Hubschrauber-Tod in Athen: Warum rannte der Brite (22) zum Landeplatz zurück?

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Hubschrauber-Tod in AthenWarum rannte der Brite (22) zum Landeplatz zurück?

Der Unfall schockiert Großbritannien: Ein junger Brite stirbt bei einem Helikopter-Unfall in Athen. Der genaue Unfallhergang wird abgeklärt. Jetzt äußert sich seine Familie.

von
Reto Bollmann
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Der 22-jährige Brite stammte aus wohlhabendem Hause. Nach der Landung wäre es mit dem Privatjet zurück nach England gegangen.

Der 22-jährige Brite stammte aus wohlhabendem Hause. Nach der Landung wäre es mit dem Privatjet zurück nach England gegangen.

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Der Vater des Opfers arbeite für die berühmte Freizeitattraktion «The Hop Farm», welche zu den größten Attraktionen der englischen Stadt Kent zählt.

Der Vater des Opfers arbeite für die berühmte Freizeitattraktion «The Hop Farm», welche zu den größten Attraktionen der englischen Stadt Kent zählt.

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Der Helikopter soll ein Bell 407 gewesen sein. (Symbolbild)

Der Helikopter soll ein Bell 407 gewesen sein. (Symbolbild)

imago/CTK Photo

Freunde des britischen Touristen, der bei einem Helikopterunfall in Griechenland ums Leben gekommen ist, sind wütend: Sie wehren sich gegen die Behauptung, der 22-Jährige sei verunfallt, weil er durch sein Telefon abgelenkt gewesen war.

Der 22-Jährige ist auf der Rückreise von der Ferieninsel Mykonos aus bisher unbekannten Gründen hinter den Bell-407-Helikopter gelaufen, während der Motor noch eingeschaltet war. Er geriet in einen Rotor der Maschine und verstarb noch an der Unfallstelle an seinen schweren Verletzungen.

«Sind über Verlust unseres wunderbaren Jungen am Boden zerstört»

Die Mutter des Verstorbenen erklärte, die Familie sei «völlig am Boden zerstört» über den Verlust ihres «wunderbaren Jungen», der ein teures Internat in England besuchte. Nach ihrer Darstellung war der 22-Jährige am Vortag zwar im Ausgang gewesen, hatte am Unfalltag jedoch nur Wasser getrunken. «Er und seine Freunde waren alle nüchtern.»

Griechische Ermittler hatten behauptet, der 22-Jährige sei nach einer geglückten Landung auf den Landeplatz zurückgelaufen, um trotz Warnungen der Besatzung ein Selfie zu machen. Dabei sei er versehentlich in den noch drehenden Heckrotor der Maschine gelaufen. Drei Freunde des Verstorbenen weisen diese Version der Geschichte jedoch zurück.

«Niemand hat ihn gehindert»

«Wir sind auf eigene Faust ausgestiegen und niemand hat ihn daran gehindert, zum hinteren Teil des Helikopters zu gehen. Es wurden keine Anweisungen gegeben und niemand begleitete uns», so die Freunde. Warum der Verunglückte zum Heck des Helikopters zurückrannte, wissen die drei nicht – er sei jedoch nicht am Telefon gewesen.

Gemäß dem Vorsitzenden des griechischen Ausschusses für Flugunfälle, Ioannis Kandyllis, hat sich der 22-Jährige den Anweisungen der Crew widersetzt und ist mit dem Telefon am Ohr zum Helikopter zurückgerannt. Alle vier Passagiere seien zunächst ausgestiegen und dann in eine private Lounge begleitet worden, in der sie auf einen Privatflug nach London warteten, doch das Opfer sei auf den Landeplatz zurückgelaufen.

Handy des Opfers könnte Aufschluss geben

«Wir hoffen, bald das Mobiltelefon des Opfers sicherstellen zu können, um untersuchen zu können, mit wem es zum Zeitpunkt des Unfalls in Kontakt stand und aus welchen Gründen er zum Helikopter zurückkehrte», so Kandyllis.

Nach dem Unglück wurden am Dienstagvormittag der Pilot und zwei Techniker des Bodenpersonals vorläufig festgenommen, dann jedoch von der Polizei wieder freigelassen. Die drei könnten wegen Fahrlässigkeit oder Totschlags angeklagt werden, wenn sie die Passagiere tatsächlich zum Aussteigen aufforderten, als es nicht sicher war.

Rettungskräfte waren zum privaten Helikopterlandeplatz am Rande der griechischen Hauptstadt gerufen worden, doch geht man davon aus, dass der 22-Jährige sofort verstorben war. Die griechischen Ermittler werden das Bildmaterial einer Überwachungskamera am Landeplatz auf Hinweise zum genauen Unfallhergang untersuchen.

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