Doktor Sex – «Warum tropft so lange Sperma aus meinem Penis?»

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Doktor Sex«Warum tropft so lange Sperma aus meinem Penis?»

Sven hat festgestellt, dass die Umstände der Ejakulation einen Einfluss auf das haben, was in seinem Körper und mit seinem Glied danach passiert. Warum ist das so?

Sven (24) fragt sich, warum sein Samenerguss beim Sex und bei der Selbstbefriedigung unterschiedlich ist. (Symbolbild)

Sven (24) fragt sich, warum sein Samenerguss beim Sex und bei der Selbstbefriedigung unterschiedlich ist. (Symbolbild)

Pexels / Gurkamal Teja

Frage von Sven (24) an Doktor Sex

Ich habe den Eindruck, dass, nachdem ich Selbstbefriedigung gemacht habe, noch lange Sperma aus meinem Penis fließt. Auch, wenn er bereits wieder schlaff ist. Dies habe ich nach dem Geschlechtsverkehr noch nie bewusst so wahrgenommen.

Kann es sein, dass Onanieren intensiver ist? Oder hat es damit zu tun, dass ich beim Sex mit mir allein jeweils bemüht bin, den Orgasmus so lange wie möglich hinauszuzögern? Denn wenn ich Geschlechtsverkehr habe, kann ich den Samenerguss nicht sehr lang vermeiden.

Grundsätzlich stört mich das Phänomen ja nicht. Jedoch gehe ich den Dingen gern auf den Grund. Kannst du mir darum bitte kurz erläutern, was mögliche Gründe dafür sein könnten? Danke!

Antwort von Doktor Sex

Lieber Sven,

der menschliche Körper und wie dessen Teile zusammenarbeiten, ist ein Wunder. Und Wunder kann man bekanntlich nicht wirklich schlüssig erklären. Lass mich trotzdem ein paar Mutmassungen anstellen über die Hintergründe des von dir beschriebenen Phänomens. In der Tat ist die Intensität der Reibung am Penis bei der Selbstbefriedigung meist höher als beim Geschlechtsverkehr, da Männer dafür oft ziemlichen Druck auf diesen ausüben. Auf den Samenerguss hat dies aber nicht wirklich einen Einfluss.

Entscheidender scheint mir, dass die Arbeit mit der tiefen Muskulatur im Becken bei der Selbstbefriedigung weniger intensiv ist als beim Geschlechtsverkehr. Oft wird dabei ja einfach nur der Penis mit der Hand gerieben, während der Unterleib passiv bleibt. Die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur sowie die damit einhergehende, wellenförmige und rhythmische Anspannung und Entspannung beim Orgasmus in Zusammenhang mit einer Penetration haben zur Folge, dass die Samenflüssigkeit intensiver aus dem Körper gepresst wird. Dadurch bleibt weniger davon im Harnleitersystem.

Ich denke, dies ist der wesentliche Grund für das von dir beobachtete Phänomen. Hinzu kommt, dass du dir beim Sex mit einer anderen Person wohl auch einfach weniger bewusst bist über all das, was nach dem Abspritzen noch geschieht – zumal dein Penis danach wahrscheinlich noch einige Zeit im Körper des Gegenübers verbleibt, während du die sich einstellende Entspannung genießt.

Zum Schluss noch ein Tipp, um zu lernen, bewusster mit dem Orgasmus beim Geschlechtsverkehr umzugehen: Versuche, dich achtsamer dem «point of no return» anzunähern – dies ist der kurze Moment, in dem du die Kontrolle über deinen Körper verlierst und Orgasmus sowie Samenerguss stattfinden.

Mit etwas Übung wirst du lernen, rechtzeitig zu spüren, wann du aufhören musst mit der aktiven Penetration. Wenn du rechtzeitig innehältst und eine kurze Pause machst, kann sich das Erregungsniveau in deinem Körper etwas reduzieren. Dies führt dazu, dass du Distanz zum Orgasmus gewinnst. Alles Gute!

(L'essentiel/Bruno Wermuth)

Bruno Wermuth ist Sexualberater und -pädagoge. Als «Dr. Sex» beantwortet er Fragen der L'essentiel- und 20 Minuten-Leser zur schönsten Nebensache der Welt.

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