Nationalfeiertag – «Vive la France» im Saarland

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Nationalfeiertag«Vive la France» im Saarland

Am 14. Juli feiern die Franzosen ihren Nationalfeiertag. Im Saarland, das nach dem Zweiten Weltkrieg französisches Protektorat war, wird mitgefeiert.

Janine Loock, Präsidentin der Vereinigung der Französischen Staatsbürger im Saarland, freut sich auf den 14.Juli.

Janine Loock, Präsidentin der Vereinigung der Französischen Staatsbürger im Saarland, freut sich auf den 14.Juli.

DPA/Katja Sponholz

Janine Loock, die Präsidentin der Union des Français de Sarre (Vereinigung der Französischen Staatsbürger im Saarland) ist wohl das, was man sich unter einer «echten Französin» vorstellt. Elegant, höflich, selbstbewusst. Nein, ihr Alter will sie nicht verraten. «Ich bin Französin!», erklärt sie lachend, «wir sind alterslos!»

Und auch sonst geht es in ihrem Leben - auch wenn sie vor sieben Jahren «endgültig» nach Deutschland gezogen ist - recht französisch zu. «Unser Haus ist exterritorial», gibt sie zu, da wird Französisch gesprochen. Das Baguette schmeckt ihr eigentlich nur, wenn es tatsächlich mit französischem Mehl gebacken wurde. Und wenn sie mal «frische Luft» braucht, wie sie es selbst formuliert, dann setzt sie sich morgens in den Zug und fährt nach Paris, nimmt mit der aktuellen Ausgabe von «Le Monde» Platz in ihrem Lieblingscafé, isst ein Croissant, schlendert durch die Straßen und fährt abends wieder zurück nach Saarbrücken.

Französisches Flair

Janine Loock, die als Handelsattaché für die französische Botschaft zuvor in Köln, Prag und Bern gearbeitet hatte, ist nicht nur Französin, sie fühlt sich auch so - und sie weiß, wie es ist, ins Saarland zu kommen. «Ich liebe die Großstadt, aber am Anfang kam es mir hier sehr provinziell vor», gibt sie zu. Auf der anderen Seite hat sie die Region mit ihrem französischen Flair und den offenen, liebenswürdigen Menschen, auch schätzen gelernt.

Vielleicht hat sie deshalb spontan «Oui» gesagt, als sie vor sechs Jahren gefragt wurde, ob sie die neue Präsidentin der Union des Français de Sarre (U.F.S.) werden wollte. Ein Verein, der Ende der 1940er Jahre gegründet wurde und dessen Ziel es ist, die Kultur und Völkerverständigung zu fördern und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, vor allem im Saarland, zu stärken. Dazu treffen sich die Mitglieder - rund 200 sind es - einmal im Monat zu Vorträgen, Ausstellungen und Firmenbesuchen aber auch zu gemeinsamen Ausflügen nach Frankreich oder in europäische Großstädte wie zuletzt Rom, Madrid, London, Krakau und Berlin.

Die Geschichte der Vereinigung «U.F.S.» geht zurück in die Zeit, als das Saarland noch zu Frankreich gehörte und viele große Firmen, vor allem im Metall- und Eisenbereich, von Franzosen geleitet wurden.

114.000 Franzosen in Deutschland

Laut französischer Botschaft in Berlin gehört Deutschland zu den wichtigsten Aufnahmeländern für Franzosen - neben der Schweiz, den USA, Großbritannien und Belgien. Die Zahl der insgesamt in Deutschland registrierten Franzosen sei 2015 um etwa ein Prozent auf rund 114 000 gestiegen. Rund 3300 davon sind im Saarland gemeldet; nach Schätzungen, so erklärt Loock, lebten jedoch weit über 6000 hier.

Dass Franzosen überall eigene Vereinigungen und deutsch-französische Gesellschaften gründen, ist für Janine Loock, die wegen ihres Mannes nach Saarbrücken kam, normal. Denn Franzosen liebten es nun einmal, zusammen zu sein und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. «Egal wo auf der Welt: Wenn es Franzosen gibt, die treffen sich, die wollen etwas organisieren!», weiß die Präsidentin. So sei die U.F.S. gegründet worden. Zwar gebe es auch in anderen Städten - etwa in Berlin, Frankfurt oder Freiburg - die Vereinigung der Französischen Staatsbürger, die Saarländer sind jedoch die einzigen, die nicht Vollmitglied der Dachgesellschaft in Paris sind. «Wir sind nun mal etwas Besonderes», sagt Janine Loock, «wir wollen weiterhin unser eigenes Süppchen kochen und nicht für alles in Paris nachfragen müssen!»

Schwierige Verjüngung

Schwieriger, als die eigene Unabhängigkeit zu bewahren, ist es eher, auch junge Menschen für sich zu gewinnen. «Mein Ziel, als ich angetreten bin, war es, den Verein zu verjüngen», sagt Loock. «Aber das ist sehr, sehr schwierig. Viele junge Franzosen brauchen keinen Verein, um sich zu treffen: Sie haben Facebook und Instagram, um sich zu finden und zu wissen, was hier los ist.» Seit ein zwei Jahren jedoch stellt sie mit Freude fest, dass sich das Publikum gewandelt hat. Mittlerweile ist das jüngste Mitglied eine 24-jährige Studentin, und Loocks Assistentin ist 22: «Das öffnet Türen!»

Und es sind nicht nur die Vorträge in ihrer Muttersprache, die die jungen Franzosen anlocken, es sind vor allem französische Traditionen, die gemeinsam gefeiert werden. Im Januar etwa ein Fest mit dem «Galette des Rois», dem Dreikönigskuchen, oder seit zwei Jahren zu Mariä Lichtmess das Fest «La Chandeleur» mit besonderer Crêpes-Zubereitung.

Feuerwerk und Fallschirmspringen

Und natürlich wird die Union des Français de Sarre auch in diesem Jahr wieder zum Nationalfeiertag am 14. Juli gemeinsam mit dem französischen Generalkonsulat einen öffentlichen «Bal populaire» am Schloss ausrichten: mit französischer Musik, Tanz im Garten, französischen Köstlichkeiten, einem Feuerwerk und Fallschirmspringern, die in der Nähe der Staatsoper landen werden. Ganz so, wie es zur U.F.S. passt, mit unterschiedlichen Fahnen in den Händen: der französischen, der deutschen und der europäischen.

(L’essentiel/dpa)

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