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Kampf gegen CoronaWarum Luxemburg weiterhin so viel testen sollte

LUXEMBURG – Weniger Tests bedeuten weniger Neuinfektionen? Warum diese Rechnung nicht aufgeht, erklärt Jean-Paul Bertemes vom Nationalen Forschungsfond.

Luxemburg habe die Pandemie bisher noch unter Kontrolle, weil so viel getestet wird und die
Rückverfolgung der Kontakte so gut funktioniere.

Luxemburg habe die Pandemie bisher noch unter Kontrolle, weil so viel getestet wird und die
Rückverfolgung der Kontakte so gut funktioniere.

DPA

Seit einigen Tagen nimmt die Zahl der registrierten Covid-19-Infektionen in Luxemburg wieder stark zu. Am gestrigen Donnerstag wurden 163 Neuinfektionen gemeldet. Der höchste Wert seit dem 1. April, damals waren es 191. In keinem anderen europäischen Land ist die Zahl der Neuinfektionen – gemessen an der Einwohnerzahl – derzeit so hoch wie in Luxemburg. Belgien und Deutschland haben das Großherzogtum deshalb bereits als «Risikogebiet» eingestuft.

Vielen Menschen brennt nun eine Frage unter den Nägeln: Wäre es nicht besser, wir würden weniger
testen, um dann weniger Neuinfektionen zu haben? «Nein, im Gegenteil», sagt Jean-Paul Bertemes vom Nationalen Forschungsfond: «Weniger Tests bedeuten nicht weniger Neuinfektionen. Weniger Tests bedeuten bloß weniger offiziell registrierte positive Fälle und eine höhere Dunkelziffer.» Sprich: Die Neuinfektionen sind da, egal ob sie registriert werden, oder nicht. «Das müssen wir als Gesellschaft verstehen», sagt Bertemes in Gespräch mit L'essentiel.

«Weniger testen bedeutet am Ende mehr Neuinfektionen»

Würde das Land weniger Tests durchführen, könne es seine Zahl der Neuinfektionen zwar beschönigen, allerdings «nur kurzfristig», wie Bertemes auf «science.lu erklärt: «Mittelfristig würde dies aber bedeuten, dass weniger Menschen, die ansteckend sind, identifiziert und in Quarantäne gesetzt werden können.» Deutlich mehr Infizierte, oftmals symptomfrei, würden dann für weitere Infektionen sorgen. Zudem entfalle die Rückverfolgung der Kontakte, wodurch sich das Virus noch stärker weiterverbreitet würde.

«Weniger testen bedeutet also bloß weniger Infektionsketten durchbrechen. Und am Ende mehr Neuinfektionen», so der Chemiker. Der Coronatest sei nur der erste Schritt zur Rückverfolgung der Kontakte und anschließenden Quarantäne-Maßnahmen.

Luxemburg habe die Pandemie bisher noch unter Kontrolle, weil so viel getestet wird und die Rückverfolgung der Kontakte so gut funktioniere. Ohne die flächendeckenden Tests «wäre die Situation möglicherweise bereits außer Kontrolle. Und dann würden uns die Nachbarländer sicherlich nicht besser einstufen», sagt Bertemes.

(Sebastian Weisbrodt/L'essentiel)

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