Björn Kuipers blieb stumm. Und praktisch im Gegenzug unterlief Mats Hummels ein kapitaler Fehler. Nach einem Einwurf und im Zuge einer eigentlich harmlosen Situation wollte der Innenverteidiger, der Dortmund ebenfalls verlassen könnte, den Ball zu Weidenfeller zurückspielen, doch der Pass geriet viel zu kurz. Gonzalo Higuain ging dazwischen und legte quer für Cristiano Ronaldo, der problemlos ins verwaiste Gehäuse einschieben konnte. «CR7» baute seinen Vorsprung in der Champions-League-Torschützenliste aus. Er steht nun bei zwölf Treffern in dieser Saison.

4 Tore für ein Halleluja

Lewandowski hat noch zwei Tore weniger auf dem Konto. Aber mit welcher Kaltblütigkeit er aufwartete, verdiente das Prädikat Weltklasse. Nach dem Seitenwechsel profitierte er zweimal davon, dass er missratene Torabschlüsse von Teamkollegen übernehmen konnte. Sowohl von Marco Reus (2:1) als auch von Marcel Schmelzer (3:1) wurde er wohl nicht ganz freiwillig bedient. Das Tor zum Schlussresultat besorgte Lewandowski per Strafstoß. Das Elfmeter hatte es gegeben, weil Xabi Alonso Reus angerempelt hatte.

Unter dem Strich muss sicher auch gesagt werden, dass Lewandowskis Gala durch die schwache Defensiv-Leistung von Real Madrid begünstigt worden ist. Im Abwehr-Zentrum enttäuschten beide Protagonisten; Pepe ebenso wie Varane. Real hatte Dortmund schon in der Gruppenphase vier Tore zugestehen müssen.

Bei den Madrilenen erreichte kaum einer die Top-Form. Sie mussten sich teilweise vorführen lassen wie die Profis vom FC Barcelona gegen Bayern München. Mesut Özil und Sami Khedira, die deutschen Internationalen in Diensten von Real Madrid, fielen vor allem wegen ihrer gelben Karten auf.

Vor 15 Jahren hatte Dortmund zuvor letztmals eine Partie in den Halbfinals der Champions League bestritten. Auch damals hiess der Gegner Real Madrid. Beim BVB stürmte Stéphane Chapuisat und war Ottmar Hitzfeld Sportdirektor. Die von Jupp Heynckes trainierten Spanier gewannen das Hinspiel, das auch durch den «Torfall von Madrid» in die Geschichte einging, mit 2:0. Das Rückspiel endete torlos. Dortmund schied als Titelverteidiger aus und wartet in der «Königsklasse» bis heute auf den zweiten Final-Einzug. Dieser liegt heuer mehr denn je in Reichweite. Dieses Polster darf Dortmund nicht mehr herschenken. Real Madrid wird möglicherweise zum dritten Mal in Serie in den Champions-League-Halbfinals scheitern. Die 13. Final-Qualifikation in der Königsklasse ist praktisch entschwunden.

Borussia Dortmund - Real Madrid 4:1 (1:1)
Signal-Iduna-Park. - 65'829 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kuipers (Ho).
Tore: 8. Lewandowski 1:0. 43. Cristiano Ronaldo 1:1. 50. Lewandowski 2:1. 55. Lewandowski 3:1. 67. Lewandowski (Foulelfmeter) 4:1.
Borussia Dortmund: Weidenfeller; Piszczek (83. Grosskreutz), Subotic, Hummels, Schmelzer; Bender, Gündogan (92. Schieber); Blaszczykowski (82. Kehl), Götze, Reus; Lewandowski.
Real Madrid: Diego Lopez; Ramos, Varane, Pepe, Fabio Coentrao; Khedira, Xabi Alonso (80. Kaká); Özil, Modric (69. Di Maria), Cristiano Ronaldo; Higuain (69. Benzema).
Besondere Vorkommnisse: Real Madrid ohne Essien, Marcelo (beide verletzt) und Arbeloa (gesperrt).
Verwarnungen: 54. Khedira (Foul). 64. Özil (Unsportlichkeit). 70. Lewandowski (Foul). 92. Ramos (Hands).

Lewandowskis erstes Tor...

Der Ausgleich durch Ronaldo...

Lewandowskis zweites...

...drittes...

und viertes Tor:

(L'essentiel Online)

Champions League, Halbfinale

Dienstag, 23. April:

Bayern München – FC Barcelona 4:0

Mittwoch, 24. April:

Borussia Dortmund – Real Madrid 4:1

Finale am 25. Mai in London

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