Der letzte Krieger – Vor 120 Jahren starb Sitting Bull

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Der letzte KriegerVor 120 Jahren starb Sitting Bull

Er ist der wohl berühmteste Indianer der Geschichte. Vor 120 Jahren starb er unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen - mit ihm verschwand eine Ära.

Geboren wurde «Springender Biber» in einem Indianerzelt in South Dakota vermutlich im Jahr 1831 - so genau wusste er das selbst nicht

Geboren wurde «Springender Biber» in einem Indianerzelt in South Dakota vermutlich im Jahr 1831 - so genau wusste er das selbst nicht

dpa

Die beiden berühmtesten Indianer der Welt könnten verschiedener kaum sein: Während der vom Schriftsteller Karl May erdachte Winnetou als edler Häuptling mit seinem stolzen Stamm durch grüne Täler ritt, sah die Welt des realen Sitting Bull anders aus: Krieg, Verrat und Vertreibung, Hunger und Kälte, Feuerwasser und Tod. Sitting Bull war einer der einflussreichsten Indianer der Geschichte. Vor 120 Jahren wurde er unter bis heute nicht endgültig geklärten Umständen erschossen.

Mit zehn den ersten Bison

Geboren wurde «Springender Biber» in einem Indianerzelt in South Dakota vermutlich im Jahr 1831 - so genau wusste er das selbst nicht. Er war der Sohn eines Häuptlings der Lakota, die mit den Dakota und den Nakota die Gruppe der Sioux bilden. Mit zehn jagte er den ersten Bison und mit 14 war er beim Kriegszug gegen die Crow erfolgreich. Wegen seines Mutes erhielt er einen der Ehrennamen seines Vaters: «Sich setzender Bulle», «Sitting Bull».

Etwa zehn Jahre später tötete er einen Crow und wurde zum Führer der Krieger. Doch als sein Vater 1859 getötet wurde, wurde nicht Sitting Bull der neue Häuptling - der Stamm war längst zerrissen.

Anführer der Renegaten

Ein Teil der Lakota wollte sich in den 1860er Jahren fügen und in die kleinen unwirtlichen Reservate umziehen, ein Teil nicht. Sitting Bull wurde einer der Anführer der Renegaten und nahm für den legendären Häuptling Red Cloud an kleineren Gefechten teil. «Sitting Bull lehnte jeglichen Verzicht auf Land und Freiheit ab», schreibt der Historiker Rudolf Oeser, «während andere Indianerführer sich schon seit Jahren in den Reservaten niedergelassen hatten».

Bei seinem größten Erfolg war Sitting Bull gar nicht dabei. Er war auch geistiger Führer seiner Krieger und hatte sich beim Sonnentanz so verausgabt, dass er bei der Schlacht am Little Bighorn 1876 fehlte. Eine Woche vor dem 100. Geburtstag der USA rieben seine Krieger unter Führung von Crazy Horse die Truppe von Oberstleutnant George Custer auf, Gefangene machten die Indianer nicht. Der größte Erfolg gegen die US-Armee gelang den Indianern allerdings nicht durch taktische Finesse. Ihre Führung war chaotisch, aber immer noch besser als die des talentierten, aber hoffnungslos arroganten Custer.

Wildwestshow und Reservat

Es war der letzte Sieg der Indianer. Sitting Bull floh mit seinen Männern nach Kanada, vier Jahre später zog er ins Reservat. Die Weißen behandelten ihn mit Respekt und nahmen ihn auf Vortragstouren mit. Der Weltruhm kam mit William Cody, der als Buffalo Bill mit seiner Wildwestshow der Welt das Geschrei mit der auf den Mund klopfenden Hand als Kriegsgeheul der Indianer verkaufte. Cody behandelte Sitting Bull fair und bezahlte ihn ordentlich, schreibt Oeser. Auf der Europatournee war er aber nicht dabei. Wie ein Tomahawk schlug die Show insbesondere in Deutschland ein - das lag auch an Karl May.

Zurück im Reservat blieb Sitting Bull ein Rebell. Als die Behörden vom Geistertanz hörten, vermuteten sie nicht ganz zu Unrecht in der Religion auch Aufruhr. Sitting Bull sollte als ihr potenzieller Führer festgenommen werden. Am 15. Dezember 1890 umstellten indianische Polizisten seine Hütte. Einer von Sitting Bulls Leuten schoss und es entwickelte sich eine wilde Schießerei.

Nach ein paar Minuten waren 15 Menschen tot. Mit seinem 17- jährigen Sohn starb auch Sitting Bull. Der große Krieger war tot. Spät ehrte ihn die US-Post mit einer eigenen Briefmarke. Da war «Der sich setzende Büffel» schon 99 Jahre tot.

(L'essentiel Online mit dpa)

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