Selbstfahrende Autos – VW und Nissan heften sich Google an die Fersen

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Selbstfahrende AutosVW und Nissan heften sich Google an die Fersen

Am Auto-Salon dominieren Boliden mit Verbrennungsmotoren. Angespornt vom Google-Auto denken aber auch Traditionshersteller um.

Dass das Roboterauto von Google im Februar erstmals eine Mitschuld an einem Crash trifft, darf nicht darüber hinwegtäuschen: Im Bereich des autonomen Fahrens ist Google der Konkurrenz davongefahren – meilenweit. Während die traditionellen Autobauer an Konzeptfahrzeugen tüfteln, ist Googles Roboterauto, das ohne Lenkrad auskommt und seine Passagiere wie von Geisterhand ans Ziel bringt, in Kalifornien und Texas bereits zugelassen.

Der Rückstand der traditionellen Autobauer im Bereich des autonomen Fahrens zeigt sich auch am Genfer Autosalon. Es dominieren Autos mit Verbrennungsmotoren, die der Branche schöne Gewinne bescheren. Und dass der Erdölpreis derzeit so tief ist, lässt die Traditionshersteller eher länger bei der Technologie von gestern verharren. Die Automanager sprechen in Genf zwar übers autonome Fahren, Konkretes zeigen können aber die wenigsten.

Nissan-Elektroautos als Schwarmspeicher

Eine der wenigen Ausnahmen ist Nissan. Der Hersteller aus Japan zeigt seine Vision vom emissionsfreien und autonomen Fahren. Das mit etlichen Kameras und Bildschirmen ausgestattete Konzeptfahrzeug aus Karbon nennt sich Nissan IDS und basiert auf dem Modell Leaf. Das Auto verfügt über zwei Modi: einen für den Menschen am Lenkrad, einen fürs autonome Fahren. Fährt die Person, laufen die Assistenzsysteme im Hintergrund weiter und greifen nötigenfalls ein. 2020 will Nissan sein System fürs autonome Fahren in mehrere Serienmodelle integrieren.

Weil der Nissan IDS leicht gebaut ist, soll er mit einer Batterieladung die Strecke von 550 Kilometern bewältigen können. Nissan schwebt vor, die Batterien seiner stehenden Elektroautos künftig als eine Art Schwarmspeicher im Stromnetz zu nutzen. Überschüssige Energie wird in den Autobatterien gelagert und bei Verbrauchsspitzen wieder dem Netz zugeführt. Das erhöht einerseits die Stabilität im Stromnetz, andererseits wird der teure Akku besser ausgelastet. Denn: 90 Prozent der Zeit stehen die meisten Autos still. «Wir wollen Teil der Lösung sein», sagte der Nissan-Europa-Chef in Genf – eine Aussage, die auch von einem Google-Manager stammen könnte.

VW-Chef ändert seine Meinung

Apple und Google etwas entgegensetzen will auch VW. «Volkswagen gibt dem technologischen Wandel höchste Priorität und fokussiert auf Digitalisierung und autonomes Fahren», heißt es in einer neuen VW-Präsentation. Und an einem Event in Genf sagte Volkswagen-Chef Matthias Müller, er sei inzwischen überzeugt, dass sich das autonome Fahren durchsetzen werde. «Lediglich exzellente Autos zu machen, genügt nicht. Volkswagen hat die Zeichen erkannt», so Müller. Bisher hatte sich der langjähriger Porsche-Chef, der erst im Zuge das Dieselskandals bei VW an die Spitze gekommen ist, stets kritisch über Roboterautos geäußert. Autonomes Fahren degradierte Müller als ungerechtfertigten Hype.

Dass VW die Roboterautos nun ernst nimmt, zeigt auch das Engagement des Ingenieurs Johann Jungwirth, genannt JJ. Seit November an Bord soll er VW ins neue digitale Autozeitalter führen. Der 42-Jährige war bereits für Apple tätig und es heißt, JJ habe am iCar mitgewirkt. Jungwirth kündigte in Genf an, der Volkswagen-Konzern werde in fünf Jahren so weit sein, dass die Autos vollkommen autonom fahren könnten und weder Lenkrad noch Fußpedal hätten. VW will dafür drei sogenannte Future Center einrichten, eines in Deutschland, eines im Silicon Valley und eines in China.

(L'essentiel)

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