Parität in der Politik – Wann bekommt Luxemburg eine Premierministerin?

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Parität in der PolitikWann bekommt Luxemburg eine Premierministerin?

LUXEMBURG – Am vergangenen Sonntag bekam Belgien erstmals eine Premierministerin – Sophie Wilmès. In Luxemburg gab es das noch nie. Wann wird es so weit sein?

Chantal Gary, Abgeordnete an der Chamber (Déi Gréng) seit Oktober 2019 (links); Sophie Wilmès, Premierministerin Belgiens (Mitte) und Martine Hansen, erste CSV-Fraktionschefin an der Chamber.

Chantal Gary, Abgeordnete an der Chamber (Déi Gréng) seit Oktober 2019 (links); Sophie Wilmès, Premierministerin Belgiens (Mitte) und Martine Hansen, erste CSV-Fraktionschefin an der Chamber.

Ein neuer Wind weht über die EU-Länder. Nach Angela Merkel – Kanzlerin Deutschlands seit Oktober 2005 –, Mette Fredreriksen – Dänemarks Premierministerin seit Juni 2019 –, und Viorica Dăncilă – Rumäniens Premierministerin seit Januar 2018, bekam nun auch Belgien erstmals eine Frau in Gestalt der Premierministerin Sophie Wilmès (44). Zum 1. Dezember 2019 wird ebenfalls erstmals eine Frau – die Deutsche Ursula von der Leyen – ihr Amt an der Spitze der EU-Kommission antreten.

Aber wie sieht es in Luxemburg aus? Wird das Großherzogtum eines Tages eine Premierministerin bekommen? Seit Gaspard Théodore Ignace de la Fontaine, der am 1. August 1848 der erste Regierungspräsident Luxemburgs wurde, bis zum heutigen Premierminister Xavier Bettel haben sich insgesamt 24 Männer an der Spitze des Landes gehalten. Und keine einzige Dame.

Bisher hatte Lydie Polfer als Frau den höchsten Posten in der Staatsverwaltung. Von August 1999 bis Juli 2004 war sie nämlich stellvertretende Premierministerin. Seit Dezember 2013 amtiert die 67-Jährige als Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg. Von 1982 bis 1999 stand sie bereits an der Spitze der Stadtverwaltung.

«Ein großes Potenzial bei den Frauen»

Im Dezember vergangenen Jahres wurde erstmals eine Frau als CSV-Fraktionschefin ernannt. Vielleicht wird die 54-jährige Martine Hansen eines Tages Premierministerin des Großherzogtums. Sie hoffe auf jeden Fall, «dass es nicht noch 20 Jahre dauern wird, bis eine Frau diesen Posten bekommt». Von den 60 Mitgliedern an der Chamber sind weniger als 30 Prozent Frauen. «Es geht aber vor allem um Kompetenzen, und nicht um Geschlecht», sagt sie. Außerdem sei es nicht immer einfach, Frauen zu finden, die Politik machen wollen, so die gebürtige Wiltzerin. «Die Mentalitäten ändern sich zwar nach und nach, aber oft sind es noch die Frauen, die sich um die Kinder kümmern», sagt sie.

Ob Chantal Gary dabei mehr Chancen hat, eines Tages an der Regierungsspitze zu landen? «Das hängt von vielen Faktoren ab», sagt die junge Frau, die am 23. Oktober als neue Chamber-Abgeodnete von Déi Gréng vereidigt wurde. In ihrer Partei sehe sie jedenfalls ein großes Potenzial bei den Frauen. Ideal wäre jedoch für sie eine Geschlechterparität. Ihre Motivation, Politik zu machen lässt sich folgendermaßen umschreiben: «Ich wollte, dass sich endlich was ändert. Junge Mädchen sollten dafür sensibilisiert werden, dass Frauen in der Gesellschaft auch eine Rolle spielen.»

(fl/L'essentiel)

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