Haute Couture für Waffenfans – Waffenlobby stellt neue Holster-Kollektion vor

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Haute Couture für WaffenfansWaffenlobby stellt neue Holster-Kollektion vor

Die US-Waffenlobby NRA hat Waffennarren eine große Freude gemacht – und erstmals eine Modeshow für das unsichtbare Tragen von Waffen präsentiert.

Klassisch dünne Models oder trendige Kleider standen auf dem Catwalk in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin definitiv nicht im Mittelpunkt – dafür bärtige Männer und robuste Frauen mit Waffen.

Am Freitag präsentierte der Waffenverband National Rifle Association (NRA) die neue Kollektion von Waffenholstern, Schulterhalftern und Knarren-Handtaschen. Ein Label namens Femme Fatale stellte sogar ein Korsett vor, in dem eine Waffe Platz findet. Die Veranstaltung fand erstmals im Rahmen der alljährlichen Mitgliederversammlung der NRA statt.

Die Veranstaltung der Waffenlobby hat die NRA-kritischen Medien auf den Plan gerufen: «Mit der Pistole zur Yoga-Stunde? Die NRA gibt ihnen Deckung», lautet der ironische Titel des US-Portals «Quartz». «Die besten Looks, um Ihre Waffe verborgen zu tragen», titelt im ähnlichen Ton die Newssite «Slate».

Die Reibungen zwischen der NRA und den Medien sind nicht neu. Die Waffenlobby macht etwa mit einer Video-Kampagne gegen ihre Kritiker mobil.

«Wir haben die Nase voll von euren Fake-News»

Mit Donald Trump im Weißen Haus und dem Kongress unter republikanischer Kontrolle könnte sich die Waffenlobby in den USA eigentlich zurücklehnen. Doch trotz großer Gewissheit, dass die Waffengesetze in den nächsten vier Jahren unangetastet bleiben, bläst die NRA zum Angriff. Weil aktuelle Gesetzespläne als Zielscheibe ausscheiden, nimmt sie liberale Kräfte ins Visier, die sie als Bedrohung für den freien Waffenbesitz sieht — allen voran die Medien.

Es seien brennende Zeiten, «und die Medienelite wurde dabei erwischt, das Streichholz zu halten», heißt es in dem Filmchen, dass die Waffenlobby auf ihrer Video-Website NRATV ausstrahlt. Zu sehen sind dabei Aufnahmen von Angriffen auf Polizisten, von Randalierern, die Schaufensterscheiben einwerfen und Menschen, die die US-Flagge in Brand stecken.

Dann geht Sprecherin Dana Loesch konkret die «New York Times» an: «Wir haben die Nase voll von euren Geschichten, eurer Propaganda, euren Fake-News. Wir haben die Nase voll von eurer ständigen Verteidigung eurer demokratischen Lehnsherren.» Kurz später sagt Loesch dann: «Nehmt dies als Schuss vor euren sprichwörtlichen Bug.» Und: «Zusammengefasst? Wir holen euch.»

«Die grundlegende Botschaft ist gleich geblieben»

Ton und Sprache des Videos gehörten zu einer «überreizten Rhetorik», die durchaus Gewalt auslösen könne, kritisiert Kathleen Hall Jamieson, Direktorin des Annenberg-Politikzentrums an der University of Pennsylvania. Der Satz «Wir holen euch» aus dem Video bedeute, dass Gewalt im Verzug sei und der Drohende sie verüben werde.

Dieses Muster der NRA sei aber nicht neu, erklärt Robert Spitzer vom Politikwissenschaftlichen Institut der State University of New York in Cortland, der selbst Mitglied der Organisation ist, aber auch beim Brady-Zentrum zur Verhütung von Schusswaffengewalt. Die Gruppe habe es wiederholt eingesetzt, um gegen vermeintlich drohende Einschränkungen mobil zu machen.

«In den 1990ern war es Bill Clinton. Anfang der 2000er war es John McCain. Es war Hillary Clinton. Es waren die Vereinten Nationen», listet Spitzer auf. «Der Fokus ihres Zorns hat sich geändert, aber die grundlegende Botschaft ist gleich geblieben.»

Auch innerhalb der NRA sind nicht alle mit den verbalen Attacken einverstanden. Mike Nelson – Demokrat, Jäger und Waffenbesitz-Befürworter aus Arkansas — stuft die Videos als Hasspropaganda ein. Wenn die NRA ihre Hasskampagne nicht stoppe, werde er sie der Aufwiegelung bezichtigen, kündigt Nelson auf Facebook an. Unterstützen könne er die Organisation nicht mehr.

(L'essentiel/kle/dapd)

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