Doktor Sex: «Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Outing?»

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Doktor Sex«Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Outing?»

Lenny ist sich definitiv sicher, dass er sich nur in Männer verlieben kann. Nun fragt er sich, zu welchem Zeitpunkt und wie er sich damit in seinem sozialen Umfeld zeigen soll.

von
Bruno Wermuth
Lenny (33) ist homosexuell. Nun fragt er sich, ob er sich in seinem Umfeld outen soll. 

Lenny (33) ist homosexuell. Nun fragt er sich, ob er sich in seinem Umfeld outen soll. 

Getty Images/iStockphoto

Frage von Lenny (33) an Doktor Sex

Antwort von Doktor Sex

Lieber Lenny,

viele homosexuelle Männer und Frauen erleben das Sich-Zeigen in ihrem «Anderssein» als große Herausforderung. Und zwar unabhängig vom Alter. Oft geht diesem Schritt ein längerer Bewusstwerdungsprozess voraus. Nicht selten ist er auch mit Leid verbunden.

In einer Gesellschaft, in der Heterosexualität die Norm ist, kann es nämlich eine große Herausforderung sein, die eigene Homosexualität zu akzeptieren. Manche Menschen schaffen diesen Schritt dann auch nicht und ziehen deshalb die Verheimlichung vor.

Zwei Phasen im Coming-out-Prozess

Der Coming-out-Prozess kann grob in zwei Phasen unterteilt werden. In einer ersten, nach innen orientierten Phase wird das eigene Schwul- bzw. Lesbischsein bewusst gemacht und schlussendlich als sexuelle Orientierung akzeptiert. In einer zweiten wird diese Haltung dann nach außen kommuniziert und gelebt.

Die Phasen können unterschiedlich lang dauern und auch Rückschritte oder Pausen beinhalten. Letztlich ist der Coming-out-Prozess nie ganz abgeschlossen, denn der Umgang mit der sexuellen Orientierung kann im Lebenslauf von Menschen immer wieder ein Thema werden – auch wenn die Grundausrichtung im Wesentlichen feststeht.

Einzelne nahestehende Personen einweihen 

Ich rate dir, erst nur einzelne Menschen zu informieren, idealerweise solche, die dir nahestehen und mit denen du eine tragfähige Beziehung lebst. Dadurch kannst du Sicherheit gewinnen in der Kommunikation deiner Homosexualität.

Beachte, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, die Eltern und andere Verwandte frühzeitig ins Bild zu setzen. Für manche Väter und Mütter ist es nämlich eine grosse Herausforderung, wenn sie erfahren, dass ihr Kind homosexuell ist. Und manchmal können auch Geschwister nicht damit umgehen. Es kann auch sein, dass es genau umgekehrt ist und der Vater oder die Mutter, ein Bruder oder eine Schwester, ein Onkel oder eine Tante die Person ist, die man als Erstes einweihen möchte.

Zum Schluss noch zu deiner Wahrnehmung, dass alle Männer in deinem Alter ihre Homosexualität schon kommuniziert haben und in einer Beziehung leben. Sie ist verzerrt und stimmt so nicht. Auch Anfang 30 – und bei manchen noch später – sind Menschen bezüglich ihrer sexuellen Orientierung noch mit sich und dem inneren Coming-out beschäftigt und zeigen sich im sozialen Umfeld noch überhaupt nicht als schwul. Alles Gute!

Wann wurdest du dir bewusst, welche deine sexuelle Orientierung ist?

Dr. Sex

Bruno Wermuth ist Sexualberater und -pädagoge. Als «Dr. Sex» beantwortet er Fragen der L'essentiel- und 20 Minuten-Leser zur schönsten Nebensache der Welt.

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