Doktor Sex – «Warum wollen Männer beim Sex so schräges Zeug?»
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Doktor Sex«Warum wollen Männer beim Sex so schräges Zeug?»

Jessica (22) versteht die Welt nicht mehr. Seit sie beim Sex auf Praktiken angesprochen wurde, die sie total abturnen, ist sie von «männlichen Sex-Fantasien» schockiert.

Jessica (22) ist sauer: Sie wurde beim Sex mehrmals auf Praktiken angesprochen, die sie voll abturnen. (Symbolbild)

Jessica (22) ist sauer: Sie wurde beim Sex mehrmals auf Praktiken angesprochen, die sie voll abturnen. (Symbolbild)

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Frage von Jessica (22) an Doktor Sex

«Ich bin nach den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren beim Sex gemacht habe, ziemlich ernüchtert, ich könnte auch sagen schockiert. Manchmal hatte ich den Eindruck, mein Gegenüber denkt, ich sei eine Dose, in die man alles mögliche hineinstecken kann!

Sorry, aber weder möchte ich eine Flasche in meiner Vagina noch macht es mich an, wenn ein Mann Gurken, Rüben oder anderes Gemüse in mich reinschiebt. Und nein, ich will auch keine Kerze in meinem Hintern.

Können Männer nicht zwischen ihrer Fantasie und meiner Realität unterscheiden? Sind ihre Hirne so zugemüllt von dem ganzen Pornoschrott, den sie sich tagtäglich reinziehen? Oder meinen sie tatsächlich, ich würde darauf stehen?»

Antwort von Doktor Sex

Liebe Jessica,

deine Empörung ist verständlich! Du scheinst in deinem verhältnismäßig kurzen Sexualleben schon in Situationen geraten zu sein, die dich an deine Grenzen gebracht haben. Gerade beim Sex können sich solche Erfahrungen schnell bedrohlich anfühlen oder gar zu einem Trauma werden.

Zuerst möchte ich kurz etwas klarstellen: Die Männer gibt es nicht – genauso wenig, wie die Frauen. Ein Mann oder eine Frau zu sein, bedeutet – abgesehen von der biologischen Ausstattung – nicht automatisch, bestimmte Charaktereigenschaften zu haben oder sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten.

Es ist deshalb müßig, Fragen zu stellen, die implizieren, Männer oder Frauen seien homogene Gruppen von Menschen, die bestimmte, auf alle zutreffende Eigenschaften verkörperten. Man weiß aus der Genderforschung, dass die Vielfalt innerhalb der jeweiligen biologischen Geschlechtergruppe unendlich groß ist – viel größer, als diejenige zwischen den Geschlechtern.

Trotzdem: Deine Überlegungen sind absolut angebracht und wichtig!

Ja, es gibt Männer, deren Möglichkeiten eingeschränkt sind, zwischen ihren eigenen Fantasien und den Wünschen ihrer Partnerin oder ihres Partners zu unterscheiden. Dass dabei pornografische Fiktionen eine Rolle spielen, kann niemand bestreiten. Und klar gibt es Männer, deren Frauenbild bedenklich ist.

Das alles wussten wir aber schon, bevor du uns an deinen Überlegungen hast teilhaben lassen. Entscheidend ist, was du aus dieser – für dich möglicherweise neuen – Erkenntnis machst.

Eigentlich gibt es nur ein wirklich nützliches Vorgehen, um sich vor solchen Überraschungen zu schützen: Reden! Bevor du dich also in Zukunft auf Sex einlässt, solltest du deinem potentiellen Sexualpartner unmissverständlich klar machen, was bei dir geht – und was eben nicht.

Vielleicht denkst du nun, dass dies der totale Abturner ist. Mag sein. Letztlich ist es aber ziemlich idiotisch, zu glauben, man könne sich einfach mal so ohne Worte auf ein bisschen Sex einlassen und das Gegenüber werde sich dann so verhalten, wie man sich das im Geheimen wünscht.

Auch wenn grundsätzlich niemand das Recht hat, deine Grenzen zu überschreiten oder dir etwas aufzuzwingen: Du tust gut daran, deine Möglichkeiten von Anfang an klar abzustecken und so die Verantwortung für dich selber und dein Wohlergehen zu übernehmen! Alles Gute.

(L'essentiel/Bruno Wermuth)

Bruno Wermuth ist Sexualberater und -pädagoge. Als «Dr. Sex» beantwortet er Fragen der L'essentiel- und 20 Minuten-Leser zur schönsten Nebensache der Welt.

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