In Österreich Pflicht – Was bringen Masken im Kampf gegen Corona?

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In Österreich PflichtWas bringen Masken im Kampf gegen Corona?

Immer mehr europäische Länder setzen auf Masken im Kampf gegen das Coronavirus. Umstritten ist, wie viel die Masken bringen.

Wer in Österreich einkaufen geht, darf das bald nur noch mit Hygienemaske tun. Am Eingang von Supermärkten sollen ab Mittwoch Masken verteilt werden - auch selbst produzierte Masken sind zulässig.

In Asien ist das Tragen von Masken längst an der Tagesordnung. Auch in Tschechien und Slowenien muss, wer sich an die Öffentlichkeit begibt, eine Maske tragen. In Südkorea, Taiwan und Hongkong, allesamt Länder, die das Coronavirus bislang vergleichsweise erfolgreich bekämpfen, trägt ebenfalls beinahe jeder eine Maske. Auf Twitter kursieren entsprechende Grafiken, die einen Zusammenhang zur Anzahl Infektionen suggerieren:

Vergleiche zu ziehen, ist laut der Virologin Angela Rasmussen von der Columbia-Universität aber schwierig, da viele andere Faktoren einen oftmals größeren Einfluss auf die Infektionszahl haben. Ausschlaggebend seien vielmehr die strikten Quarantänemaßnahmen und das Einhalten von Social Distancing.

Sowieso ist die Wirksamkeit von Masken unter Wissenschaftlern umstritten. Laut der Fachzeitschrift «Science» haben bislang keine randomisierten, kontrollierten Studien mit anderen Viren bewiesen, dass die Öffentlichkeit mit Masken auszustatten, Infektionen reduziert.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf.

Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. «Unser Rat: wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist», sagte Ryan.

«Großer Fehler, dass die Leute keine Masken tragen»

Dennoch plädieren zahlreiche Forscher für den Einsatz von Masken gegen das Coronavirus. So etwa der Direktor des chinesischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung, George Gao. Er sagt in einem Interview mit «Science»: «Der große Fehler in den USA und Europa besteht meiner Meinung nach darin, dass die Leute keine Masken tragen.»

Eine Maske zu tragen sei sinnvoll, weil immer, wenn man spricht Tröpfchen aus dem Mund kämen. Diese spielten eine sehr wichtige Rolle bei der Verbreitung. Besonders, da es auch Corona-Infizierte gebe, bei denen sich die Symptome spät oder gar nicht zeigen würden. «Wenn sie Masken tragen, können sie den Virus enthaltende Tröpfchen davor hindern, zu entweichen und andere anzustecken.»

Auch der deutsche Virologe Alexander Kekulé ist ein starker Verfechter des Einsatzes von Masken. Zum WDR sagt er, dass man mit dem Tragen von Atemschutzmasken einen wichtigen Beitrag dazu leisten könne, die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. «Ich würde dringend empfehlen, jetzt, wo viele Infizierte draußen rumlaufen, tatsächlich solche einfachen OP-Masken zu tragen», so Kekulé. Er empfiehlt sogar, sich zur Not selber eine Maske zu basteln.

Laut Kekulé bieten die Masken auch dem Träger einen gewissen Schutz, vor allem in geschlossenen Räumen. Denn die Viren müssten für eine Infektion erst auf den Schleimhäuten, also im Mund, in der Nase oder in den Augen landen.

Maske muss richtig getragen werden

Bereits nachgewiesen wurde, dass Masken verschiedene Atemwegsinfektionen bei Pflegepersonal verhindern können. Für Benjamin Cowling, Epidemiologe der Universität Hongkong, macht es keinen Sinn, «sich vorzustellen, dass chirurgische Masken für das Gesundheitspersonal wirklich wichtig sind, aber dann für die Allgemeinheit überhaupt nicht nützlich».

Wichtig sei aber, dass dem Durchschnittsmensch beigebracht werde, wie man eine Maske richtig trägt. Erst dann habe er, so Cowling, «einen gewissen Schutz vor Infektionen in der Gemeinschaft».

Raten Behörden wegen Knappheit ab?

Dass dennoch viele Gesundheitsbehörden vom Tragen von Masken abraten, liege am begrenzten Angebot, sagt Elaine Shuo Feng, Epidemiologin an der Universität Oxford. Sie verglich mit ihrem Team Empfehlungen verschiedener Gesundheitsbehörden bezüglich Gesichtsmasken.

(L'essentiel/pro)

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