In Luxemburg – Warum der nächste Index nicht fallen will

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In LuxemburgWarum der nächste Index nicht fallen will

LUXEMBURG – Sie verschiebt sich immer weiter nach hinten. Nun kommt die nächste Indextranche wohl erst zum Jahresende. Und das, obwohl alles immer teurer wird, oder?

Bisher bleibt vom Lohn immer noch nicht mehr übrig.

Bisher bleibt vom Lohn immer noch nicht mehr übrig.

Editpress/Isabelle Finzi

Ein kurzer Blick auf die Gehaltsabrechnung und die Schlussfolgerung ist klar: Leos drei vergangene Lohnerhöhungen sind mit den vergangenen drei Kostenanpassungen der Indextranchierung zusammengefallen (2011, 2012 und 2013). Das Gleiche gilt für seine Lebensgefährtin Anna. «Die Indextranchierung ist in der Tat unsere einzige Konjunkturspritze, deshalb erwarten wir das immer ungeduldig.» Doch bisher ließ sie sich nicht blicken, die Statistikbehörde Statec erklärt, warum.

«Wir haben die Menschen nie betrogen», sagt Tom Haas von der Vorhersage- und Modellrechnungs-Abteilung der Statec. «Bei jeder Vorhersage werden drei Szenarien in Abhängigkeit von der Entwicklung der Ölpreise vorgeschlagen, aber man weiß nie, wie sie sich tatsächlich entwickeln werden.» Im Juli, als die Statec eine Möglichkeit der nächsten Index-Tranche für Ende 2015 einräumte, war das «unter dem Aspekt, dass die Ölpreise relativ stabil bleiben.» Doch sie fielen, der Anstieg der Löhne rückte in die Ferne. Im November schrieb die Statec, dass ein «weiteres Fallen der Ölpreise unter 30 US-Dollar die Kostenanpassung auf das vierte Quartal 2016 verschieben» könnte. Anfang dieser Woche wurde das Rohöl bei 30,04 US-Dollar gehandelt.

8000 Preiserhebungen im Monat

«Die Indizierung ist keine willkürliche Entscheidung», sagt Claude Lambouray, Bereichsleiter der Statec-Preisstatistik. Zudem regeln nicht weniger als 20 europäische Vorschriften die Indexierung, dazu kommen steigende Preise und die Berechnung der Inflation. Jeden Monat analysieren ein halbes Dutzend Statec-Ermittler die Preise in 700 bis 800 Läden: sei es für Pizza, Wintermantel, Strom, Reifen, Kinokarte oder Schönheitsmaske bei der Kosmetikerin.

«All das wird dann im berühmten Einkaufskorb eines Haushaltes entsprechend gewichtet», sagt Lambouray. Steigende Preise für Käse haben nicht die gleichen finanziellen Auswirkungen wie steigende Preise für Krippe oder Auto. Der Transportbereich ist auch derjenige, der in diesem Korb am schwersten wiegt (18,1 Prozent im Jahr 2015), gefolgt von sonstigen Gütern und Dienstleistungen (15,7 Prozent für Körperpflege, Sozialschutz, Finanzdienstleistungen...), Essen (ohne alkoholische Getränke) entfällt zu zehn Prozent auf den Korb.

«Keine Kostenanpassung wurde ausgelassen»

«Alles ist absolut transparent und öffentlich. Wenn es noch keine Indexierung gab, dann, weil die Preise seit der vergangenen Tranche im Oktober 2013 insgesamt nicht mehr als um 2,5 Prozent gestiegen sind», sagt Jérôme Hury, Leiter der Statec-Sozialstatistikabteilung. Die Preise müssten im Ganzen betrachtet werden: Der Preis für einen Haarschnitt ist um 5,7 Prozent gestiegen, der für Restaurantbesuche um 5,6 Prozent; aber zur gleichen Zeit sind Teigwaren um 3,8 Prozent billiger geworden, Reis um 10,3 Prozent und Sprit um 19,6 Prozent.

«Keine Kostenanpassung wurde ausgelassen, sie haben sich lediglich verschoben», hatte Jean-Claude Juncker erklärt.

(Marion Chevrier/L'essentiel)

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