Erfahrungsbericht – Warum ich ab sofort kein Veggie mehr bin
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ErfahrungsberichtWarum ich ab sofort kein Veggie mehr bin

Praktikantin Sophia Cosby hat aus ethischen Gründen sieben Jahre lang auf Fleisch verzichtet – bis ihr Körper plötzlich verrückt spielte.

Sophia steht hinter ihrer Entscheidung, kein Fleisch zu essen, findet aber, dass sie unüberlegt war.

Sophia steht hinter ihrer Entscheidung, kein Fleisch zu essen, findet aber, dass sie unüberlegt war.

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Mein Leben ohne Fleisch begann wie das vieler anderer Veggies: mit einem Dokumentarfilm. Bei mir war es «Food Inc.» – längst nicht der Schlimmste unter den Horror-der-Tierindustrie-Enthüllungs-Filme, aber mir hat er damals im Religionsunterricht die Augen geöffnet. Während meine Mitschüler lachten und blöde Kommentare, wie «Jetzt hab ich Lust auf einen Burger», abgaben, saß ich stumm da und entschied mich, von nun an auf Fleisch zu verzichten.

Das war vor sieben Jahren. Seither habe ich mich auschließlich vegetarisch, manchmal sogar vegan ernährt. Mir fehlten die saftigen Burger oder der knusprige Bratspeck nicht und mir ging es blendend. Bis vor einem Monat.

Brennende Zunge, kribbelnde Beine, Schwindel

Angefangen hat es mit leichten, bald stärkeren Schwindelanfällen. Dann kam ein Kribbeln in den Armen und Beinen dazu, meine Zunge brannte, mir war ständig kalt und ich war jeden Tag erschöpft – trotz drei Tassen Kaffee. Wie ich es immer tue, zog ich voreilige Schlüsse und rechnete mit irgendeiner unheilbaren Krankheit. Doch die Blutanalyse beim Hautarzt ergab eine mildere Diagnose: Ein sehr niedriger B12-Wert.

Kein Wunder. Unser Körper kann das Vitamin nicht selber produzieren. Und leider ist es nur in tierischen Lebensmittel vorhanden – also in Fleisch, Fisch, Milch oder Eiern. Ich kaufte mir aber lieber trendige Kuhmilch-Alternativen aus Reis oder Mandeln und Eier ekeln mich oft an.

Pouletcurry an einem Donnerstagabend

Damals vor sieben Jahren war meine Entscheidung, auf Fleisch zu verzichten, ziemlich unüberlegt. Ich war 17 und hatte nie daran gedacht, dass mir bei einer fleischlosen Ernährung irgendwelche lebenswichtige Vitamine fehlen könnten. Im Gegenteil: Als Vegetarierin fühlte ich mich nicht nur moralisch sondern auch gesundheitlich überlegen. Auch als eine, die von Brot, Pasta und viel Süßem lebte.

Direkt nach dem Bluttest wurde mir eine B12-Kur verschrieben, die meinen Wert wieder aufpeppen sollte. Dennoch überlegte ich mir tagelang, wieder Fleisch zu essen. Nicht, weil es mir aktiv gefehlt hätte. Aber ich glaube daran, dass der Körper einem sagt, wenn ihm etwas fehlt. Meiner wollte mir mit dem Schwindel und den Nervenstörungen definitiv etwas sagen. Eines Abends, an einem Donnerstag, bestellte ich also im Restaurant ein Curry – mit Poulet. Wie es schmeckte? Irgendwie wie immer. Ob ich ein schlechtes Gewissen hatte? Irgendwie nicht.

Keine Angst vor dem Shitstorm

Seit mittlerweile zwei Wochen wähle ich jetzt ab und zu die fleischige Variante. Und fühle mich dabei weder, als hätte ich die gesamte Tierwelt verraten, noch habe ich Angst vor einem Shitstorm aus der Veggie-Community. Eigentlich sehe ich die Sache eher pragmatisch: Derzeit ist Fleisch für mich das B12-Supplement, das ich schon vor sieben Jahren hätte einnehmen sollen. Denn was ich gelernt habe: Ein veganer, glutenfreier oder Paleo-Lebensstil ist schön und gut. Nur sollte er niemanden davon abhalten, auf seinen Körper zu hören.

Das werde ich auch in Zukunft tun. Denn klar, Fleisch schmeckt gut und natürlich ist es oft einfacher, wenn man Allesfresser ist. Sobald mein Körper mir aber sagt, dass er wieder fit und bereit dazu ist, einen ausgewogenen, vegetarischen Lebensstil zu versuchen, werde ich genau das tun.

(L'essentiel/Friday)

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